WhatsApps neue AGBs – Was muss man wissen?

Der Messengerdienst WhatsApp ist allgegenwärtig. Nun will die Firma ihren Nutzern neue Geschäftsbedingungen aufschwatzen. Doch was passiert, wenn man nicht zusagt?

Die App-Logos fuer die Messenger WhatsApp, Signal und Telegram auf einem iPhone Smartphone
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Die Fotos von der kleinen Nichte im Sandkasten, die Sprachnachricht von Mutti, die an einen Geburtstag in der Verwandtschaft erinnert, die Frage zu den Hausaufgaben in Mathe – all diese Dinge erreichen uns über unser Handy, konkret oft über WhatsApp. In der Pandemie war das Programm in vielen Fällen eine Art Notfallverbindung zum Rest der Welt, wenn man nicht raus konnte oder wollte.

Seit Monaten beschäftigt aber ein Ultimatum die WhatsApp-Nutzer. Der Messengerdienst führt Änderungen bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ein. Dabei geht es um den Umgang mit den gesammelten Daten. WhatsApp gehört ja zum Facebook-Konzern, genau wie Instagram, und dort weiß man, was Daten eben wert sind. Die Informationen der Whatsapp-Nutzer sollen nun zum Beispiel helfen, die Werbung in dem sozialen Netzwerk weiter zu optimieren. Außerdem soll die Kommunikation zwischen Nutzern und Firmen verbessert werden.

Interessant dabei: Für Europa gibt es eine eigene Datenschutzerklärung. Die legt fest, dass Whatsapp deutlich weniger Daten mit Facebook teilt als bei Usern aus dem Rest der Welt. So viele Daten wie befürchtet fließen also gar nicht.

Trotzdem sollen möglichst alle Nutzer den neuen Regeln zustimmen. So stellt es sich jedenfalls die Firma vor. Erst gab es eine Frist bis Februar, als sich damals Widerstand regte, wurde diese auf Mitte Mai verlängert. Doch auch dieser Zeitraum ist jetzt abgelaufen. Und offensichtlich gibt es eine weitere Gnadenfrist von, wie es heißt, einigen Wochen. Doch dann sollen Nutzer eben doch zustimmen müssen, sonst werde der Funktionsumfang reduziert, so die Firma.

Chats können nicht gelesen werden

Klar ist: WhatsApp kann die eigentlichen Chats seiner Nutzer nicht lesen. Das war vor der Änderung der Regeln der Fall – und bleibt auf jeden Fall auch weiter so. Zugriff hat die Firma aber auf sogenannte Metadaten, also zum Beispiel wer wann mit wem chattet. Auch das verrät enorm viel über die Nutzer, ihre Gewohnheiten und über ihre Netzwerke.

Unter dem Menüpunkt „Informationen, die wir erheben“ auf dieser Seite kann man noch einmal konkret nachlesen, welche Daten die Firma erhebt.

Manche User argwöhnen auch bereits, Whatsapp beschneide schon den Funktionsumfang für Nutzer, die nach dem 15. Mai noch nicht ihr OK gegeben haben. Genannt werden etwa vermeintliche Probleme bei der Backup-Funktion. Doch offenbar gibt es andere Erklärungen, warum diese Funktion bei manchen Nutzern nicht läuft.

Es werden aufgrund der Aktualisierung am 15. Mai weder Accounts gelöscht, noch die Funktionalität von WhatsApp eingeschränkt.

Nach „Ablauf einiger Wochen“ gebe es aber eine permanente Erinnerung an die neuen AGBs. Sobald diese zu sehen sei, könnten die Nutzer nicht mehr auf ihre Chatliste zugreifen - aber eingehende Sprach- und Videoanrufe dennoch annehmen.

Oder aber, man kehrt WhatsApp endgültig den Rücken, wie es vergleichsweise viele User in den vergangenen Monaten getan haben. Dann muss ein anderer Messenger her. Man kann zum Beispiel auf Signal setzen, das in den App-Stores zwischenzeitlich zum beliebtesten Programm dieser Art avanciert ist und auch immer wieder von Whistleblower Edward Snowden empfohlen wird.

Denn hier gibt es nicht nur eine gute Verschlüsselung, es fallen auch nur wenige Metadaten an. Dazu kommen interessante neue Funktionen wie etwa selbstlöschende Nachrichten, die nach einem vom User festzulegenden Zeitraum wieder verschwinden, der zwischen ein paar Sekunden und vier Wochen lang sein kann.

Eine interessante Alternative kostet Geld

Oder aber, man setzt auf Konkurrenten wie Threema oder Wire. Bei Threema ist zum Beispiel besonders interessant, dass man für die Anmeldung weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse braucht, weil man eine zufällig erzeugte, achtstellige ID zugeteilt bekommt. Allerdings kostet das Programm im Gegensatz zu anderen einmalig 3,99 Euro.

Vergessen Sie nicht: Wenn Sie nicht für eine Dienstleistung bezahlen, sind Sie das Produkt, nicht der Kunde

Wer will, kann auch auf den Messenger Telegram setzen, obwohl es da aber keine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt. Auch kleine Dienste wie Element oder Ginlo sind vielleicht für den einen oder die andere interessant. Das Problem an den Alternativen: Keine ist so weit verbreitet, dass alle Kontakte dort zu finden sein dürften – das heißt, man muss am Ende wahrscheinlich mehr als ein Programm auf dem Handy haben – und kann womöglich ein bisschen die Übersicht verlieren, welche Kontakte man in Zukunft nun auf welchem Weg erreicht.

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Johannes Caspar, hat übrigens Mitte April ein Dringlichkeitsverfahren gegen Facebook eröffnet. In diesem Zusammenhang gibt es auch eine Anordnung, wonach Facebook die Weiterverarbeitung von WhatsApp-Nutzerdaten verboten ist. Es sieht also danach aus, dass die ewige Saga um die neuen WhatsApp AGBs noch ein paar weitere Kapitel bekommt.

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