Dauergefahr: Zecken jetzt auch im Winter aktiv!

12.02.2020 | 15:47 Uhr

Sommerzeit ist Zeckenzeit - so hieß es immer. Das hat sich mit dem milden Winter jetzt geändert. Forscher warnen: Zecken sind inzwischen ganzjährig aktiv.

Auwaldzecke auf menschlicher Haut
Auwaldzecke auf menschlicher Haut Bildrechte: IMAGO images/Frank Sorge

Die milden Temperaturen in diesem Winter haben in den vergangenen Wochen vielerorts Zecken hervorgelockt. Dauerte die Zeckensaison früher von März bis Ende Oktober, so sind die Spinnentiere inzwischen ganzjährig aktiv, sagt der thüringer Zeckenforscher Jochen Süss.

Bei Bodentemperaturen ab 7 Grad marschieren sie los. Und da gehts dann auch los mit der Möglichkeit einer Erregerübertragung.

Jochen Süss, Zeckenforscher aus Jena

Der größte Feind der Zecke ist Kahlfrost, also tiefe Temperaturen ohne Schneedecke, sagt Süss. Bleibt der aus, dann überleben die Holzböcke, suchen sich einen Wirt und stechen zu. Etliche Hunde- und Katzenbesitzer haben in den vergangenen Wochen bereits Zecken an ihren Vierbeinern entdeckt. Schutz wird unbedingt empfohlen, etwa durch entsprechende Halsbänder für die Tiere. Auch Waldspaziergänger sollten sich vor Zecken in Acht nehmen. Dazu zählt eine geschlossene Kleidung und den Körper nach Aufenthalten in der Natur auf Zecken abzusuchen.

Krankheiten durch Zecken

Zecken können zwei gefährliche Krankheiten übertragen: Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Gegen letztere gibt es eine Impfung, die das Robert-Koch-Institut empfiehlt. 2018 gab es knapp 600 FSME-Erkrankungen, bei Borreliose wird von jährlich 214 000 Patienten in Deutschland ausgegangen. In Mitteldeutschland hat es vergangenes Jahr mehr Fälle von FSME und Borreliose gegeben.

Auch tropische Riesenzecke übersteht Winter

Eine weitere Gefahr geht seit kurzem von den deutlich größeren Verwandten unserer heimischen Arten aus: den Hyalomma-Zecken. Sie sind etwa fünf Mal so groß und halten sich normalerweise in Nordafrika, Südeuropa und Regionen Asiens auf, sind aber durch Vögel auch nach Deutschland eingeschleppt worden. Hyalomma-Zecken können Fleckfieber und das gefährlichen Krim-Kongo-Fieber übertragen. Zeckenforscher Süss geht davon aus, dass auch die Riesenzecken wegen des milden Wetters bei uns überwintert haben.

Das war ein leicht zu verkraftender Winter für die Zecken, es sind wenige umgekommen und das wird ein ordentliches Zeckenjahr.

Jochen Süss, Zeckenforscher Jena

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 12. Februar 2020 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2020, 15:47 Uhr

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