WM-Triumph vor 30 Jahren: Was machen Deutschlands damalige Fußballhelden heute?

Nach Mauerfall und Währungsunion war der Triumph der deutschen Fußballer das erste ganz große gemeinsame Erfolgserlebnis. Die meisten wissen noch heute, wo und mit wem sie das heiße WM-Finale am 8. Juli bejubelt haben.

Pierre Littbarski hält die WM-Trophäe nach oben
Bildrechte: imago images / Colorsport

Was war das für ein Sommer 1990? Viele Menschen reisten für die ersten Ferien nach dem Fall der Mauer zum ersten Mal in ihrem Leben weiter weg. Über die Grenzen hinweg und oft schon im ersten West-Auto, dass sie sich nach der Währungsunion gönnten. Dann schenkte die WM-Elf um Trainer Franz Beckenbauer Deutschland nach einem hart umkämpften Finale in Rom noch den Weltmeistertitel. Weiß mit Schwarz-Rot-Gold gegen Blau-Weiß, Matthäus und Klinsmann gegen Maradona und Dezotti, Brehme gegen Elfmeter-Killer Goycochea. Am Ende jubelte ganz Deutschland!

Alle feuerten gemeinsam ein Team an!

Die Fußballmannschaft der DDR hatte kurz nach dem Mauerfall die Qualifikation für die WM in Italien verpasst. Doch das war eher eine Randnotiz, die kaum jemanden wirklich interessierte. Fußballfans in Ost und West feierten gemeinsam ihre Mannschaft, die ein starkes Turnier spielte: Sie schimpften gemeinsam, als im Achtelfinale der Niederländer Frank Rijkaard Rudi Völler anspuckte und dann beide vom Platz flogen. Sie fieberten mit Andy Brehme mit, der im Finale den entscheidenden Foulelfmeter gegen Argentinien im Tor versenkte. Eigentlich sollte Lothar Matthäus schießen. Doch der hatte DFB-Kapitän hatte in der Halbzeit neue Schuhe bekommen und bekommen und ließ daher seinem Teamkollegen von Inter Mailand den Vortritt. Andy Brehme sagte später in einem kicker-Interview:

Lothar fühlte sich nicht sicher wegen des Schuhs, aber das war doch kein Problem. Er hat für die Mannschaft gehandelt.

Die stand dann nach zwei verlorenen WM-Endspielen endlich wieder ganz oben – auf dem Fußball-Thron! Die Bilder von Trainer Franz Beckenbauer, der danach mit Goldmedaille um den Hals allein über den Fußballrasen in Rom läuft, gehören heute zu Deutschlands Geschichte.

