Zwischen Spaß und Straftat: Wer haftet, wenn Kinder Schäden verursachen?

In Magdeburg ist beim Brand eines Supermarkts ein enormer Schaden entstanden. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei sind zwei Kinder tatverdächtig. Doch was passiert, wenn Minderjährige so einen Schaden verursachen?

Kind spielt mit Feuerwerkskörper
Bildrechte: IMAGO / Marius Schwarz

Von einem Norma-Markt in Magdeburg ist nicht mehr viel übrig. Bei einem Brand am Sonntag ist die Filiale komplett ausgebrannt. Nun ermittelt die Polizei gegen Kinder und Jugendliche. Zeugen hätten angegeben, vor dem Brand eine Gruppe im Bereich um den Supermarkt gesehen zu haben. Zwei Tatverdächtige seien nach Angaben der Polizei bereits ermittelt worden. Verletzt wurde glücklicherweise niemand – doch wer haftet dafür, wenn Kinder solche Schäden verursachen?

Ab welchem Alter sind Kinder haftbar?

Kinder unter sieben Jahren haften nicht für Schäden, die sie verursacht haben. Darüber gilt die Einsichtsfähigkeit des Kindes. Heißt: Kann das Kind das Ausmaß und die Folgen der Tat reflektieren? Falls nicht, kann der Nachwuchs unter Umständen selbst haften. Außerdem zählt das Alter des Kindes. Je älter es ist, desto wahrscheinlicher muss es auch selbst haften. Theoretisch sollten Kinder aber erkennen können, dass man keine Gebäude anzündet. Wenn ein Kind über sieben Jahren mutwillig Schaden anrichtet, haftet es selbst.

Wann haften Eltern für die Schäden ihrer Kinder?

Ein wichtiger Punkt bei der Haftung ist die Aufsichtspflicht der Eltern. Sie haften für ihre Kinder, wenn sie gegen diese Pflicht verstoßen haben – auch, wenn die Kinder noch unter sieben Jahren sind. Doch ein Verstoß ist schwer nachzuweisen: Eltern können schließlich nicht permanent ein Auge darauf haben, was ihr Kind macht.

Wenn Eltern also im Abstand von maximal 30 Minuten regelmäßig nach ihrem Kind sehen, ist das laut der Bundesrichter vollkommen ausreichend. Die Aufsichtspflicht richtet sich außerdem nach dem Alter und der Reife des Kindes. Je jünger und unvernünftiger ein Kind ist, desto mehr sollten Eltern ein Auge auf ihren Nachwuchs haben. Bei Sieben- bis Achtjährigen ist keine regelmäßige Kontrolle in so kurzen Abständen notwendig. In diesem Alter können Kinder auch ohne Aufsicht spielen – so lange die Eltern sich in groben Zügen einen Überblick verschaffen.

Wenn in dieser Zeit ein Schaden entsteht, haften die Eltern nicht. Wichtig ist aber, dass sie ihre Kinder darüber aufklären, welche Grenzen es bei fremdem Eigentum gibt – und, dass man damit verantwortungsbewusst umgehen sollte. Das ist aber im Endeffekt kaum nachzuweisen.

Wer bezahlt den Schaden, wenn weder Eltern noch Kind haften?

Das Auto des Nachbarn ist zerkratzt und weder das Kind noch die Eltern haften? Eine private Haftpflichtversicherung würde hier nicht zahlen. In diesem Fall müsste der Nachbar also selbst für den Schaden aufkommen – oder die Eltern gleichen den Schaden auf eigene Kosten selbst aus. Es gibt aber auch eine Möglichkeit die Schäden durch sogenannte „deliktunfähige Personen“ in die Haftpflichtversicherung mit einzubeziehen. So wären dann auch Schäden von Kleinkindern abgedeckt. Man sollte sich jedoch bei der Versicherung erkundigen, wie die Höchstersatzleistung aussieht. Oft ist diese auf einen bestimmten Betrag gedeckelt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 15. August 2021 | 09:00 Uhr

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