Junge Leute im Trabant.
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Emotional und aufregend: Eure Wende-Geschichten

08.11.2019 | 15:03 Uhr

Der 9. November 1989 wird vielen Menschen im Gedächtnis bleiben. Die Mauer, die 28 Jahre Ost- und Westdeutschland getrennt hat, wurde geöffnet. Es herrschte Freude, Ungläubigkeit und Chaos - eine Zeit, an die jeder von uns eine Erinnerung hat.

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Wir haben euch auf Facebook nach euren Geschichten gefragt - und viele Antworten bekommen. Hier sind ein paar davon.

Ohne die Wende wären manche Biografien ganz andere geworden, viele Menschen hätten ihre große Liebe nicht gefunden, jetzt einen ganz anderen Beruf oder nicht die Welt bereisen können.

Durch geschmuggelte Heftchen zur Romanautorin

Für Katja aus Chemnitz war der 9. November ein normaler Schultag in der 9. Klasse:

Wenige Tage zuvor, am Montag, waren meine Schulfreunde und ich wieder bei den Montags-Demonstrationen in Chemnitz am Karl-Marx-Denkmal mitgelaufen. Wir hatten montags immer Tanzstunde und sind danach zu den Demos gegangen. Es brodelte im ganzen Land, aber dass die Grenzen geöffnet würden, damit haben wir nicht gerechnet. Als dann später in den Nachrichten die ersten Bilder von den Menschen gezeigt wurden, die über die Grenzen drängten, saßen wir staunend und auch ein bisschen ungläubig vor dem Fernseher.

Doch zum Glück wurde die Grenze geöffnet. Denn Katja hätte sonst vielleicht nie ihre große Leidenschaft entdeckt: das Schreiben. Ihre Oma hat für sie "die bunten West-Heftchen mit Liebes-, Arzt- und Westernromanen" über die Grenze geschmuggelt. Sie schreibt:

Die waren in der DDR verboten. Wurden sie an der Grenze entdeckt, haben die Grenzer sie konfisziert, deshalb hat meine Oma sie zu DDR-Zeiten im Rockbund versteckt und für mich über die Grenze geschmuggelt. Ich habe die Hefte geliebt. Bei uns gingen sie in der Klasse immer durch viele Hände, bis sie ganz zerlesen waren und mit Klebeband zusammengehalten werden mussten.

Doch die Fortsetzung zu dem gelesenen Roman bekam sie nicht. Das Heft war unerreichbar im Westen. Darum hat sie sich von der inhaltlichen Vorschau auf den Heftchen inspirieren lassen und selbst zum Stift gegriffen.

Deshalb habe ich mir zu den Titeln selbst Geschichten ausgedacht und in ein Schulheft geschrieben. Mein größter Traum war damals, selbst so ein Heft zu schreiben und gedruckt zu sehen.

Diesen Traum hat sich Katja erfüllt. Nachdem sie ein Manuskript an einen Verlag geschickt hat, durfte sie ihre Romane veröffentlichen. Rund 600 Heftromane hat sie nun schon geschrieben. Über diese Hefte hat sie auch ihren Mann kennengelernt, der damals Redakteur bei einer Zeitung war. Die Wende hat Katjas Leben verändert:

Ich liebe meinen Beruf. Die Wende hat ihn für mich möglich gemacht.

Ein Bild von Susanne geht um die Welt

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Sechs junge Menschen winken aus einem grünen Trabi. Mitten drin: Susanne aus Bad Tennstedt. Das Bild stand für ein Gefühl vieler Menschen im Jahr 1989. Die Geschichte, wie das Bild entstanden ist, hat uns Susanne geschickt:

Meine Freunde und ich fuhren wie jeden Samstag-Abend in unsere Lieblingsdisco, wo es immer brechend voll war. Nur an diesem Abend war alles anders. Gähnende Leere , alle erfuhren von der Grenzöffnung. Also beschlossen wir, am nächsten Tag auch loszufahren. Ziel war eigentlich Frankfurt. Das war mit diesen überfüllten Straßen, wie wir dann schnell feststellen mussten aussichtslos. Also war unser erster Stop die Tankstelle Herleshausen. Da teilten nette Leute Orangen aus.

Dort wurden sie dann von einem Fotografen angesprochen. Er wollte von der Gruppe ein Bild in einem Trabi am Ortsausgang Herleshausen machen. Dass das Bild in Zeitungen wie "Stern", "Bild" und anderen gedruckt wurde, hätte sie nicht erwartet:

Hätten damals auch nicht gedacht, dass es mal solche Wellen schlägt. Für uns war es purer Spaß. Wir waren damals 20 Jahre. Schließlich fuhren wir noch nach Eschwege und erlebten da noch viele schöne Momente mit lieben Leuten. Dann ging's nach Hause nach Bad Tennstedt und wir erlebten einen wirklich tollen Tag.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Feierabendshow | 08. November 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 15:03 Uhr

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