Wann Hund und Katze eine Massage helfen kann

Es geht den Menschen wie den Tieren! Schöner Spruch, der auch umgekehrt gilt: Verspannungen, Gelenkschmerzen, Blockaden, das alles trifft auch unsere geliebten Vierbeiner. Wie Physiotherapie da helfen kann und wie sinnvoll sie ist, klären wir jetzt:

Ein Hund 1 min
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MDR JUMP Mi 03.03.2021 10:45Uhr 01:07 min

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Für welche Haustiere kommt's in Frage?

Die Antwort ist relativ einfach: Für die Tiere, bei denen wir merken, dass sie ein Problem haben. Reptilien und Fische merken nichts?!? Eine ganz gemeine Aussage, denn auch diese Tiere haben sehr wohl Schmerzen. Es ist für uns nur sehr schwer zu erkennen. Außerdem können sie eine Verbesserung oder Verschlechterung bei einer Behandlung uns so gut wie nicht zu erkennen geben. Deshalb ist die Physiotherapie fürs Haustier im Wesentlichen auf Hund, Katze und Pferde beschränkt. Human- und Tierphysiotherapeutin Isabel Quent war aber auch schon bei anderen Tieren erfolgreich:

Ich habe tatsächlich auch schon Hasen und ein Taube behandelt. Das sind aber wirklich Einzelfälle.

Bei welchen Symptomen und Krankheiten kann es helfen?

Wann immer dein Tier in seinem natürlichen Bewegungsablauf eingeschränkt ist, kann Physiotherapie helfen. Das kann nach einem Unfall sein, einer OP oder auch bei Alterserscheinungen.

In erster Linie werden die Tiere dann vom Tierarzt geschickt. Sie haben Rückenschmerzen, sie lahmen oder laufen mit einseitiger Belastung.

Weitere Ursachen für Bewegungsprobleme sind ähnlich wie bei uns Menschen: eine falsche Ernährung, wenig Bewegung und dadurch Übergewicht. Isabel Quent:

Es gibt aber auch das andere Extrem, wie bei Schlittenhunden oder Reitpferden, die zu viel Bewegung und Belastung haben.

Wie sehen die Behandlungsformen aus?

Im Prinzip machen wir alles, was auch beim Menschen gemacht werden kann. Von der einfachen Massage, über eine Lymphdrainage bis hin zur Akkupunktur gibt es da so gut wie keine Grenzen.

Und tatsächlich ist die Liste der Behandlungsmöglichkeiten lang. Neben klassischen manuellen Therapien, also Massagen, Dehnungsübungen usw., werden auch Laser, Wärme und sogar Blutegel eingesetzt. Die Erfolgschancen sind dabei ähnlich groß wie bei uns Menschen. Isabel Quent schränkt aber ein:

Ich muss den Besitzern  mitunter sehr deutlich sagen, dass eine Behandlung nicht sinnvoll ist. Etwa weil das Tier schlicht und ergreifend altersbedingte Probleme hat, die nicht mehr mit einem sinnvollen Aufwand behandelbar sind.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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28.04.2021, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Jena

Woran du erkennst, was dein Tier braucht?

Ob Hund,  Katze oder Pferd Einschränkungen in der Bewegung haben, siehst du vor allem bei alltäglichen Dingen, wie dem Spaziergang oder einem Ausritt.

Sie merken, ob Ihr Haustier Schmerzen beim Laufen hat, ob es lahmt oder ein Bein nachzieht. Manche kommen schlecht hoch oder jaulen nach langem Liegen beim Aufstehen.

so Isabel Quent. Das ist für den erfahrenen und umsichtigen Halter eigentlich offensichtlich. Aber du solltest schon genau nach Anzeichen für Schmerzen schauen, denn viele Tiere vermeiden es, diese vermeintliche Schwäche zu zeigen. Und unsere Expertin kennt noch weitere Anzeichen, die eher überraschen:

Tatsächlich kann sich bei Hunden mit starken Muskelproblemen auch das Fell an den betreffenden Stellen verfärben. Da spielen dann Hormone eine Rolle.

Wie läuft die Behandlung ab?

Wenn der Pferdewunderheiler kommt, einmal guckt, einmal zieht und alles ist wieder gut, dann ist das vor allem schön für die Fernsehquote. In der Realität schaut unsere Therapeutin genauer hin:

Wichtig ist mir vor allem, dass ich mir Zeit mit dem Tier nehme, Vertrauen aufbaue. Ich lass das Tier erstmal zu mir kommen, fasse es vorsichtig an und erspüre dabei oft schon Verhärtungen oder warme, entzündete Stellen. Dann fange ich langsam an, die zu bearbeiten.

Nach ausführlicher Befragung der Besitzer zur Krankgeschichte dauert eine Behandlung in der Regel zwischen einer und zwei Stunden. Überraschend: Obwohl die Tiere nicht wissen, was da auf sie zukommt und die Behandlung mitunter auch schmerzhaft ist, lassen sich die meisten darauf ein.

Die Tiere merken sehr schnell, dass ihnen das gut tut und sie lassen dann auch immer mehr zu.

Was kostet es und welche Versicherung kann helfen?

Zwischen 50 und 120 Euro muss man für eine Behandlungsstunde bezahlen. Erstgespräche und Zusatzbehandlungen wie Blutegel oder eine Hydrotherapie kosten extra. Je nach Erkrankung musst du mit bis zu 6 Sitzungen rechnen.

Alles in Allem kostet die Physiotherapie für die Katze ab 300 Euro, fürs Pferd werden auch mal 800 Euro und mehr fällig. Um die Kosten im Rahmen zu halten, ein Tipp von der Expertin:

Meist decken sogenannte Tier-OP Versicherungen einen Teil der Behandlungskosten, da werden dann drei bis fünf Therapiesitzungen bezahlt.

Allerdings musst du genau vergleichen, welche Art Versicherung für dich geeignet ist und ob sie auch entsprechende Angebote für eine Physiotherapie beinhaltet.

Und ja – auch du kannst dein Tier massieren!

Gegen Schmerzen, für Entspannung und auch zum Aufbau einer guten Bindung, kannst du auch selber Massagetechniken beim Haustier anwenden.

Es gibt ganz klar Griffe und Methoden, die Sie zuhause anwenden können. Das sollten sie sich aber vorher richtig vom Therapeuten zeigen lassen.

Unglaublich aber wahr – dein Tier spiegelt dich   

Wenn du mal mit Ruhe und unbemerkt einen Hund plus Frauchen/Herrchen beobachtest, wirst du bei einigen Exemplaren feststellen, dass sich beide ähneln. Das liegt einmal daran, dass sich Menschen oft die Hunde holen, die Ihrer Statur und Charakter ähneln. Zusätzlich spiegeln Tiere oft das Verhalten Ihrer Besitzer. Das ist ein unbewusster Vorgang: Das Tier ahmt ihn nach und nähert sich so seinem Besitzer, es fühlt sich damit einfach wohler. Auch unsere Expertin kann das immer wieder beobachten:

Sie sehen dann tatsächlich: Herrchen hat Haltungsprobleme oder läuft schief, und das Tier macht genau das Gleiche.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 03. März 2021 | 10:45 Uhr

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