Eichen-Baum pflanzen
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Das kann jeder tun, um gestressten Bäumen zu helfen

14.08.2019 | 08:45 Uhr

Die Hitze und Dürre der vergangenen Monate hat den Bäumen in Städten und auf dem Land sehr zugesetzt. Viele Pflanzen haben Hitzeschäden und sehr großen Durst. Aber ist es erlaubt, Bäume zu gießen oder einfach neue Bäume zu pflanzen?

Eichen-Baum pflanzen
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Statt saftig grüner Wälder bekommen Wanderer und Spaziergänger in mitteldeutschen Wäldern gerade viele tote Bäume zu sehen. Nicht nur der Nationalpark Harz hat damit zu kämpfen. Auch die sächsischen Wälder haben sehr unter Hitzestress zu leiden, erklärt Luise Sauer vom Staatsbetrieb Sachsenforst:

Die Auswirkungen der Hitze und der Stürme der vergangenen zwei Jahre sind sehr groß in den Wäldern im Freistaat. Und es gab im vergangenen Winter auch große Schneebruchschäden. Der Schnee war sehr schwer und hat besonders die jungen Bäume heruntergedrückt. Eine Verkettung von ungünstigen Witterungsverhältnissen hat zu dem Waldbild geführt, was wir jetzt sehen.

Toter Wald
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Die Bäume sind durch diese Schäden stark gestresst und deshalb funktionieren ihre natürlichen Abwehrkräfte nicht mehr richtig. So hat auch der Borkenkäfer-Schädling leichtes Spiel und eine einfache Angriffsfläche. So kann er sich leicht ausbreiten und den Wald nachhaltig schädigen.

Achtung vor Waldbrandgefahr

Wanderer und Spaziergänger, die den Bäumen im Wald helfen wollen, können das vor allem dadurch, dass sie entsprechende Regeln einhalten, weiß Luise Sauer:

Die Trockenheit ist natürlich mit dem Waldbrand-Risiko verbunden. Deshalb der Hinweis, dass das Rauchen im Wald verboten ist und dass keine Feuerstellen angezündet werden sollten. Und wenn Betretungsverbot durch die Behörde erlassen wurde, das auch einzuhalten ist. Denn letztlich reicht bei den abgestorbenen und trockenen Bäumen ein kleiner Funke, um ein Feuer zu entfachen.

Zwar sind die Bäume ausgetrocknet, doch Gießen wäre bei der Masse der Bäume nur ein Tropfen auf den heißen Stein, erklärt Luise Sauer. Nur auf kleinen Flächen habe das Bewässern Wirkung, im Wald wäre das Wasser aber effektlos und würde den Bäumen nicht wirklich etwas nützen.

Rotbuche, Baum pflanzen
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Wir pflanzen ein paar Tausend Bäumchen auf einen Hektar, da ist das Gießen dann nicht wirklich möglich. Privaten Waldbesitzern ist das natürlich zu empfehlen, wenn sie einen kleinen Waldbereich haben. Und dort die toten Bäume entfernt worden sind und man Platz hat um zu pflanzen. Dann kann man auch Wasser herausbringen.

Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte
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Doch auch der Staatsbetrieb Sachsenforst bleibt nicht untätig. Unter anderem kümmern sich die Mitarbeiter um den Borkenkäfer-Befall. Um die Ausbreitung des Schädlings zu verhindern, werden die befallenen Bäume aus dem Wald entfernt und im Frühjahr oder Herbst wieder aufgeforstet.

Die Baumart ist wichtig

Für diese Wiederaufforstung ist es wichtig, auf bestimmte Baumarten zurückzugreifen. Da Eichen beispielsweise tiefere Wurzeln bilden als Fichten, werden sie bevorzugt gepflanzt. Auch Laubbäume sind bei Neupflanzung geeignet. Doch inzwischen sind in Thüringen auch schon Laubbäume, vor allem Buchen, von Hitzeschäden betroffen. Auch deshalb ist es Ziel des Sachsenforstes die Monokultur-Laub- und Nadelwälder zu Mischwäldern umzubauen. Damit sie so auch gegen zukünftige klimatische Veränderungen gewappnet sind.

Da der Hitzestress auch die privaten Wälder betrifft, unterstützt der Sachsenforst die Besitzer nicht nur mit Beratungen, sondern auch Fördergeldern.

Selbst Bäume im Wald pflanzen ist verboten

Ein junger Baum wird ein eingepflanzt
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Bäume sind gut für das Klima. Deshalb wollen einige Menschen bei der Aufforstung helfen und junge Bäume pflanzen. Doch das geht nicht einfach irgendwo. Da auch Wälder jemanden gehören, bittet Luise Sauer darum, immer mit dem Waldbesitzer abzusprechen, ob dort Bäume gepflanzt werden dürfen. Ohne die Erlaubnis des Besitzers ist es verboten. Aber unter anderem der Sachsenforst bietet für Schulen und Unternehmen auch Baumpflanz-Aktionen an.

