Ein Kind hält sich die Ohren zu
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Kampf ums Kind Wann das Wechselmodell sinnvoll ist und wann nicht

Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Trennungskinder müssen nicht immer bei einem Elternteil bleiben. Aber was bedeutet das Wechselmodell eigentlich für Kinder?

Ein Kind hält sich die Ohren zu
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Bisher war es üblich, dass Trennungskinder zu einem Elternteil ziehen. Den anderen sehen sie nur an bestimmten Tagen. Der Bundesgerichtshof hat in einem richtungsweisenden Urteil allerdings das Wechselmodell gestärkt. Praktisch heißt das: Ein Kind verbringt die Hälfte der Zeit beim Vater und die andere Hälfte bei der Mutter. Und das Modell kann auch gegen den Willen des Ex-Partners durchgesetzt werden.

Erleichterung für Väter

Vor allem für Väter ist das Urteil eine Erleichterung. Bisher wohnten Trennungskinder meistens bei der Mutter, beim Vater waren sie nur alle zwei Wochenenden zu Besuch. Das neue Urteil hat nach Einschätzung des Rechtsexperten Thomas Kinschewski vor allem damit zu tun, dass sich die Vaterrolle in den letzten Jahren ziemlich verändert hat.

Der Familientherapeut Michael Thiel hält das Wechselmodell allerdings für problematisch. Er meint, die Eltern seien bei diesem Modell zufriedener, als die Kinder. Die brauchen seiner Einschätzung nach einen Lebensmittelpunkt.

Kinder wagen es oft nicht, ihren Eltern zu sagen, wenn sie unzufrieden und unglücklich sind, weil sie sich leider Gottes auch oft für das Glück ihrer Eltern verantwortlich fühlen und dann eben auch das Gefühl haben, sich aufteilen zu müssen.

Michael Thiel Familientherapeut

Thiel empfiehlt das Modell nur, wenn die Eltern relativ nahe aneinander wohnen und die Kinder schon etwas älter sind. Dann können sie auch selbst mitentscheiden, wo sie wohnen wollen.

Kommunikation ist das A und O

Außerdem schlägt der Familientherapeut drei Regeln vor, die unbedingt eingehalten werden müssen:

  • Die Kommunikation zwischen den Elternteilen ist wichtig. Trotz Trennung sollte man immer zivilisiert miteinander umgehen - also sich nicht offen streiten und auch nicht vor dem Kind schlecht über den Ex-Partner reden.
  • Wichtig ist auch, dass die Kinder bei Mutter und Vater die gleichen Regeln haben. So können sie nicht gegeneinander ausgespielt werden.
  • Auch das Kind sollte in Entscheidungen mit einbezogen werden. Eltern sollten darauf hören, was es will und dann flexibel und feinfühlig reagieren.

Nur wenn diese drei Punkte erfüllt werden, habe das Wechselmodell die Chance, erfolgreich zu sein.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Wochenende | 19.03.2017 | 10:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2017, 12:53 Uhr

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