Ärger mit Waschbären: Lebendfallen als Lösung?

Der Waschbär macht es sich bei uns in Deutschland so richtig gemütlich. Vor allem in unseren Gärten finden die Tiere schnell und einfach Nahrung. In einigen Orten kann man sich daher kostenlose Lebendfallen ausleihen. Die Tierschützer von PETA sehen das aber eher kritisch.

Ein Waschbär sitzt in einer Lebendfalle.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Waschbären sind intelligente Tiere. Doch auch wenn sie mit ihren kleinen Pfoten niedlich aussehen können, sind sie eine „invasive Art“. Die Tiere aus Nordamerika breiten sich hier immer weiter aus. Der Landkreis Mittelsachsen teilte vor Kurzem mit, dass im vergangenen Jahr mehr als 2.000 Tiere erlegt wurden. Vor zehn Jahren waren es noch rund 200 Waschbären.

Waschbären haben hier keine natürlichen Feinde

Die Ausbreitung unter Kontrolle zu bekommen, ist schwer, so der Leiter des Referats Forst, Jagd und Landwirtschaft des Landratsamtes Mittelsachsen, Mario Helbig. Die Tiere gelten als gesellig, schlau und fühlen sich in der Nähe von Siedlungen sehr wohl. Dort gäbe es die besseren Verstecke und mehr Nahrung.

Laut René Sievert vom Leipziger Naturschutzbund bringe es auch nichts den Jagddruck zu erhöhen, da die verbliebenen Tiere das durch mehr Nachkommen ausgleichen würden. Heißt: Je mehr Waschbären getötet werden, desto mehr Jungtiere kommen nach. Außerdem haben sie hier in Europa keine natürlichen Feinde.

Lebendfallen als Lösung?

Dem Bürgermeister von Klostermansfeld, Frank Ochsner, ist die schnelle Ausbreitung der Tiere bewusst. Deswegen könnten sich Einwohner bei Bedarf eine Lebendfalle kostenlos vom Bauhof der Gemeinde ausleihen. Dann würden ortsansässige Jagdpächter die Tiere fachgerecht töten und entsorgen.

Auch im Altenburger Land schaffte sich der Fachdienst für Artenschutz Waschbär-Fallen an, die sich die Bewohner kostenlos ausleihen können. Allerdings dürfen diese nur aufgestellt werden, wenn es auch einen Jäger gibt, der die Tiere tötet. Laut dem Gartenfachberater Erik Behrens sollte das Aufstellen von Lebendfallen aber eher die letzte Lösung sein, da man so das Todesurteil des Tieres fällen würde.

Auf dem eigenen Grundstück ist es rein theoretisch erlaubt, eine Lebendfalle für Waschbären aufzustellen. Da der Waschbär aber eine invasive Tierart ist, darf er - sobald er einmal gefangen ist - nicht wieder freigelassen werden. Er muss von einem Jäger getötet werden.

PETA kritisiert die Lebendfallen

Die Tierschutzorganisation PETA spricht sich derweil gegen die Jagd auf Waschbären aus. Die Tierschützer verweisen dabei auf eine Studie, laut der sich die Tiere überwiegend von Regenwürmer, Insekten und Obst ernähren. Somit würden die Tiere keine Gefahr für die Natur und Artenvielfalt darstellen. Die Lebendfallen würden außerdem hohen Stress bei den Tieren auslösen, so dass sie in Panik gerieten und sich verletzten.

Als Laie selbst Hand anzulegen, ist übrigens in keinem Fall eine Option, auch wenn die Tiere nicht unter das Naturschutzgesetz fallen. Das wurde durch einen Fall in Leipzig noch deutlicher, bei dem ein Kleingärtner einen Waschbären ertränken wollte: Ein Wirbeltier töten darf gemäß des Tierschutzgesetzes „nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat“.

So kommen die Tiere gar nicht erst zu euch

Im besten Fall lockt man die kleinen Bären gar nicht erst zu sich. Gartenberater Behrens rät deshalb, es den Tieren „so ungemütlich wie möglich“ zu machen. Essensreste sollten nicht auf den Kompost geworfen und Mülltonnen verschlossen werden. Außerdem sollte Futter für Katzen, Hunde oder Igel nicht vor der Tür stehen. Damit die kleinen Bären es sich auch nicht auf dem Dachboden bequem machen können, sollten außerdem Äste von Bäumen so gekürzt werden, dass sie nicht an das Gebäude heranreichen.

Wenn ein Waschbär erstmal da ist, sollte man vor allem Abstand halten. Hunde sind hierbei übrigens auch keine Hilfe. Im Ernstfall wird eher der Hund verletzt als dass es andersrum der Fall ist. Sinnvoller ist es, alle Öffnungen am Haus zu verschließen und den Waschbären möglichst keine Aufstiegshilfen, wie Rankgitter, anzubieten. Im Zweifel sollte man sich bei der zuständigen Naturschutzbehörde informieren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 10. August 2021 | 21:00 Uhr

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