Zwei Schülerinnen mit Smartphone im Chemieunterricht
Bildrechte: imago images / Westend61

Sind WhatsApp und SMS schuld an schlechter Rechtschreibung?

25.04.2019 | 16:28 Uhr

Wer per WhatsApp oder SMS kommuniziert, der tippt meistens schnell und achtet wenig auf Rechtschreibung. Was falsch buchstabiert wird, ändert sowieso die Autokorrektur. Für Schüler soll das katastrophale Folgen haben.

Zwei Schülerinnen mit Smartphone im Chemieunterricht
Bildrechte: imago images / Westend61

Der Deutsche Lehrerverband schlägt Alarm: Schüler würden kaum noch Bücher lesen. Stattdessen würden täglich hunderte Kurznachrichten und WhatsApps gelesen. Nach Ansicht der Bildungsexperten sei das der Grund für die schlechtere Rechtschreibung.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger sagt, dass zusammenhängendes Lesen bei Kindern eine geringere Rolle spielt. "Sie lesen halt keine Bücher mehr." Jens Weichert, der Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes sieht das ganz ähnlich:

Die neuen Medien und überhaupt die Digitalisierung hat schon negative Begleiterscheinungen.

Wer richtig schreibt wird blöd angemacht

Das Problem: In den sozialen Netzwerken spiele Rechtschreibung kaum eine Rolle. Meidinger befürchtet sogar, dass den Schülern richtiges Schreiben dort madig gemacht wird: "Da wird eher der schief angesehen, der eine korrekte Rechtschreibung hat und sich die Mühe macht, Großbuchstaben zu schreiben."

Sein Kollege aus Sachsen sieht die Probleme ebenfalls. Groß- und Kleinschreibung, Grammatik, Satzbau und der Wortschatz würden leiden, sagt Jens Weichert. Und das schlägt sich seiner Meinung nach auch auf den weiteren Bildungsweg nieder.

Wir stellen auch auf weiterführenden Schulen Defizite bei viel mehr Schülerinnen und Schülern fest, als das in der Vergangenheit der Fall war.

Seiner Meinung nach beschleunigen Smartphones und soziale Netzwerke die negative Entwicklung.

Auch Meidinger, der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes sieht seine Befürchtungen in der Praxis bestätigt. Lehrer gäben die Rückmeldung, dass Schüler Quellentexte oder literarische Texte nicht mehr verstehen. Ähnliches berichtet auch Weichert und befürchtet, dass Schüler immer mehr Probleme damit bekommen, Aufgabenstellungen zu verstehen. Das führe dann auch zu Problemen in Fächern wie Mathematik, die mit Rechtschreibung gar nichts zu tun hätten.

Öfter mal ein Buch lesen!

Jens Weichert sieht da alle Erwachsenen in der Pflicht, egal ob Lehrer oder Eltern, Kinder wieder zum Lesen zu animieren.

Dabei ist es völlig unerheblich, ob es ein digitales Buch ist, oder das gute, alte Papierbuch. Wichtig ist, dass die Kinder lesen.

Die Schulen sieht Weichert aber trotzdem auch in der Pflicht. Lehrer dürfen seiner Meinung nach schlechte Rechtschreibung nicht durchgehen lassen. Auch in Fächern wie Politik oder Geschichte.

Wer tatsächlich schuld an der Rechtschreibmisere hat, ist nach wie vor unklar. Neben sozialen Medien soll auch die umstrittene Lernmethode "Schreiben nach Gehör" ihren Teil dazu beitragen, dass die Rechtschreibung leidet. Bei dieser Methode schreiben Kinder Wörter so, wie sie sie hören und werden erst nach und nach korrigiert. Die Methode ist seit einiger Zeit schon Kern einer heftigen Auseinandersetzung um die Frage, wie richtig schreiben gelernt werden soll.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 25. April 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2019, 16:28 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP