Betrüger Vorsicht bei der Paketannahme

In der Vorweihnachtszeit klingeln oft Paketboten mit Päckchen für Nachbarn. Und diese Boten fragen, ob man das Paket entgegennehmen kann. Manche Gutmütigkeit nutzen Betrüger aus und das kann dazu führen, dass man als netter Nachbar plötzlich im Zentrum von polizeilichen Ermittlungen steht.

von André Seifert, MDR AKTUELL

Ein Paketbote hält ein kleines Päckchen.
Das Paket könnte ein Betrüger bestellt haben. Nimmt man es an, kann das rechtliche Folgen für Sie haben. Bildrechte: IMAGO

Alexander Z. hat es schon erwischt: Eines Tages klingelte es und ein Fremder stand vor der Tür seiner Wohnung in Leipzig. Der behauptete, neu im Haus zu sein und gerade erst die Wohnung im obersten Stock bezogen zu haben.

In den nächsten Tagen erwarte er ein Paket, sagte er, und bat freundlich darum, das entgegenzunehmen. Alexander Z., der Name ist erfunden, um die Person zu schützen, willigte ein und gab dem Mann später das Paket. Was er bis dahin noch nicht wusste: Der Fremde war ein Betrüger.

Die leerstehende Wohnung im obersten Stock hatte der Mann gar nicht bezogen, sondern er hatte lediglich einen falschen Namen an die Tür geklebt und sich ein Paket an die Adresse liefern lassen, das er zuvor bei einem Versandhandel auf Rechnung bestellt hatte.

Paketannahme kann rechtlich bindend sein

Uwe Voigt von der Leipziger Polizei kennt diese Vorgehensweise. Er bittet Nachbarn um Vorsicht, denn: "Der gute Nachbar hat eventuell sogar noch das Nachsehen, weil aus zivilrechtlicher Sicht der Nachbar vom Versandhaus oder vom Inkasso greifbar ist. Er hat das Paket angenommen und unterschrieben. Entsprechend macht das Versandhaus im schlimmsten Fall Forderungen an den Nachbarn geltend."

Ein Paket für den Nachbarn annehmen - muss das am Ende also für Ärger sorgen? Nein, sagt Uwe Voigt, zumindest nicht, wenn man bei der Annahme ein paar Dinge beachtet.

Tipps für die Paketannahme

So sollte man als Nachbar immer stutzig werden, wenn ein völlig Fremder vor der Tür steht und um die Paketannahme bittet, meint Uwe Voigt. Auch Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen kennt die Betrügermasche. Sie hat ein paar Tipps für verunsicherte Nachbarn:

Es ist sicherlich Vorsicht geboten, wenn Fremde vor der Tür stehen und sagen, das ist mein Paket, das möchte ich gerne haben.

Claudia Neumerkel Verbraucherzentrale Sachsen

Claudia Neumerkel rät hier: "... sich die Abhol-Empfangskarte geben zu lassen. Und es macht auch Sinn, sich den Ausweis der Person zeigen zu lassen und sich ein paar Daten zu notieren wie Alter, Größe, Name."

Paketboten auf Nachbarn angewiesen

Für die Lieferdienste bedeutet die Weihnachtszeit Hochkonjunktur. Jeden Tag müssen Millionen Pakete zugestellt werden. Doch nicht immer sind die Empfänger zu Hause.

Die Paketboten sind also geradezu darauf angewiesen, dass Nachbarn mitspielen und Pakete für andere annehmen, erklärt Birte Ayhan-Lange vom Lieferdienst Hermes. Ayhan-Lange ermuntert Nachbarn, das auch weiterhin tun: "Und da hilft der gesunde Menschenverstand, auch in großen Häusern, da kennt man nicht unbedingt alle Bewohner, indem man dann für Nachbarn, die man nicht kennt, auch keine Sendungen annimmt." 

Übrigens, der Leipziger Alexander Z. erfuhr später erst von der Polizei, dass er einem Betrüger geholfen hatte. Die Ermittler waren dem Mann schon auf der Spur gewesen, weil der offenbar nicht zum ersten Mal mit der Masche bei einem Versandhandel Waren ergaunert hatte.

Tatsächlich kam es später auch zu einem Gerichtsprozess, bei dem Alexander Z. aussagen musste. Mehr aber auch nicht, eine Schuld konnte das Gericht nicht feststellen. Der Betrüger allerdings wurde nie gefasst.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 09. Dezember 2019 | 07:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2019, 08:34 Uhr

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