Eine Frau kauft am Computer mit Kreditkarte ein.
Eine Frau kauft am Computer mit Kreditkarte ein. Bildrechte: IMAGO/FrédéricxCirou

Test: Passen Onlinehändler Preise an Kunden an?

05.12.2018 16:57

Onlineshopping vom iPhone ist teurer als Einkauf mit anderen Smartphones. Zudem richten sich die Händler im Netz danach, in welchem Stadtteil oder in welchem Dorf Kunden wohnen. Diesem Verdacht vieler Kunden sind die Verbraucherzentralen jetzt nachgegangen.

Eine Frau kauft am Computer mit Kreditkarte ein.
Eine Frau kauft am Computer mit Kreditkarte ein. Bildrechte: IMAGO/FrédéricxCirou

Zwei Monate, 1.500 Artikel, 17 Onlinehändler: Die Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Brandenburg haben in einem groß angelegten Test untersucht, ob beim Onlineshopping wirklich ein Rolle spielt, wer einkauft. Danach macht der große Teil der Händler überhaupt keine Preisunterschiede.

Kommt es darauf an, mit welchem Gerät ich online einkaufe?

iPhone
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Nutzer von iPhones oder iPads gelten als zahlungskräftiger und werden daher von Onlinehändlern stärker abkassiert. Diese Vermutung hält sich hartnäckig. In der Studie der Verbraucherschützer wurden tatsächlich für jedes dritte Produkt unterschiedliche Preise angezeigt – für die Tester mit einem Android-Gerät und für die mit einem Apple-Produkt. Vor allem in der Kategorie Spielzeug gingen laut dem Test die Preise manchmal recht deutlich auseinander: In einigen Fällen betrug die Preisspanne bis zu 46 Euro. Allerdings sahen häufiger iPhone- und iPad-Nutzer die günstigeren Preise.

Spielt mein Wohnort eine Rolle?

Die Verbraucherschützer fanden einige Belege für die Vermutung, Onlinehändler würden den Preis an den Wohnort ihrer Kunden anpassen. Nach dem Motto: Wer in einer Stadt mit hohen Mieten wohnt, schaut auch beim Onlineshopping nicht so genau auf den Preis. Dr. Kirsti Dautzenberg von den Marktwächtern Digitale Welt sagte MDR JUMP:

Dr. Kirsti Dautzenberg, Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Brandenburg
Bildrechte: Karla Fritze

Bei zwei von 16 Händlern haben wir gefunden, dass die Standorte sich auf die Preise auswirken. Das war bei OBI und bei A.T.U. so. Je nachdem, ob ich aus Berlin oder Magdeburg da ins Internet gehe.

Bei dem Baumarkt gingen die Preise für ein Druckluft-Starterset um bis zu 52 Prozent auseinander. Beim Autoteile-Lieferanten A.T.U. mussten manche Kunden für ein Motorenöl statt 39,99 Euro teure 64,99 Euro zahlen. Allerdings gab es laut den Verbraucherschützern kein erkennbares Muster für die Preisunterschiede. Mal profitierte der Kunde aus dem einen Wohnort, mal der aus dem anderen.

Werden Produkte teurer, wenn man oft nach ihnen sucht?

Ein Paar sitzt lachend mit Smartphone vor einem Laptop.
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Laut Kirsti Dautzenberg berichten den Marktwächtern Verbraucher immer wieder auch von diesem Gefühl: Sie bekommen irgendwann höhere Preise angezeigt, wenn sie sich ein Spielzeug oder einen Fernsehern bei verschiedenen Händlern und über mehrere Tage hinweg angesehen haben. Diesem Verdacht konnte die Verbraucherzentrale im aktuellen Test aber nicht nachgehen. Es sei extrem aufwendig, dafür passende Kundenprofile anzulegen und darüber dann nach einem bestimmten Produkt über Tage zu suchen. Die Verbraucherschützerin rät aber dazu, sicherheitshalber so anonym wie möglich zu shoppen. Dafür gibt es entsprechende Software für Internetbrowser wie Chrome oder Firefox. Die verraten dann weniger über den Nutzer, wenn dieser online einkauft.

Preise schwanken stark

Schon im August hatten die Marktwächter untersucht, wie stark sich die Preise binnen eines Tages unterscheiden. Den Verbraucherschützern zufolge schwankten die Preise je nach Tageszeit oder Wochentag teils enorm. Eine Hose von Zalando gab es zu einem Zeitpunkt für 80 Euro und zu einem anderen für 200 Euro. Diese sogenannten "dynamischen Preise" werden im Onlinehandel häufig eingesetzt. In der Studie vom August arbeiteten 15 von 16 untersuchten Shops damit. Das dürften die Händler laut den Verbraucherschützern auch machen.

So nutzt man schwankende Online-Preise für sich

Wer online geht, Angebote vergleicht und dann spontan kauft, wird selten den für sich günstigsten Preis bekommen.  

Da hilft natürlich, die Preise über einen längeren Zeitraum zu beobachten oder Preisvergleichsportale zu nutzen. Da gibt’s Funktionen wie den Preiswecker.

Dann können Verbraucher zu dem Zeitpunkt kaufen, an dem der dynamische Preis auf dem tiefsten Stand ist. Vergleichsportale wie günstiger.de oder idealo.de zeigen auf Wunsch auch den Preisverlauf für ein Produkt in einem oder mehreren Onlineshops. Der Preisvergleich kann allerdings im Einzelfall recht aufwendig sein, etwa wenn es Jacke oder ein Roller in einer bestimmten Farbe oder Größe sein soll. Inzwischen geben Händler für unterschiedliche Farben auch unterschiedliche Preise aus. Das macht die Suche nach dem günstigsten Preis extrem aufwendig.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 05. Dezember 2018 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 16:57 Uhr

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