Tommy Frenck macht kein Geheimnis aus seiner Gesinnung: „Aryan“ also „Arier“ steht quer über seinen Hals tätowiert.
Tommy Frenck holte 16,6 Prozent im Landkreis Hildburghausen Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

Landratswahl Neonazi holt im Kreis Hildburghausen 16,6 Prozent

Ein bekennender Neonazi hat im Landkreis Hildburghausen 16,6 Prozent bei der Landratswahl geholt. Mehr als 4.000 Menschen wählten Tommy Frenck vom Bündnis Zukunft Hildburghausen.

von Bettina Ehrlich

Tommy Frenck macht kein Geheimnis aus seiner Gesinnung: „Aryan“ also „Arier“ steht quer über seinen Hals tätowiert.
Tommy Frenck holte 16,6 Prozent im Landkreis Hildburghausen Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

Klar gewonnen hat die Landratswahl in Hildburghausen der bisherige Landrat Thomas Müller von der CDU. Nach dem vorläufigen Wahlergebnis erreichte er 61,1 Prozent. Das war nicht wirklich überraschend - das Kopf-an Kopf-Rennen der anderen beiden Kandidaten aber schon. Reinhard Hotop, der gemeinsame Kandidat von Linkspartei, den Bündnisgrünen sowie der Wählergemeinschaft "Aktiv für Schleusingen", lang lange bei etwa 20 Prozent gleichauf mit dem Neonazi Tommy Frenck. Am Ende erreicht Hotop 22,3 Prozent, Frenck landete mit 16,6 Prozent auf Platz drei.

Nach der Auszählung aller Stimmen stand damit am Wahlabend kurz nach 20 Uhr fest: Mehr als 4.000 Menschen können sich im Landkreis einen bekennenden Neonazi als Landrat vorstellen. "So erschreckend wie das ist, ich habe damit gerechnet", sagte Wahlsieger Thomas Müller (CDU). Tommy Frenck sitzt für das Bündnis "Zukunft Hildburghausen" im Hildburghäuser Kreistag, fällt dort laut Landrat Müller aber nicht durch große Redebeiträge auf und ist meist nur stiller Beobachter.

Thomas Müller
Thomas Müller (CDU) Bildrechte: Thomas Müller

Laut Müller ist Tommy Frenck ein Mann der polarisiert und im Landkreis zudem sehr bekannt ist. Im letzten Jahr organisierte Frenck auf einer Wiese bei Themar das europaweit größte Neonazikonzert mit etwa 6.000 Teilnehmern. Dadurch erreichte die Region zweifelhaften Ruhm auch in der überregionalen Presse. Frenck profitierte nach Ansicht Müllers von einem Trend, der sich schon zur Bundestagswahl im September angekündigte hatte. Da war die AfD drittstärkste Kraft geworden.

Berufungsprozess wegen Verdacht der Volksverhetzung läuft

In dem kleinen Dorf Grimmelshausen zum Beispiel ist der Neonazi mit 43,9 Prozent der Stimmen absoluter Wahlsieger geworden. Thomas Müller erreichte nur 31,6 Prozent und Reinhard Hotop 24,5 Prozent. Dieses Ergebnis liegt möglicherweise auch daran, dass dort der parteilose Bodo Dressel jahrelang Ortsteilbürgermeister war. Dressel ist derjenige Privatmann, der den Neonazis seine Wiese am Stadtrand von Themar für die Rechtsrockkonzerte zur Verfügung stellt.

"Die Leute sind einfach unzufrieden, wie es momentan läuft", sagt Frenck MDR THÜRINGEN im Interview. Er hatte schon im Vorfeld der Landratswahl angekündigt, mindestens zehn Prozent der Stimmen erreichen zu wollen. Dieses Ziel hat er mehr als erreicht. Auf die Frage, ob er rechtsradikal ist, weicht Frenck aus. "Ich bin ein ganz normaler Mensch, wer was anderes über mich denkt, dann müssen Sie halt die fragen, warum sie so denken", sagt Frenck.

Am Meininger Landgericht läuft momentan noch eine Berufung wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Vom Amtsgericht Hildburghausen war Frenck zu zehn Tagessätzen verurteilt worden, dagegen hatten er und die Anklage Berufung eingelegt. Frenck soll ein verfassungsfeindliches Video auf Youtube hochgeladen und rassistische Kommentare auf seiner Facebook-Seite geduldet haben. Der Prozess geht im Mai weiter.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN - Das Radio | 16. April 2018 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 17:46 Uhr