Vorverkaufsgebühren: Tickethändler CTS Eventim erleidet Rückschlag

Was passiert mit Vorverkaufsgebühren für Corona-bedingt abgesagte Konzerte? Dürfen Tickethändler diese einbehalten? Das Landgericht München hat entschieden.

Konzertkarten des Veranstalters Eventim
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Viele von uns hatten sich in diesem und letzten Jahr auf tolle Konzerte und Veranstaltungen gefreut. Die Freude hielt leider nicht lange. Corona kam dazwischen und nahezu jede Veranstaltung konnte nicht stattfinden. Das war für alle sehr frustrierend und man war froh, wenn man wenigstens sein Geld zurückbekommen hat. Umso ärgerlicher, wenn da ein Teil einfach fehlt.

"Alles oder nichts!"

Mehrere CTS-Eventim-Kunden sind auf die Barrikaden gegangen. Denn der Tickethändler behielt die Vorverkaufsgebühr ein. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zog deshalb vor Gericht und verklagte das Unternehmen. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski erklärt, warum bei der Erstattung immer ein paar Euro fehlten:

Eventim sagt: ,Das ist die Vorverkaufsgebühr. Die ist in unseren allgemeinen Geschäftsbedingungen nämlich ausgeschlossen`. Und da steht tatsächlich drin, dass die im Ticketpreis enthaltene Gebühr nicht erstattet werden kann. Da sagen die Kunden aber: ,Sag mal spinnt ihr? Alles oder nichts! Das Konzert hat nicht stattgefunden, also will ich bis auf den letzten Cent mein Geld zurück!` Und zack ist der Fall beim Landgericht in München gelandet.

Es kommt auf den Vertrag an

Die Verbraucherschützer hatten Erfolg: Das Landgericht München gab ihnen teilweise Recht. Der entsprechende Satz in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sei rechtswidrig. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, was bedeutet, dass nicht alle Kunden nun Anspruch auf eine Rückerstattung der Vorverkaufsgebühren haben. Außerdem hängt die Rückerstattung auch von der Art des Vertrages ab. CTS Eventim verkauft Tickets nämlich auf dreierlei Wegen und Kanälen: Es gibt Eigenveranstaltungen, wo Eventim selbst als Veranstalter auftritt. Die Vermittlung anderer Veranstaltungstickets erfolgt dann entweder über eine Handelsvertretung oder über einen Veranstalter mittels einer Kommission.

Ein Schild weiߟt auf den Ticketverkauf von CTS Eventim hin.
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In diesem Fall war es so, dass ein Kunde die Tickets in einem Kommissionsgeschäft gekauft hatte und Eventim sagt, dass es egal sei, in welcher Art und Weise die Tickets verkauft wurden - die Gebühren bleiben bei denen.

Das stimmt so aber nicht. Das Gericht ist der Meinung, dass wenn CTS Eventim eine Kommission für eine erfolgreiche Veranstaltung kassieren kann, sie auch die Risiken einer Veranstaltung alleine tragen und sie nicht auf die Kunden abwälzen sollten.

Es wird sicherlich noch Entscheidungen geben, die sich mit den beiden anderen Varianten der Verträge beschäftigen.

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte

Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Themen des Tages | 11. Juni 2021 | 19:20 Uhr

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