Das passende Bild zur Bauernregel: Abendrot, schlecht Wetter droht.
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Wetter: Auf diese Bauernregeln ist Verlass

22.03.2019 | 10:36 Uhr

Bauernregeln wie das bekannte "Morgenrot, schlecht Wetter droht" sind oft hunderte Jahre alt. Wir haben mit einem Wetterexperten überprüft, welche der Regeln auch heute noch funktionieren.

Das passende Bild zur Bauernregel: Abendrot, schlecht Wetter droht.
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Wer keine Wettersatelliten, keine Regen-Vorhersage nach den Nachrichten und keine Wetter-App auf dem Smartphone hat, muss sich eben selbst helfen: Bauern haben über lange Zeiträume Wetterphänomene beobachtet und Zusammenhänge zu nachfolgenden Ereignissen hergestellt. Sie schrieben sich beispielsweise auf, wie das Wetter an Sankt Martin am 11. November war und wie der Sommer im darauffolgenden Jahr ausfiel. Diese Regeln wurden über Generationen weitergeben.

Florian Rost, Redakteur und Moderator im Wetterstudio
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Allerdings sind die Regeln zum Teil auch schon sehr alt und stammen eben aus einer Zeit ohne Computer, aufwendige Statistiken und ausgefeilte Wettermodelle. Florian Rost aus dem MDR JUMP-Wetterstudio hat sich daher für uns einige bekannte Bauernregeln genauer angesehen und mit dem aktuellen Wissen über Wettervorhersagen verglichen.

Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß.

Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß.

Das bedeutet ja, dass eine sonnenreiche und schneebedeckte Witterung meist bei einer kalten Hochdrucklage auftritt. Und die soll dann auf einen heißen Sommer schließen lassen. Das trifft in drei von fünf Fällen zu. Klingt nach: Mehr als die Hälfte. Aber wenn man sich das statistisch anschaut, ist das überhaupt nicht belastbar.

Morgenrot, schlecht Wetter droht. Abendrot, Schönwetter-Bot(e).

Morgenrot, schlecht Wetter droht. Abendrot, Schönwetter-Bot(e).

Das ist im Prinzip die Wetterregel, die auch am besten passt in Mitteleuropa. Denn wir haben es oft mit dem Phänomen zu tun, dass bei uns das Wetter aus Westen kommt. Und bei Morgenrot ist es so, dass die Sonne noch im klaren Osten aufgeht und scheint dann auf eine Wetterwand im Westen. Die leuchtet dann rot. Und da das Wetter aus dem Westen kommt, wird’s dann im Tagesverlauf oft schlechter. Und beim Abendrot ist es genau das umgekehrte Phänomen. Im Westen sind die Wolken schon weg, die untergehende Sonne scheint da drauf und am nächsten Tags wird es relativ freundlich.

Wenn's um Neujahr Regen gibt, oft um Ostern Schnee noch stiebt.

Wenn's um Neujahr Regen gibt, oft um Ostern Schnee noch stiebt.

Da ist die Vorhersagequalität so fünfzig - fünfzig. Da ist noch nicht raus, wie sehr sich das tatsächlich auf die Realität umschlägt. Das kann man nicht so genau machen. Denn diese Großwetterlagen, von denen es eigentlich abhängt, die sind immer verschieden und daher ist das keine hundertprozentige Wetterregel.

Bei Vollmond schlägt das Wetter um.

Bei Vollmond schlägt das Wetter um.

Das stimmt nicht. Der Vollmond hat zwar einen gewissen Einfluss. Zum Beispiel auf die Gezeiten, auf Ebbe und Flut. Da wird das Wasser vom Mond angezogen und über den ganzen Erdball verfrachtet. Die Luft aber hat eine bis zu 800mal geringere Dichte als das Wasser und hat damit so wenig Angriffsmasse für den Mond, dass das überhaupt nicht sein kann.

Kam bis Dreikönig der Winter nicht, kommt er auch bis Ostern nicht.

Kam bis Dreikönig der Winter nicht, kommt er auch bis Ostern nicht.

Tatsächlich ist es oft so, dass Anfang Januar die Weichen für das Wetter der nächsten Wochen gestellt wird. Hat sich bis Anfang Januar noch kein winterliches Wetter eingestellt, dann passiert das auch nicht. Das passt relativ gut, nur in einem von fünf Fällen trifft diese Wetterregel nicht zu.

Am Wochenende ist das Wetter immer schlechter.

Am Wochenende ist das Wetter immer schlechter.

Das ist eine schöne Idee und das haben tatsächlich Forscher der Universität Karlsruhe untersucht. Die waren der Meinung: Wenn ich jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit fahre, dann blase ich Partikel in die Luft. Und damit entstehen neue Wolken. Denn Wolkentropfen brauchen ja immer was, wo sie sich anheften können. Aber in der statistischen Auswertung hat das dann leider nicht standgehalten. Es ist oft so, dass Großwetterlagen mehr Einfluss aufs Wetter haben als kleine Staubpartikel.

Zwei von fünf bekannten Bauernregeln lassen sich also auch mit dem heutigen Wissen über Wettervorhersagen bestätigen. Zwei funktionieren laut unserem Experten nicht und bei einer sind die Experten noch unsicher. An unserer "modernen" Regel vom schlechten Wetter am Wochenende ist auch nichts dran, sagt Florian Rost. Eine im Erzgebirge sehr bekannte "Bauernregel" trifft übrigens auch 2019 immer noch zu einhundert Prozent zu: Steht im Februar voll das Korn, ist es vergessen worn!

Moderne Bauernregeln

Auch heute haben die Bauern das Wetter fest im Blick. Um optimale Ernten mit möglichst wenig Einsatz von Technik und Dünger zu haben, brauchen sie möglichst präzise Vorhersagen über das Wetter. Nur so finden sie beispielsweise den perfekten Zeitpunkt für die Aussaat oder können Tiere oder Pflanzen vor Frost oder Stürmen schützen. Dafür gibt es abseits von allen althergebrachten Bauernregeln die Agrarmeteorologie, die sich mit den Zusammenhängen zwischen Wetter und Landwirtschaft beschäftigt. Speziell für Landwirte gibt es online verschiedene Wetterdienste wie diesen hier für Thüringen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 23. März 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 10:36 Uhr

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