Worbis Polizeieinsatz nach Streit bei armenischen Autohändlern

In Worbis im Landkreis Eichsfeld hat es am Mittwochnachmittag einen großangelegten Polizeieinsatz bei armenischen Autohändlern gegeben. Wie die Landeseinsatzzentrale MDR THÜRINGEN mitteilte, sollen verschiedene Clan-Mitglieder in Streit geraten sein. Worum es dabei ging, ist laut Polizei noch unklar.

Polizisten stehen auf einer Straße
Polizisten sichern die Umgebung Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Zum Einsatz kamen dutzende Beamte von Landeskriminalamt, örtlicher Polizei und Bereitschaftspolizei. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen übernahm die Ermittlungen. Sprecher Dirk Germerodt sagte MDR THÜRINGEN, dass es bei der Auseinandersetzung nach bisherigem Stand keine Opfer gegeben habe. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN sollen aber Waffen gefunden worden sein. Das wollte Germerodt derzeit weder bestätigen, noch dementieren.

Zusammenhang mit Vorfall in Göttingen

Nach Informationen von MDR THÜRINGEN steht die Auseinandersetzung an diesem Mittwoch in einem Zusammenhang mit einer blutigen Attacke vor knapp zwei Wochen in Göttingen. Dort waren rund 20 Männer, bei denen es sich ebenfalls um Armenier handelte, aufeinander losgegangen. Dabei gab es mehrere Verletzte. Der überwiegende Teil der Beteiligten soll aus dem benachbarten Eichsfeldkreis gekommen sein. Sie werden zum Umfeld der armenischen Mafia in Thüringen und anderen Bundesländern gerechnet. In einem Wagen mit einem Eichsfelder Kennzeichen wurde nach der Göttinger Attacke offenbar auch eine scharfe Schusswaffe gefunden. Nur wenige Tage danach durchsuchte die Polizei mehrere Wohn- und Geschäftsräume, unter anderem in Worbis und Heiligenstadt. Darunter auch die Autohändler, die nun am Mittwoch Schauplatz der weiteren Auseinandersetzung gewesen sind.

Auf einer Straße vor einem Autohaus stehen mehrere Polizeifahrzeuge und Personen
Großaufgebot der Polizei bei den Autohändlern in Worbis am Mittwoch Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Dabei scheint der Streit zwischen den armenischen Clans schon länger zu gehen. Erst Ende Juni vergangen Jahres war es in einer Sisha-Bar in Heiligenstadt zu einer blutigen Messerattacke gekommen. Mehrere mutmaßliche armenische Mafia-Mitglieder hatten einen anderen Armenier angegriffen. Dieser wurde dabei schwer verletzt. Aus vertraulichen Polizeiakten geht hervor, dass in der Juni-Nacht vergangenen Jahres mehrere Männer aus Worbis nach Heiligenstadt gefahren waren. Sie stürmten in die Bar und gingen direkt auf den Mann los. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN gehörte der junge Armenier zum Konkurrenz-Clan.

Hintergrund der Attacken sollen jahrelange geschäftliche Streitereien um Geld, Immobilien und Geschäftsanteile sein. Beide Clans sind offiziell im Autohandel aktiv. Aber es gibt auch den Verdacht, dass einzelne Clan-Mitglieder in Drogengeschäfte verstrickt sein könnten. Die beiden Clans aus dem Eichsfeld sollen bisher aber nicht in einer direkten Verbindung zur armenischen Mafia in Erfurt stehen.

In Erfurt gibt es seit rund 15 Jahren mindestens zwei konkurrierende armenische Mafia-Familien. In Thüringen gibt es seit einer Schießerei vor einer Spielothek mit zwei Schwerverletzten immer wieder schwere blutige Auseinandersetzungen, die im Zusammenhang mit der armenischen Mafia stehen. Dabei wurden Autos und Restaurants niedergebrannt. Im Herbst vergangen Jahres wurde mitten in der Erfurter Innenstadt ein Restaurant eines Armeniers überfallen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Mai 2018 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2018, 14:41 Uhr