Ein Elternpaar schläft, in der mitte liegt ein blondes Kleinkind und schläft ebenfalls.
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So schlafen deine Kinder richtig gut!

01.03.2019 | 10:25 Uhr

Laut einer aktuellen Studie schlafen Eltern nach der Geburt ihres ersten Kindes sechs Jahre schlecht. "Kinder sind in der Tat Schlafräuber", sagt Schlafforscher Dr. Hans Günther Weeß, doch man könne ihnen relativ schnell eigenständiges Schlafen beibringen. Das lässt dann wiederum auch die Eltern besser schlafen.

Ein Elternpaar schläft, in der mitte liegt ein blondes Kleinkind und schläft ebenfalls.
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Forscher der Universität Warwick aus Großbritannien haben in einer Studie festgestellt, dass Mütter nach der Geburt ihres Kindes rund eine Stunde, Väter 15 Minuten weniger schlafen pro Nacht. Und dass es rund sechs Jahre dauert, bis der Schlafrhythmus der Eltern wieder so ist, wie er vor der Geburt war.

Zu dem Schlafdefizit von Eltern gibt es verschiedene Studien, erklärt Schlafmediziner Dr. Hans-Günther Weeß, die letztendlich alle die gleiche Aussage haben: Eltern schlafen nach der Geburt ihres Kindes weniger.

In einer amerikanischen Studie war es so, dass man festgestellt hat, dass die Mütter in den ersten zwei Lebensjahren ihres Kindes bis zu sechs Monate an Schlaf verlieren können.

Kinder müssen schlafen lernen

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, muss es erstmal schlafen lernen. Zu Beginn seines Lebens wird der Schlaf durch Hunger und Sättigungsgefühl gesteuert und da ist es ganz normal, dass das Baby circa alle vier Stunden wach wird und etwas zu Essen fordert - unabhängig, wie spät es gerade ist. Vor allem Mütter leiden so in der Anfangszeit an Schlafmangel, sagt Weeß:

Mit der zunehmenden Reifung des Gehirns ist es so, dass sich das Kind an den Hell-Dunkel-Rhythmus gewöhnt und dass es sich auch langsam daran gewöhnt in der Nacht schlafen zu können. Da ist die Produktion des Melatonins etwas ganz wichtiges, welches bei Dunkelheit den Schlaf einleitet.

Ab vier bis sechs Monaten könne ein Kind dann schon lernen allein zu schlafen, so Weeß.

Familienbett oder eigenes Zimmer?

Wie schläft die Familie am besten? Darüber scheiden sich die Geister. Die einen plädieren für ein Familienbett, in dem Eltern und Kind möglichst lange zusammen schlafen, andere finden, dass das Kind im Elternschlafzimmer überhaupt nichts zu suchen habe. Aus medizinischer Sicht gibt der Schlafforscher eine klare Empfehlung:

Ein Baby schläft im Bettchen.
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Richtig wäre es, dass man dem Kind die Möglichkeit bietet, dass es relativ schnell lernt alleine zu schlafen. Es wird in zahlreichen Studien gezeigt, dass wenn Kinder zu lange im Elternschlafzimmer sind, dass nicht nur die Eltern dann weniger Schlaf haben, sondern, dass auch die Kinder weniger Schlaf haben. Denn in einem gemeinsamen Schlafzimmer oder Bett, da weckt man sich gegenseitig, wenn man sich mal umdreht. Der Schlaf ist insgesamt unerholsamer.

Kinder, die zu lange bei den Eltern schlafen, können sogar "schulische Schwierigkeiten bekommen oder in ihrem Sozialverhalten etwas eingeschränkt werden", sagt Weeß:

Man tut Kindern durchaus etwas Gutes, wenn man sie ab circa dem sechsten Lebensmonat soweit bringt, dass sie im eigenen Zimmer schlafen können.

Warum sollte das Kind alleine schlafen lernen?

Eltern denken sich teilweise die absurdesten Dinge aus, damit die Kleinen einschlafen. Stundenlang durch die Wohnung tragen, mit dem Auto durch die Gegend fahren oder immer wieder das gleiche Lied abspielen - der Kreativität verzweifelter Eltern sind keine Grenzen gesetzt.

Man muss jedoch eines wissen: Wir werden nachts immer wieder wach, wenn das Kind dann nicht mehr den Körperkontakt hat, dann möchte es den vertrauten Moment wieder haben.

Das bedeutet: Wir Menschen sind Gewöhnungstiere - das gilt vor allem auch für Kinder. Wenn sie gelernt haben immer auf Mamas Bauch einzuschlafen oder das gleiche Hörspiel zu hören, um entspannt einschlafen zu können, fordern sie das immer wieder ein - auch mitten in der Nacht. Je eher das Kind lernt selbstständig tief und fest zu schlafen, desto besser ist der Schlaf des Kindes.

"Schrei-Methode" ist nicht zu empfehlen

Das soll allerdings nicht bedeuten, dass Eltern einfach das Kind ablegen und die Tür hinter sich zu machen, während das Kind schreit, betont Weeß. Der Forscher erklärt, man solle sich am besten neben das Kinderbettchen setzen, eventuell auch das Händchen halte, aber man sollte es nicht mehr hochheben:

Allein durch die Anwesenheit der Eltern macht es die Erfahrung, es ist nicht allein und muss sich nicht ängstigen.

Die ersten Tage des Lernens im eigenen Bett zu schlafen, sind nicht einfach und es braucht vor allem Disziplin der Eltern. "Die Kinder schlafen dann nach dieser anfänglich vielleicht etwas anstrengenden Eingewöhnungsphase viel besser", so Weeß.

So viel Schlaf brauchen Eltern

Ein erwachsener Mensch braucht in der Regal sechs bis acht Stunden Schlaf pro Nacht, um sich ausgeschlafen und fit zu fühlen. In den ersten Monaten nach der Geburt des Kindes, ist es ganz normal, dass die Eltern erstmal etwas weniger schlafen. Sie sollten allerdings darauf achten, dass ihr Schlafmangel nicht zu groß wird und zu lange andauert, so Weeß:

Es gehört zu einer guten Erziehung der Kinder auch dazu, dass man etwas egoistisch ist und darauf achtet, dass man selbst genug Schlaf bekommt.

Ständig übermüdete Eltern, sind auf Dauer keine guten Eltern. Denn Schlafentzug lässt nicht nur die Konzentration sinken, auch die schlechte Laune steigt.

Schlafforscher und Buchautor Hans-Günter Weeß
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Dr. Hans-Günther Weeß ist Schlafmediziner und Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums des Pfalzklinikums. Über das Schlafen schreibt er auch Bücher, zuletzt erschien "Schlaf wirkt Wunder" im Droemer-Verlag.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 03. März 2019 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2019, 10:25 Uhr

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