Pro & Contra Wolf: Wie sich Umweltschützer über die Tiere freuen

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind wieder Wölfe zu Hause. Nicht jedem gefällt das. Doch Umweltschützer verweisen auf die wichtige Bedeutung der Tiere für das Ökosystem.

Ein Wolf im Wald.
Bildrechte: Colourbox.de

Wölfin "Juli" hatte wohl die Nase voll. Eigentlich war das Tier ja in der Lausitz zu Hause, im Grenzgebiet zwischen Sachsen und Brandenburg. Das wissen die Experten von Lupus, dem Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Spreewitz bei Bautzen, weil sie dem Tier ein Senderhalsband angelegt haben. Doch im März verließ „Juli“ ihre Heimat, wanderte nach Polen und die Außenbezirke von Berlin. Inzwischen hat sie sich in Mecklenburg-Vorpommern niedergelassen, wo sie offenbar im Landgrabental zwischen Anklam und Friedland sesshaft geworden ist.

Dass Wölfe Sachsen verlassen ist trotzdem eher die Ausnahme. Die Bestände der Raubtiere in den Wäldern des Freistaats nehmen weiter zu. Aktuellste Zahlen zeigen: Mittlerweile gibt es im Land 29 Wolfsterritorien. Nach Angaben der Fachstelle Wolf des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie handelt es sich dabei um 28 Rudel und ein Paar. Allein im vergangenen Jahr seien in der Lausitz weitere vier Rudel dazugekommen, wie die Auswertungen für das die Monitoringperiode 2019/2020 zeigen, die den Zeitraum vom 1. Mai 2019 bis zum 30. April 2020 umfassen.

Nach der Wende kam der Wolf zurück

Dabei galt der Wolf in unserer Region rund 150 Jahre lang als ausgerottet. Erst nach der Wende kamen die Tiere über Polen wieder nach Sachsen, später dann auch nach Sachsen-Anhalt und Thüringen zurück. Das war möglich, weil sie gesetzlich mit dem höchstmöglichen Schutzstatus geschützt sind und so gut wie nicht gejagt werden dürfen. Der Europäische Gerichtshof hat 2019 noch einmal klargestellt, dass Wölfe wirklich nur dann geschossen werden dürfen, wenn es keine Alternative gibt.

Ein Wolf steht im Wald.
Bildrechte: Colourbox.de

In Sachsen-Anhalt zum Beispiel darf ein Wolf nur dann getötet werden, wenn er mehrmals Herdenschutzeinrichtungen, wie etwa Zäune, überwunden hat - oder eine Gefahr für Menschen zu befürchten ist. Selbst dann muss erst noch geprüft werden, ob der Herdenschutz verbessert oder der Wolf vertrieben werden kann.

„Gesundheitspolizei des Waldes“

Inzwischen vermehren sich die Wölfe prächtig: In 26 der sächsischen Rudel zum Beispiel hat es im Monitoringjahr 2019/2020 Nachwuchs gegeben. Insgesamt waren es 96 Welpen. Gleichzeitig wurden 24 Wölfe sind tot aufgefunden, mindestens einer davon wurde illegal getötet. Dabei ist der vorsätzliche Abschuss eines Wolfes eine Straftat, die sogar mit einer Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren geahndet werden kann. Selbst für einen versehentlichen Abschuss wäre eine Freiheitsstrafe bis zu 6 Monaten möglich. Außerdem drohen jagdrechtliche Konsequenzen wie der Entzug des Jagdscheines oder ein Verbot der Jagd.

Umweltschützer begrüßen die Rückkehr der Wölfe. Die Tiere seien „ein wichtiger Bestandteil der Artenvielfalt“, wirbt etwa die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Mehrere Umweltverbände verweisen unisono darauf, dass die Tiere als großer Beutegreifer eine wichtige Funktion im Ökosystem erfüllen: „Nicht zu Unrecht wird der Wolf als ‚Gesundheitspolizei‘ des Waldes bezeichnet, da er häufig auch kranke und schwache Tiere frisst und somit den Bestand seiner Beutetiere ‚gesund‘ hält“, heißt es etwa beim NABU. Die Hauptbeute der Wölfe sind Rotwild, Rehe und Wildschweine. Auch beim WWF heißt es: "Wölfe bemerken kranke Wildtiere früher und erbeuten sie weit effizienter als Jäger". Allerdings sagen die Umweltschützer auch: Bei „weit verbreiteten und leicht zu erbeutenden Arten wie dem Reh“ bevorzuge der Wolf „nicht zwangsläufig junge oder kranke Tiere“.

Respekt ja, Angst nein

Dazu kommt: Immer wieder reißen Wölfe bei uns in der Region auch Nutztiere. Viele Menschen treten den Räubern daher mit Skepsis, manche – Weidetierhalter zum Beispiel – auch mit blanker Ablehnung gegenüber. Deswegen fordert der NABU eben auch: „Nach mittlerweile 20 Jahren, in denen Wölfe wieder in Deutschland leben, muss Herdenschutz endlich überall umfassend gefördert werden.“ Gute Noten in dieser Beziehung bekommen in dieser Hinsicht bei uns die Länder Sachsen und Thüringen, in Sachsen-Anhalt sieht die Organisation in einzelnen Punkten noch Nachholbedarf.

„Wir wissen, dass der Wolf als Raubtier sehr polarisiert, motiviert und irritiert“, sagt auch Andreas Berbig. Er ist Leiter des Wolfskompetenzzentrums Sachsen-Anhalt in Iden in der Altmark. Man könne den Menschen die Angst nicht nehmen, versuche jedoch, „mit Argumenten und Informationen aufzuklären". Man müsse keine Angst haben vor dem Wolf, sagt Berbig. „Man muss Respekt haben – wie vor anderen Wildtieren auch.“

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 16. Oktober 2020 | 17:40 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP