Mutter und Tochter beim Onlineshopping (Symbolbild)
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Wann kauft man online am günstigsten ein?

13.06.2019 | 10:26 Uhr

Gewünschte Ware im Internet suchen, Preise bei mehreren Händlern vergleichen und dann auf "Kaufen" drücken: So shoppen wir meistens und zahlen dann oft deutlich zu viel. Das zeigen mehrere aktuelle Untersuchungen. Danach springen die Preise für viele begehrte Artikel oft gleich mehrfach am Tag. Mit einem einfachen Preisvergleich sehen Kunden nicht, dass sie gerade zum falschen Zeitpunkt einkaufen.

Mutter und Tochter beim Onlineshopping (Symbolbild)
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Der Schulranzen kostet mal 91 und mal 131 Euro, der Preis für ein bestimmtes Spielzeug schwankt zwischen 82 und 105 Euro und der Grill liegt mal bei 421 und mal bei 488 Euro: Die Preise beim Onlineshopping können um mehr als fünfzig Prozent schwanken – je nachdem, wann man einkauft. Das zeigt eine Studie des Vergleichsportals idealo, dass über drei Jahre hinweg die Preise für 50 ausgesuchte Artikel verglichen hat.

Gibt es einen perfekten Zeitpunkt für den Kauf?

Darauf gibt es keine ganz einfache Antwort, so das Preisvergleichsportal: Auffällig sei zum einen, wie sich die Preise für typische Sommer oder auch Winterartikel im Jahresverlauf verändern. Das so genannte "antizyklische" Einkaufen bringt aber nicht immer den besten Preis. Wer beispielsweise die Snowboardschuhe im Juni kauft, spart beim Preis 27 Prozent gegenüber dem März. Manche typischen "Sommerprodukte" wie Rasenmäher, Swimmingpools oder Fahrradhelme sind dagegen laut der Studie im Frühjahr oder Frühsommer günstiger. Elina Vorobjeva von idealo sagte MDR JUMP:

So lässt sich bei nachfragestarken Sommerprodukten wie Sonnenschutz in den heißen Monaten bis zu 41 Prozent gegenüber den Wintermonaten sparen.

Rasenmäher
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Da bringt antizyklisch Einkaufen also nichts. Die Studie zeigt zum anderen auch: Grundsätzlich wird es immer dann teurer, wenn etwa Weihnachten oder auch Ostern anstehen. Also Ereignisse an denen eher viel gekauft und dann verschenkt wird. Den günstigsten Preis bekomme laut dem Vergleichsportal, wer die gewünschten Artikel später kaufe. Also wenn alle anderen Onlineshopper mit dem anstehenden Ereignis gedanklich abgeschlossen haben.

Wie kauft man wirklich günstig ein?

Verbraucherschützer und Vergleichsportale wie idealo oder günstiger.de raten zur Geduld: Kunden sollten online in Ruhe für einen gewünschten Artikel die Preise vergleichen. Am besten ein bis zwei Wochen lang, raten die Marktwächter Digitale Welt. Dann sind Verbraucher gut informiert und könnten zu dem Zeitpunkt kaufen, an dem der dynamische Preis auf dem tiefsten Stand ist. Laut der Studie von idealo könnte noch mehr Geduld zu noch günstigeren Angeboten führen. Elina Vorobjeva sagte:

Elina Vorobjeva_Senior PR Manager idealo
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Aus unserer Analyse geht hervor, dass sich der günstigste Zeitraum oft über mehrere Monate erstreckt und im Einzelfall auch abweichen kann. Daher sollten Verbraucher möglichst schon zwei bis drei Monate vor dem gewünschten Kaufzeitraum anfangen, das Produkt zu beobachten - so verpassen Online-Shopper nicht mehr den idealen Zeitpunkt für die Schnäppchenjagd.

