Weltblutspendetag: Situation in Mitteldeutschland kritisch

Blutspenden rettet Leben. Die Versorgungslage mit Blutprodukten in Mitteldeutschland ist derzeit jedoch sehr angespannt. Viele Freiwillige fragen sich: Kann ich nach der Corona-Schutzimpfung zur Blutspende gehen?

Aufsteller mit der Aufschrift Spende Blut beim Roten Kreuz
Bildrechte: imago images/ Rene Traut

Jedes Jahr, am 14. Juni macht der Weltblutspendetag auf die Bedeutung der Blutspende und das damit verbundene soziale Engagement von Blutspenderinnen und Blutspendern weltweit aufmerksam. Spenden kann man bei den regionalen DRK-Blutspendediensten. So bleiben die Blutspende bzw. die Blutpräparate, die daraus entstehen, in der eigenen Region und werden an Patientinnen und Patienten weitergegeben. Wir haben bei Blutspendediensten nachgefragt, wie die derzeitige Versorgungslage aussieht.

Noch kein Notstand

Die Situation in Mitteldeutschland sei angespannt, sagt Nico Feldmann, Sprecher des DRK-Blutspendedienstes NSTOB:

Ich würde jetzt aber noch nicht soweit gehen und von einem Engpass sprechen. Für die Notversorgung, für Operationen und für die Krebstherapie haben wir immer noch Blutkonserven und -produkte vorrätig, die dann zum Einsatz kommen können.

Wolfgang Wehner, Geschäftsführer Institut für Transfusionsmedizin Suhl bezeichnet die Lage dagegen als dramatisch:

Im Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin findet eine Blutspende statt
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Unsere Vorräte sind nicht mehr annähernd im normalen Bereich. Damit man es sich zahlenmäßig mal vorstellen kann. Normalerweise haben wir zwischen 3000 und 5000 Konserven auf Lager. Im Moment bewegen wir uns bei einer Zahl von 1000 und darunter. Das sind natürlich Zustände, die wir uns überhaupt nicht wünschen. Weil das natürlich bedeutet, dass wir die Wünsche unserer Kunden gar nicht erfüllen können. Hier werden natürlich lebensbedrohliche Operationen abgesichert. Aber eben nicht alles das, was jetzt gerne nachgeholt werden würde, auf Grund der Verschiebungen durch Corona.

Gründe seien die Lockerungen in der Corona-Pandemie, aber auch das zunehmend warme Wetter, so Kerstin Schweiger, Pressesprecherin DRK-Blutspendedienst Nord-Ost:

Kerstin Schweiger vom DRK-Blutspendedienst Nord-Ost
Bildrechte: Kerstin Schweiger vom DRK-Blutspendedienst Nord-Ost

Sicherlich sind die Prioritäten in der Freizeitgestaltung auf der Spenderseite derzeit woanders. Es ist so, dass wir über den Sommer mit einer kritischen Zeit rechnen. Es wird temporäre Rückstellungen von der Blutspende für Menschen nach Auslandsaufenthalten geben. So dass auch nach Ferienende mit einem Rückgang der Spendebereitschaft zu rechnen ist.

Und auch Wehner befürchtet, dass sich die Lage über den Sommer nur noch verschlimmern wird:

Bei steigenden Temperaturen werden sich die Menschen noch weniger bereit erklären, in den Abendstunden noch mal den zusätzlichen Weg zur Blutspende zu gehen. Ich hoffe aber natürlich auch drauf, dass unsere Aktionen zur Mobilisierung der Spender Wirkung zeigen. Denn jeder von uns, der heute Spender ist, kann morgen auch schon Empfänger sein.

Dabei sei auch die kurze Haltbarkeit der Blutpräparate zu beachten. Bei den Thrombozyten liegt sie bei fünf Tagen, bei den roten Blutkörperchen bei maximal fünf Wochen. Es ist also dringend Hilfe nötig.

Von daher appellieren wir an alle gesunden Menschen, auch jetzt ein Ohr und ein Auge für das lebensrettende Thema Blutspende zu haben. Denn in den Kliniken warten viele Menschen darauf, dass sie Heilung erfahren, bzw. dass ihr Leben gerettet werden kann.

So DRK-Sprecherin Schweiger weiter. Und auch Feldmann betont:

Es ist auch gerade jetzt sehr wichtig Blut spenden zu gehen. (...) Was gibt es Besseres als ein Leben zu retten? Mit einer Blutspende KANN man Leben retten. Statistisch gesehen sogar bis zu drei Leben.

Aber darf ich überhaupt Blut spenden, wenn ich gerade die Corona-Schutzimpfung hinter mir habe?

Blutspende in Zeiten des Coronavirus

Ja, das geht und auch schon ziemlich schnell, so Schweiger:

Zwei Impfdosen, Impfspritze und der Eintrag der ersten und zweiten Corona-Impfung in einem Impfpass
Bildrechte: imago images/Friedrich Stark

Wer bereits eine oder beide Corona-Schutzimpfungen erhalten hat, kann am darauffolgenden Tag bereits wieder eine Blutspende leisten. Voraussetzung ist, dass die Person sich gesund fühlt und keine Nebenwirkungen verspürt.

Das Virus selbst sei im Blut nicht nachweisbar und damit auch nicht über eine Blutspende übertragbar. Die Blutspendedienste sind dankbar für jede Person, die zur Blutspende geht.

Ein großes Dankeschön ein alle Blutspenderinnen und Blutspender, die uns in den letzten Monaten, gerade auch in der Coronapandemie, so tatkräftig unterstützt haben. Ich weiß, es war nicht immer einfach. (...) Teilweise kam es zu langen Wartezeiten und es war viel Geduld notwendig.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Themen des Tages | 14. Juni 2021 | 19:20 Uhr

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