Spritpreise steigen: Darauf müssen sich Autofahrer in Zukunft einstellen

Autofahren wird immer teurer. Die Spritpreise sind so hoch wie seit vielen Jahren nicht mehr. Wir klären die wichtigsten Fragen, die Autofahrerinnen und Autofahrer nun beschäftigen.

Aus einer Zapfpistole tropft Benzin
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Die Tankpreise sind laut einer Auswertung des ADAC erneut gestiegen. Benzin ist demnach so teuer wie seit 2014 nicht mehr. Der Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt die Gründe im MDR-Interview.

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Erstens ist der Rohölpreis gestiegen, der war letztes Jahr so günstig wie ewig nicht. Zweitens haben wir eine CO2-Abgabe, die den Sprit teurer macht. Und drittens haben wir auch noch mehr Mehrwertsteuer, die obendrauf kommt. Das macht den Benzinpreis teuer.

Wie teuer wird das Tanken in der Zukunft?

Die Spritpreise sind auf einem Rekordhoch. Wie stark sie in der Zukunft wirklich ansteigen werden, ist laut Lundquist Neubauer vom Energieportal Verivox aber schwer zu sagen. Das hänge von vielen Faktoren ab, zum Beispiel dem Ölpreis und der Entwicklung des Dollar. Damit die Klimaziele der Bundesregierung erreicht werden können, ist aber auf jeden Fall eine Erhöhung der Abgaben und Steuern geplant – unter anderem auf Sprit.

So zum Beispiel der CO2-Preis, welcher Anfang des Jahres eingeführt wurde. Pro Liter Benzin sind das bis zu acht Cent, bis 2025 soll sich dieser Preis mehr als verdoppeln. In vier Jahren werden Benzin und Diesel allein deswegen rund acht Cent mehr kosten als jetzt. Das bedeutet aber auch, dass der Spritpreis in den nächsten ein oder zwei Jahren nur auf Grundlage des CO2-Preises nicht drastisch ansteigen wird.

So spart ihr beim Tanken Geld

Mit ein paar Tricks lässt sich an der Tankstelle Geld sparen, zum Beispiel mit Apps. Die bekanntesten Anwendungen, um die aktuellen Benzin- und Dieselpreise zu vergleichen, sind „Clever Tanken“, „Mehr Tanken“ und „ADAC Spritpreise“. Außerdem spielt auch die Uhrzeit eine entscheidende Rolle. Laut ADAC ist es morgens teuer und am Abend günstig. Vor allem zwischen 6 und 9 Uhr sind die Preise oft am höchsten. Zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr sind die Kraftstoffpreise hingegen regelmäßig am niedrigsten. Das Tanken um die richtige Uhrzeit lohnt sich besonders für Fahrerinnen und Fahrer von Benzinern. Im direkten Vergleich kann man bei einer 50-Liter Tankfüllung mit Blick auf die richtige Uhrzeit rund 4 Euro sparen.

Wie könnten Verbraucherinnen und Verbraucher entlastet werden?

Die Verbraucherzentralen und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordern, die Einnahmen aus dem CO2-Preis an die Bevölkerung zurückzugeben. Viele Bürgerinnen und Bürger sind auf ihr Fahrzeug angewiesen, da können hohe Kosten an der Tankstelle zu einem finanziellen Problem werden. Im Gespräch ist deswegen oft die sogenannte „Klimaprämie". Sie soll die Einnahmen des CO2-Preises vollständig an die Haushalte zurückerstatten. Einheitlich und pro Kopf, so bekommt jede und jeder exakt den gleichen Betrag ausgezahlt. Wer wenig fossile Energie verbraucht, spart dabei am meisten.

Auch über eine höhere Pendlerpauschale wird diskutiert. Nach Berechnungen des Bundesverbands der Verbraucherzentrale würden davon aber vor allem Haushalte mit einem hohen Einkommen profitieren. Während Menschen mit geringen Einkommen nur zehn Prozent zurückbekommen würden, sind es bei hohen Einkommen bis zu einem Drittel der Mehrausgaben. Das hat eine einfache Erklärung: Wer ein geringes Einkommen hat, zahlt auch weniger Steuern, kann also weniger sparen.

Diesel, Benzin, Strom – worauf sollte man beim Autokauf achten?

Klassische Verbrenner sind in der Anschaffung günstig, der Treibstoff hingegen nicht. Elektroautos glänzen nicht mit ihren Anschaffungskosten, dafür aber mit den vergleichsweise niedrigen Kosten beim Aufladen – und es gibt sogar eine Prämie beim Kauf. Für Finanzexperte Tenhagen führt am E-Auto kein Weg vorbei. Doch das bedeute nicht, die Voraussetzungen zu haben, damit sich der Kauf lohnt. Wer zum Beispiel eine Solaranlage auf dem Dach hat, um Strom zu tanken, könne laut Tenhagen über den Kauf eines E-Autos nachdenken.

Habe ich diese Voraussetzungen nicht, kaufe ich mir heute einen gebrauchten Benziner und fahre den mal runter in der Hoffnung, dass, wenn ich den runtergefahren habe, als nächstes Auto dann aber ein E-Auto kommt.

Worauf müssen sich Autofahrerinnen und Autofahrer in Zukunft einstellen?

Autofahren mit einem Verbrennungsmotor wird auf lange Sicht teurer werden, mit einem E-Auto voraussichtlich günstiger. Maßgeblich für diese Entwicklung werden auch die Entscheidungen der kommenden Bundesregierung sein. Um einen Überblick über die Vorschläge der Parteien zu bekommen, haben unsere Kolleginnen und Kollegen vom BR einen Blick in die verschiedenen Programme geworfen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 21. September 2021 | 06:00 Uhr

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