Auch Stadt-Bäume leiden unter Hitzeschäden

In der Stadt Leipzig beispielsweise betrifft es vor allem ältere Bäume, erklärt der Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer Rüdiger Diettmar. In Stadtparks und Stadtwäldern stürben diese sogar ab. Um dieses Absterben zu verhindern, hat die Stadt schon vor einiger Zeit die Bürger zur Unterstützung aufgerufen:

In der Stadt Leipzig haben wir bereits im Trockensommer 2018 und auch im Juli 2019 aufgerufen, dass Bürger und Bürgerinnen mit Wassergaben den Bäumen vor ihrer Haustür helfen können. Direkt vor der Haustür können die Bürger am besten helfen.

Bei größeren Park- und Waldflächen bedürfe es aber mehr Wasser als nur ein paar Litern. Deshalb sei es auch Aufgabe der Stadt junge Bäume auszuwählen, die Trockenphasen auch langfristig gut überstehen können. Vor der Pflanzung werden die Standorte dann so vorbereitet, dass die Bäume die bestmöglichen Bedingungen zum Wachsen vorfinden.

In der Stadt darf nicht jeder Bäume pflanzen

Baum pflanzen
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Aber auch die Stadt Leipzig kümmert sich um das Grün in der Stadt und versucht mit mit Bepflanzungskonzepten gegen das Baumsterben vorzugehen. Bei der Aktion "Baumstarke Stadt Leipzig" kann man beispielweise mit Spenden das Pflanzen von neuen Bäumen finanzieren. Bei dieser Baumpatenschaft zahlt man 250 Euro, kann sich einen Baum und einen Standort aussuchen und um den Rest wie die Pflanzung und Pflege kümmert sich dann die Stadt. Gießen ist natürlich trotzdem erlaubt.

In der Stadt sollte aber niemand eigenmächtig Bäume pflanzen, denn die brauchen in dieser Umgebung eine ganz spezielle Pflege und besondere Standorte. Rüdiger Diettmar sagt ganz klar:

Pflanzen können die Bürger gerne machen - aber auf ihren Privatgrundstücken. Wo man eine Fläche hat, kann man natürlich auch gerne Bäume pflanzen. Was wir an der Stelle auch unterstützen würden.

Rüdiger Diettmar sieht eine grüne Zukunft für Leipzig vor sich. Gemeinsam mit den Bürgern sollen Konzepte für das städtische Grün entwickelt werden.

Leipzig von oben
Leipzig von oben Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Denn Stadtgrün ist eine wesentliche Voraussetzung für gute Lebensbedingungen der Menschen und der Tiere in der Stadt.

Wollt ihr also eure Stadt grüner machen, meldet euch am besten bei dem zuständigen Amt und fragt dort nach, ob und wo ihr Bäume pflanzen dürft.

So könnt ihr helfen

Viele Städte wie Leipzig, Dresden, Halle, Bad Dürrenberg und andere, bieten Patenschaften für Bäume an, bei denen ihr mit einer Spende das Pflanzen und die Pflege eines bestimmten Baumes unterstützt. In Erfurt bekommt man dafür sogar extra eine Wildblumenmischung von der Stadt.
Außerdem gibt es inzwischen einige gemeinnützige Projekte, die auf Spendenbasis Bäume pflanzen. Die gibt es aber nicht nur in Indien oder Äthiopien, sondern auch bei uns um die Ecke. Zum Beispiel könnt ihr euch bei der halleschen Organisation "I plant a tree" melden und als Unternehmen oder Einzelperson von Profis einen Baum in eurem Namen pflanzen lassen. Insgesamt hat "I plant a tree" schon mehr als 316.000 Bäume in Deutschland gepflanzt.

Zum Tag der Deutschen Einheit: Einen Baum pflanzen #Einheitsbuddeln

Schleswig-Holstein möchte etwas für mehr Bäume und bessere Luft in Deutschland tun. Unter dem #Einheitsbuddeln hat das Land zu einer Aktion aufgerufen: Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, soll eine Tradition entstehen: Alle Menschen in Deutschland sollen an diesem Tag einen Baum pflanzen. Bäumepflanzen soll am deutschen Nationaltag selbstverständlich werden, so die Hoffnung. Pflanzen sollen die Menschen einen Baum im eigenen Garten, für einen Baum spenden oder sich bei Umweltorganisationen melden. Auch Comiczeichner und Musiker Ralph Ruthe möchte dafür 100 Bäume spenden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 13. August 2019 | 13:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 08:46 Uhr

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