Babyklappe
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Tragischer Fund in Erfurt Totes Neugeborenes in Babyklappe entdeckt

In der Babyklappe des Erfurter Helios-Krankenhauses ist ein totes Neugeborenes entdeckt worden. Nach Angaben der Landeseinsatzzentrale fand ein Arzt das Baby in der Nacht zum Samstag. Er habe noch vergeblich versucht, es wiederzubeleben. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf. Ein Sprecher sagte, es werde untersucht, ob es sich eventuell um eine Totgeburt handele. Weitere Details sind noch nicht bekannt.

Wie funktionieren Babyklappen überhaupt?

Babyklappe
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In jedem Bundesland werden pro Jahr etwa zwei Kinder in einer Babyklappe abgelegt. Die Erste ihrer Art eröffnete vor 17 Jahren, am 8. April 2000 in Hamburg.

Wie läuft das ab?

Sobald das Kind in der Babyklappe liegt und die Tür geschlossen ist, werden die jeweiligen Betreiber informiert.

Dann ist die Klappe verschlossen und lässt sich von außen nicht mehr öffnen. Ein interner Alarm beginnt und benachrichtigt das Team der Frühgeborenenstation. Die Ärzte und Schwestern nehmen das Kind mit auf Station und betreuen es. Sobald die Ärzte entscheiden, dass das Kind gut versorgt und gesund ist, wird es an das Jugendamt übergeben.

Stephan Breit, Thüringen-Kliniken

Das kümmert sich ab diesem Zeitpunkt um das Kind und sucht auch nach geeigneten Pflegeeltern. Manchmal entscheiden sich die Mütter später doch wieder um und wünschen sich ihr Kind zurück. Das wird in den Stationen unterschiedlich gehandhabt. In Saalfeld funktioniert es so:

Die Mutter hat die Möglichkeit einen Brief mit einem Code zu entnehmen. Den hat das Kind auch. Und damit kann die Mutter über das Jugendamt mit dem Kind in Kontakt treten.

Stephan Breit, Thüringen-Kliniken

Erst ein DNA-Test kann die Mutter richtig bestätigen.

Umstrittenes Verfahren

Dass solche Babyklappen überhaupt betrieben werden, ist umstritten. Da das Kind anonym abgegeben wird, sind die familiären Wurzeln vollständig abgeschnitten. Außerdem kann es während der Geburt ohne professionelle Hilfe, schnell zu Komplikationen kommen, was Mutter und Kind schadet. Alternativen sind sogenannte "vertrauliche Geburten". Auch die sind anonym, werden aber durch Berater begleitet. Sie unterliegen der Schweigepflicht. Die persönlichen Daten der Mutter werden in einem verschlossenen Umschlag aufbewahrt. Diese Variante nutzen die Mütter etwa doppelt so oft, wie eine Babyklappe.

Wir haben uns nach langen Diskussionen dafür entschieden, eine solche Station einzurichten. Es ist viel besser, dass eine Mutter in der Notsituation das Kind ablegen kann, als wenn die Mutter das Kind irgendwo in einen Papierkorb oder vor irgendeine Tür legt. Das Kind hat so ganz andere Chancen gesund zu werden und sich zu entwickeln.

Stephan Breit, Thüringen-Kliniken

Sie gelten trotzdem als allerletzte Hilfestellung für werdende Mütter.


So viele Kinder sind in den letzten Jahren abgelegt worden

  2016 2015 2014 2013 2012
Sachsen-Anhalt 2 1 1 4 1
Thüringen 3 5 5 7 6

Die Zahlen für Sachsen werden nicht zentral erfasst. Quellen: Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt / Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie


Hier findet ihr Babyklappen

Babyklappen in Sachsen
Aue Helios-Klinikum Gartenstraße 6, 08280 Aue
Chemnitz Klinikum Chemnitz Flemmingstraße 4, 09116 Chemnitz
Dresden Kaleb Dresden e.V. Bautzener Straße 52, 01099 Dresden
Leipzig Klinikum St. Georg Delitzscher Straße 141, 04129 Leipzig
Plauen Babyklappe vom Verein KARO Am Unteren Bahnhof 12, 08527 Plauen
Babyklappen in Sachsen-Anhalt
Bitterfeld Kinderklinik Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 2, 06749 Bitterfeld-Wolfen
Dessau-Roßlau Medizinisches Versorgungszenztrum Neunhofenweg, 06846 Dessau
Halle / Saale Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Mauerstr. 5-10, 06110 Halle
Magdeburg Klinik St. Marienstift Harsdorfer Strasse 3, 39110 Magdeburg
Babyklappen in Thüringen
Eisenach St. Georg Klinikum Mühlhäuser Straße 94, 99817 Eisenach
Erfurt Helios-Klinikum Nordhäuser Straße 74, 99089 Erfurt
Saalfeld Thüringen-Klinik Rainweg 68, 07318 Saalfeld / Saale

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 08.04.2017 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2017, 10:13 Uhr