Bei der Suche nach dem wirklichsten günstigsten Angebot helfen die Vergleichsportale, die auf Wunsch auch den Preisverlauf für ein Produkt in einem oder mehreren Onlineshops anzeigen. Bei einigen Portalen können sich Kunden auch einen Preisalarm einstellen lassen: Der informiert dann per E-Mail, wenn der Preis für ein gewünschtes Produkt auf einem vorher festgelegten Stand ist. Wer dagegen spontan online einkauft, zahlt oft mehr als nötig.  

Abends teurer, morgen günstiger

In einer früheren Studie vom März hatte idealo schon untersucht, wie stark die Preise im Verlauf eines Tages oder einer Woche schwanken. Laut idealo sind Samstage und Sonntage nicht teurer als Wochentage wie Montag oder Freitag. Das hatten viele Verbraucher laut dem Vergleichsportal vermutet. Im Tagesverlauf selbst gibt es dagegen tatsächlich "Preisspitzen". Laut der Studie war ein Drittel der untersuchten Produkte abends am teuersten. Wer günstig einkaufen will, sollte eher auf nachts oder morgens shoppen.

Preise schwanken ähnlich wie an den Tankstellen

Schon im letzten Jahr war die Verbraucherzentrale Brandenburg nach einer Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass Preise je nach Tageszeit oder Wochentag extrem schwanken (Stand: August 2018). Für die Studie hatten die Verbraucherschützer einen Monat lang mehr als 1.000 Preise von Produkten bei 16 Onlinehändlern verglichen. Dr. Kirsti Dautzenberg von den Marktwächtern Digitale Welt der Verbraucherzentrale Brandenburg:

Dr. Kirsti Dautzenberg, Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Brandenburg
Dr. Kirsti Dautzenberg, Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Brandenburg Bildrechte: Karla Fritze

Wir haben auch gesehen, dass die Preise zum Teil sehr stark verändert werden. Eine Hose von Zalando etwa konnte man für knapp 80 Euro oder auch für 200 Euro kaufen. Da kommt es für den Kunden schon drauf an, möglichst den guten Zeitpunkt zu erwischen, wo man die 80 Euro zahlt.

Die sogenannten "dynamischen Preise" würden im Onlinehandel häufig eingesetzt. In der Studie arbeiteten 15 von 16 untersuchten Shops damit. "Das dürfen die Händler, das machen Tankstellen beispielsweise auch", erklärt die Verbraucherschützerin.

Passen Händler die Preise an Kunden an?

In einer zweiten Untersuchung gingen die Verbraucherschützer Ende 2018 dem Verdacht vieler Kunden nach, Händler würden sich bei den Preisen nach dem Kunden richten. Das Ganze wird "individual pricing" genannt. Danach wäre ein Spielzeug teurer, wenn für den Einkauf ein iPhone statt eines Android-Smartphones genutzt würde. iPhones sind teurer - die Besitzer könnten damit von Onlinehändlern als vermögender eingeschätzt werden. Den Verdacht konnten die Verbraucherschützer aber nicht bestätigen. Zwar gingen die Preise für Spielzeug deutlich auseinander, wenn mal ein iPhone und mal ein Android-Smartphone für den Online-Einkauf genutzt wurde. Allerdings sahen häufiger iPhone- und iPad-Nutzer die günstigeren Preise. Die Verbraucherschützer fanden einige Belege für die Vermutung, Onlinehändler würden den Preis an den Wohnort ihrer Kunden anpassen. Nach dem Motto: Wer in einer Stadt mit hohen Mieten wohnt, schaut auch beim Onlineshopping nicht so genau auf den Preis. Dafür wurden Preise für Motorenöl oder für Druckluft-Startersets verglichen. Dr. Kirsti Dautzenberg sagte:

Bei zwei von 16 Händlern haben wir gefunden, dass die Standorte sich auf die Preise auswirken. Das war bei OBI und bei A.T.U. so. Je nachdem, ob ich aus Berlin oder Magdeburg da ins Internet gehe.

Allerdings gab es laut den Verbraucherschützern kein erkennbares Muster für die Preisunterschiede. Mal profitierte der Kunde aus dem einen Wohnort, mal der aus dem anderen.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 13. Juni 2019 | 14:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 10:26 Uhr

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