Vater und Tochter machen zusammen Hausaufgaben
Bildrechte: imago images / Westend61

So erfährst du von deinen Kindern, wie es wirklich in der Schule war

23.08.2019 | 14:11 Uhr

Vater und Tochter machen zusammen Hausaufgaben
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Die Situation hat sich so wahrscheinlich in jeder Familie schon mal abgespielt: Das Kind kommt von der Schule nach Hause. Auf die Frage "Wie war die Schule?" bekommen die Eltern aber gar keine Antwort oder eine einsilbige. Aber warum eigentlich? Heißt das, dass es Probleme gibt? Und wie kriegt man mehr aus seinen Kindern raus? Der Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung hat ein paar Tipps.

MDR JUMP: Warum Antworten Kinder nicht, wenn Eltern fragen, wie es in der Schule war? Überfordern wir die Kinder eventuell mit der Frage?

Ulric Ritzer-Sachs: (lacht) Ja, wir nerven die. Aber das ist trotzdem okay. Dennoch sollten Eltern auch immer mal machen und nachfragen.

Dann ist aber das Phänomen, dass man so schlecht was aus ihnen rausbekommt. "Wie war's in der Schule?" - "Gut." - "Habt ihr Hausaufgaben?" - "Ja." Wie bekommt man seine Kinder besser zum Erzählen?

Das fängt früh an, schon in der ersten Klasse und vielleicht sogar schon im Kindergarten. Wenn ich das als so eine Art von Tradition einführe und vor allem selbst auch viel erzähle, wie mein Tag war, was ich gemacht habe, wie die Arbeit war, wo ich einkaufen war, wen ich getroffen habe. Wenn ich solche vermeintlich langweiligen Dinge den Kindern erzähle, dann haben die Kinder am Ende viel weniger Schwierigkeiten, auch selbst was zu erzählen.

"Welche Hausaufgaben hast du auf?" oder "Wie war's?", das ist natürlich total langweilig. Man kann ja mal fragen, was Spaß gemacht hat, mit wem hast du gespielt, was war dein tollstes Erlebnis, worüber hast du dich geärgert... Also schon ein bisschen konkreter fragen, damit die Kinder auch wissen Sie meinen. "Wie war's?" - blöd; "Hast du Hausaufgaben?" - noch blöder. Das macht keinen Spaß.

Muss man sich Sorgen machen, wenn Kinder so wenig erzählen?

Naja, wenn ich wirklich wissen will, ob es Probleme gibt, dann suche ich mir einen ruhigen Moment, in dem mein Kind Zeit hat und aufmerksam ist. Einen Moment in dem ich auch Zeit habe und sage: "Können wir mal reden, ist eigentlich irgendwas los?" Das mach ich nicht beim Mittagessen oder wenn die heimkommen, sondern dafür nehme ich mir dann Zeit.

Und wenn es wirklich große Probleme gibt, wird sich die Schule sowieso melden. Manchmal kriegt die Schule auch was nicht mit. Manchmal kann es auch massivere Probleme geben, es kann um Mobbing gehen, um Ausgrenzung, um blöde Sachen, um Ängste. Das bespreche ich aber nicht beim Mittagessen, wenn alle dabei sitzen, sondern da nehme ich mir mal richtig extra Zeit.

Also man sollte schon das Gespräch suchen, oder? Es ist jetzt keine Alternative, das Kind von selbst kommen zu lassen?

Ja, es ist einfach nicht gut nicht Interesse an meinem Kind zu zeigen, egal in welchem Alter. Auch wenn die mal ablehnend sind, das gehört dazu. Und da darf ich mich nicht ärgern, sondern da muss man einfach ein bisschen dranbleiben und Geduld haben.

Ulric Ritzer-Sachs ist Diplom-Sozialpädagoge bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Die BKE ist der Fachverband für Erziehungs- und Familienberatung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 23. August 2019 | 14:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 14:47 Uhr

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