"Weihnachten muss stattfinden": Kirchen wollen Heiligabend verkürzt, online oder im Freien feiern

In der Corona-Pandemie wird Weihnachten anders als sonst. Die Kirchen wollen aber keine Veranstaltungen an Heiligabend absagen und auch Krippenspiele soll es geben.

Für viele gehört es einfach zu Weihnachten unbedingt dazu: Mit Freunden und Familie das Krippenspiel in der Kirche an Heiligabend ansehen. Hier in Grossstädteln bei Leipzig.
Für viele gehört es zu Weihnachten unbedingt dazu: Mit Freunden und Familie das Krippenspiel in der Kirche an Heiligabend ansehen. Hier in Grossstädteln bei Leipzig. Bildrechte: imago images / epd / Jens Schulze

"Stille Nacht, Heilige Nacht" tönt aus vielen Mündern, dicht gedrängt verfolgen die Menschen auf den Kirchenbänken das Krippenspiel: Für viele Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gehört der Besuch des Weihnachtsgottesdienstes unbedingt zum Fest dazu. Entsprechend voll sind an Heiligabend die Kirchen in vielen Dörfern und Städten.

"So viel, was alles in diesem Jahr schon nicht geworden ist"

In diesem Jahr wird der Heiligabend in der Kirche anders sein als sonst: Zu groß ist die Ansteckungsgefahr in der Corona-Pandemie. Deshalb arbeiten die Kirchen an Alternativen zur gewohnten Christvesper. "Weihnachten muss dieses Jahr stattfinden. Nach dem was alles nicht geworden ist, brauchen wir das deutscheste aller Feste auch miteinander", sagte der Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer dem Radiosender MDR JUMP.

Herr Bischof Kramer, wird in diesem Jahr Heiligabend gefeiert, in den 4.000 Kirchen in Sachsen?

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Bildrechte: Anne Hornemann

Bisher haben wir keine Absagen. Dank unserer großen Kirchen haben wir in letzter Zeit ja auch mit corona-kompatiblen Konzepten erlebt, dass das funktionieren kann. Und wir werden uns auf kurzfristige Formate draußen oder auch im Kirchenraum einstellen. Jede Kirchgemeinde weiß ja etwa, wie viele Leute da reinkönnen. Und man kann auch nicht sagen: Wir machen nur eine große Christvesper, wo das ganze Dorf in die Kirche passt. Sondern muss das vielleicht kürzer machen. Und da sind aber alle sehr engagiert, weil klar ist: Weihnachten muss dieses Jahr stattfinden! Nach allem, was nicht geworden ist.

Wenn es keine großen Gottesdienste gibt: Kommen dann am 24. Dezember nur die in die Kirche, die zeitig da sind?

Ich habe gehört, dass manche Kirchen das jetzt versuchen mit Voranmeldungen und Reservierungen. Es gibt welche, die wollen nur ganz kurze Formate machen, eine halbe Stunde. Und dann draußen ein Feuer, wo man bisschen Weihnachtslieder summen kann. Mit Abstand. Oder man sagt gleich, wir gehen auf den Dorfplatz, auf dem Marktplatz oder im Stadion. Da gibt’s viele verschiedene Ideen. Und es werden auch Menschen sagen, dass sie dieses Jahr nicht in die Kirche gehen, es ist mir zu gefährlich.

Das Krippenspiel, meist von Kindern eingeübt, gehört für viele auch unbedingt zu Weihnachten dazu. Kann es das dieses Jahr geben?

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Bildrechte: Bernd März

Ich glaube, dass da sehr viel Kreatives passiert und dass viele jetzt versucht haben, die Zeit zu nutzen, mit den Kindern in Kontakt zu sein. Dass die Kinder auch zusammenkommen und das man daran arbeitet,mediale Produkte zu erzeugen. Da wird geschaut: Wie kann man das Krippenspiel vorab einspielen und wie kann man es zum Teil auch spielen in den Gottesdiensten? So wie im letzten Jahr wird es nicht, nirgendwo, das ist glaube ich, auch klar.

Das ist für viele ein hartes und schwieriges Jahr. Was möchten Sie denn den Menschen jetzt für diese Vorweihnachtszeit mitgeben? Für die Zeit, in der es jetzt langsam dunkler wird?

Wir erleben jetzt eine Situation, in die hinein Weihnachten ursprünglich gesetzt ist. Das Jesus-Kind wird ja nicht unter schönen, idyllischen, deutschweihnachtlichen Situation geboren. Sondern das Paar ist auf der Flucht und trotzdem kommt das Kind zur Welt. Und das Leben geht weiter! Darin steckt ganz viel Hoffnung. Und darum geht es jetzt auch: Dass wir es hinbekommen, nach allem was an Aufregung, an Ärger übereinander da ist in der Gesellschaft. Wir sollten zurückstellen, was uns trennt und das Gemeinsame sehen. Das wäre etwas, was das Christusfest groß macht. Denn es geht um die Liebe der Menschen und dass sie im Frieden auf der Erde leben. Und ich glaube, dass da Weihnachten in diesem Jahr eine ganz wichtige und ganz große Botschaft für alle ist, persönlich wie auch für die Familien wie auch für unsere Gesellschaft.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind Gottesdienste unter Einhaltung der Corona-Auflagen der jeweiligen Länder derzeit erlaubt. Eine Obergrenze gibt es nicht. Sie ergibt jedoch aufgrund der Abstandsregeln aus der jeweiligen Größe der Kirche.

KIKA und der MDR produzieren gerade ein Krippenspiel für Kinder und Familien, falls doch Feiern ausfallen müssen oder nicht alle wie gewünscht daran teilnehmen können.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 13. November 2020 | 15:40 Uhr

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