In Rom und 30 Jahre später: Deutschlands WM-Helden

Trainer Franz Beckenbauer
Trainer Franz Beckenbauer ließ seine Mannschaft während des Turniers an der langen Leine. Das sorgte für gute Stimmung im Team und war offenbar mit entscheidend für den Erfolg im WM-Finale. Danach galt Franz Beckenbauer als Lichtgestalt des deutschen Fußballs. Bildrechte: imago images / Laci Perenyi
Trainer Franz Beckenbauer
Trainer Franz Beckenbauer ließ seine Mannschaft während des Turniers an der langen Leine. Das sorgte für gute Stimmung im Team und war offenbar mit entscheidend für den Erfolg im WM-Finale. Danach galt Franz Beckenbauer als Lichtgestalt des deutschen Fußballs. Bildrechte: imago images / Laci Perenyi
Trainer Franz Beckenbauer
Heute ist der 74-jährige Ehrenpräsident beim FC Bayern München. Er gilt als der Mann, der 2006 die WM nach Deutschland holte. Ihm wurde Korruption bei der Vergabe vorgeworfen. Ein Attest, nach der Aufregung für ihn lebensgefährlich ist, schützte ihn vor dem Strafverfahren in der Schweiz. Bildrechte: imago images / Sven Simon
Stürmer Jürgen Klinsmann
Stürmer Jürgen "Klinsi" Klinsmann gilt als der Spieler, der Deutschland mit seiner Leistung durch das harte Achtelfinal-Duell gegen die Niederlande brachte: Er rannte unermüdlich und schoss das Führungstor in der 51. Minute. Bildrechte: imago images / Sportfoto Rudel
Stürmer Jürgen Klinsmann
Bei der WM 2006 im eigenen Land schaffte es Jürgen Klinsmann gemeinsam mit Jogi Löw, die junge deutsche Mannschaft bis ins Halbfinale gegen starke Italiener zu führen. Trotz aller Kritik im Vorfeld und schwachen Leistungen in Testspielen lieferte die DFB-Elf bei der WM dann begeisternde Leistungen. An diese Erfolge konnte "Klinsi" als Trainer der US-Nationalmannschaft und beim Hertha BSC nicht mehr ganz anknüpfen. Bildrechte: imago images / Camera 4
Kapitän Lothar Matthäus
Lothar "Loddar" Matthäus war der Antreiber, der Spielmacher, der Nervenstarke. Er führte seine Mannschaft ins Finale nach Rom und verzichtete an wichtiger Stelle: An seinen Schuhen waren Stollen abgebrochen, er fühlte sich mit neuen Schuhen nicht sicher und ließ Brehme beim Elfmeter den Vortritt. Die richtige Entscheidung! Bildrechte: imago images / Kicker/Liedel
Kapitän Lothar Matthäus
Lothar Matthäus ist mit 150 Einsätzen Rekordnationalspieler und war in fünf WM-Turnieren dabei. Er arbeitet heute als TV-Experte und war schon fünfmal verheiratet. Bildrechte: imago images / Pakusch
Elfmeterkönig Andreas Brehme
Andreas "Andy" Brehme schoss Deutschland am 8. Juli 1990 in Rom mit seinem Elfer in den Fußballhimmel. Fünf Minuten vor Spielende. Was für eine Nervenstärke!! Dabei galt Argentiniens Torwart Sergio Goycochea als Elfer-Killer. Bildrechte: imago images / Sammy Minkoff
Elfmeterkönig Andreas Brehme
Heute ist Andreas Brehme Privatier und DFB-Botschafter. Hier bei einem Auftritt auf der Buchmesse in Frankfurt 2019. Bildrechte: imago images / Pacific Press Agency
Stürmer Rudi Völler
Eine Schlüsselszene im Achtelfinale sorgte 1990 bei Fußballfans für Entsetzen: Niederlandes Frank Rijkaard spuckte Rudi Völler ins lockige Haar. Und dann stellte der Schiedsrichter BEIDE vom Platz. Bildrechte: imago images / Sportfoto Rudel
Stürmer Rudi Völler
Rudi Völler oder auch "Tante Käthe" war von 2000 bis 2004 deutscher Nationaltrainer und ist heute Sportdirektor von Bundesligist Bayer Leverkusen. Im Sportgedächtnis Deutschlands bleibt seine "Weißbier"-Wutrede gegen Waldemar Hartmann. Bildrechte: imago images / Picture Point LE
Dribbler Thomas Häßler
An Thomas "Ikke" Häßler wirkte das DFB-Trikot immer etwas zu groß und bauschte an den Armen. Doch der nur 1,66 Meter große Super-Dribbler war ganz entscheidend für Deutschlands Erfolg: Er schoss mit seinem Tor gegen Wales im letzten Vorrunden-Spiel Deutschland überhaupt erst ins WM-Turnier. Bildrechte: imago images / Laci Perenyi
Dribbler Thomas Häßler
Thomas Häßler hat die Nationalmannschaften von Nigeria und vom Iran trainiert, war bei "Let's Dance" und im "Dschungelcamp". Seit 2019 ist er Trainer des Berliner Siebtligisten BFC Preussen.  Bildrechte: imago images / Matthias Koch
Torwart Bodo Illgner
Deutschlands Torwart Bodo Illgner wurde durch seine Glanzparade gegen England zum WM-Helden. Er wehrte einen Strafstoß von Stuart Pearce im Elfmeter-Schießen mit dem Knie ab. Bildrechte: imago images / Sportfoto Rudel
Torwart Bodo Illgner
Der WM-Torwart von 1990 war schon immer ein ruhiger und sachlicher Typ und ist das auch geblieben. Bodo Illgner arbeitete unter anderem als TV-Experte und hat mit seiner Frau gemeinsam ein Buch geschrieben. Bildrechte: imago images / Horst Galuschka
Mittelfeldspieler Pierre Littbarski
Pierre "Litti" Littbarski war einer der starken Mittelfeldspieler der WM-Elf und bildete mit seinem Kumpel Thomas Häßler das "Traumduo".   Bildrechte: imago images / Sven Simon
Mittelfeldspieler Pierre Littbarski
Pierre Littbarski war und ist ein Weltenbummler. Bis 1997 spielte er in Japan, begann dort auch als Trainer. Er war Australischer Meister mit dem Sydney FC und ging über den Iran und Luxemburg zurück nach Deutschland. Heute ist er Markenbotschafter beim VfL Wolfsburg. Bildrechte: imago images / Joachim Sielski
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Franz Beckenbauer sprach später auf der Pressekonferenz im Hochgefühl des WM-Titels für seinen Nachfolger Berti Vogts verhängnisvolle Sätze:

Wir sind jetzt die Nummer eins in der Welt, wir sind schon lange die Nummer eins in Europa. Jetzt kommen die Spieler aus Ostdeutschland noch dazu. Ich glaube, dass die deutsche Mannschaft über Jahre hinaus nicht zu besiegen sein wird. Es tut mir leid für den Rest der Welt.

Immerhin: 2014 war die deutsche Fußballmannschaft dann wieder oben auf und holte sich in Brasilien zum insgesamt vierten Mal den WM-Titel.

Mit Material von SID.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 08. Juli 2020 | 13:45 Uhr

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