Neues Weltraumteleskop – Finden wir damit Leben im All?

Komplizierter und teurer war bisher noch kein Weltraumteleskop. In dieser Woche ist „James Webb“ an seinem zukünftigen Arbeitsort im Weltraum angekommen. Es soll fundamentale Fragen zu unserem Universum klären.

Grafik: James-Webb-Teleskop
Bildrechte: NASA

Viele von uns pendeln zum Job, manche auch über längere Strecken. Aber beim neuen amerikanisch-europäisch-kanadischen Weltraumteleskop „James Webb“ ist die Sache trotzdem ein bisschen anders. Zum einen beträgt der Abstand zu dessen Arbeitsort nicht weniger als 1,46 Millionen Kilometer – und zum anderen ist es eine Dienstfahrt ohne Wiederkehr. In dieser Woche ist das zu Weihnachten gestartete Observatorium an seinem Bestimmungsort angekommen. Dafür hatte es noch einmal für fünf Minuten seine Triebwerke anwerfen müssen. Nun kreist es an einem ganz besonderen Punkt um die Sonne – und zwar genau so schnell wie die Erde. Unseren Planeten und unseren Stern hat es dabei immer im Rücken. Für die sensiblen Geräte an Bord, die von einem fünflagigen Sonnenschutz so groß wie ein Tennisplatz geschützt werden, sind die Bedingungen ideal.

Mit Technik aus Deutschland

„‘Webb‘, willkommen zu Hause", jubelte Nasa-Chef Bill Nelson. „Wir sind der Entdeckung der Geheimnisse des Universums einen Schritt nähergekommen.“ Doch um welche Geheimnisse geht es eigentlich? „Wir wollen herausfinden, welches Baumaterial Planeten in ihren Geburtsstätten, den Scheiben aus Gas und Staub um junge Sterne, vorfinden“ erklärt Thomas Henning vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg eines der Forschungsziele. Die Forschenden seines Hauses haben wichtige Teile der Ausrüstung des Teleskops entwickelt, darunter das Filterrad, das eine wichtige Kamera an Bord überhaupt erst zu einem wissenschaftlichen Instrument macht.

Das „Webb“-Teleskop ist teurer, komplizierter aber auch leistungsfähiger als jedes Teleskop vor ihm. Weil es so groß ist, musste es für den Start in der Rakete gefaltet und später dann im Weltraum in einer langen Prozedur wieder ausgeklappt werden. Es soll im Weltall nach Strahlung suchen, die für unsere Augen nicht sichtbar ist. Die infraroten Wellen kennen wir als Wärmestrahlung – nur sind sie in diesem Fall viel schwächer. Doch das Observatorium ist so sensibel, dass ihm das nichts ausmacht. Es ist so empfindlich, dass es eine Kerze auf einem der Monde des Riesenplaneten Jupiter nachweisen könnte.

Suche nach Hinweisen auf Leben

„Man kann da im Prinzip durch Staubscheiben hindurchschauen, man kann Planetenentstehung sehen. Alles, was bis jetzt im Verborgenen lag, wird jetzt sichtbar“, sagt Dirk Schlesier vom Planetarium Halle. Neben der Entstehung von Sternen soll „Webb“ auch die Atmosphären von Planeten jenseits des Sonnensystems genauer anschauen können. Es geht dabei nicht zuletzt um die Frage, ob sich bei solch fernen Welten womöglich Hinweise auf Leben finden lassen. Außerdem schaut sich das Teleskop auch besonders weit entfernte Galaxien aus der Frühzeit des Kosmos vor mehr als 13 Milliarden Jahren an. Sie sind weiter von uns entfernt als alle anderen bekannten Objekte.

Bevor das Teleskop seine ersten wissenschaftlichen Bilder schicken kann, werden aber noch Monate vergehen. Das liegt daran, dass unter anderem alle Teile des zusammengesetzten Spiegels ganz genau aufeinander abgestimmt werden müssen. Im Sommer soll es die ersten Aufnahmen geben. Die Satire-Webseite „Der Postillon“ spöttelte schon, dass darauf womöglich eine vergessene Kameraabdeckung zu sehen sein wird. Doch das ist natürlich Quatsch.

Das Weltraumteleskop muss regelmäßig seine Position korrigieren – und das kann es nur, solange es Treibstoff an Bord hat. Ein Nachtanken ist zumindest mit aktueller Technik nicht möglich. Der ursprüngliche Vorrat war für mindestens zehn Jahre kalkuliert. Doch vor allem weil der Start mit der europäischen „Ariane“-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou so präzise ablief, ist aktuell deutlich mehr in den Tanks als vorhergesehen. Das heißt, dass „Webb“ nach Ansicht von Experten für 20 Jahre einsatzbereit sein könnte, in denen Astronomen weiteren Rätseln unseres Universums auf die Spur kommen können.

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