Nur vier Tage pro Woche arbeiten - Kann das funktionieren?

Aus dem Sommerlochthema ist ein Dauerbrenner geworden: Die 4-Tage-Woche wird heiß diskutiert. So auch heute Abend im MDR Fernsehen.

Mitarbeiter eines Callcenters arbeiten an ihren PC's in einem Großraumbüro
Bildrechte: imago/Jens Koehler

Mit der Debatte begonnen hatte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann Mitte August. Da schlug er vor, in der Corona-Krise die Kurzarbeit zu verlängern und außerdem eine 4-Tage-Woche als Wahlmöglichkeit für Unternehmen einzuführen – bei teilweisem Lohnausgleich.

Wirtschaftsforscher sehen den Vorschlag kritisch. Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik am Institut für Wirtschaftsforschung Halle glaubt nicht, dass ein hundertprozentiger Lohnausgleich leistbar ist. „Da können höchstens Mittelwege in Verhandlungen zwischen Unternehmen und Beschäftigten gefunden werden“, so Holtmöller. Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher sieht das so. Er sagt: Die gesamte deutsche Wirtschaft ist in der Coronakrise gerade ziemlich angeschlagen. Die vorhandene Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen und damit mehr Menschen weniger Stunden arbeiten zu lassen, sei aber ein kluger Vorschlag, so Fratzscher.

Die Meinungen aus der Politik zur 4-Tage-Woche sind geteilt. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD hält den Vorschlag für eine geeignete Maßnahme. Der CDU-Wirtschaftsrat lehnt ihn ab. Laut einer Meinungsumfrage befürworten drei von fünf Deutschen eine 4-Tage-Woche. Das spiegelt sich auch bei einer Umfrage auf unserem MDR JUMP Facebook-Profil wider:

Hoi Nzz schreibt:

Finde ich gut! Das Leben besteht nicht nur aus Arbeiten! Man hat auch ein Leben im Privaten was man gerne auch nutzen möchte! Einige haben Familie und wollen auch Zeit mit Familie haben! Und nicht nur das! Man hat mehr Spaß am Arbeits-/ und Familienleben! Ich wäre dafür!

Auch Matze Rie wäre für die Einführung einer 4-Tage-Woche:

Wäre wirklich top wenn das durchgesetzt werden könnte. Gehe 5 Tage, 42 Stunden, aber sobald mal ein Feiertag unter die Woche fällt merke ich sofort, dass ich produktiver und motivierter bin und jedes Mal denke, es könnte jede Woche so sein. 2 Tage Wochenende sind immer viel zu schnell vorbei. Vieles bleibt auf der Strecke wie Hobbies, Ausflüge und am Haus werkeln.

Katharina Oberländer hat bereits Erfahrungen mit der 4-Tage-Woche und ist damit glücklich:

Also ich arbeite seit 2018 nur noch eine 4 Tage Woche auf einer 32 Std Basis... das ist das Beste was mir passieren konnte. Seitdem bin ich viel weniger gestresst und auch krank, einfach weil ich so viel mehr Zeit für mich habe. Und wenn man einen festen Tag zusätzlich frei hat, kann man auch prima Arzttermine o.Ä. darauflegen, ohne immer eine Ankündigung bei dem AG zu machen. Für mich ist meine Freizeit wichtiger als die 20% Gehalt, die ich dadurch nicht mehr verdiene

Andere Facebook-User haben Bedenken gegen die 4-Tage-Woche:

… Ob es in den Firmen ohne erheblichen Mehraufwand umsetzbar wäre wage ich zu bezweifeln. Mir bringt es ja auch nichts wenn mein Betrieb dann pleite geht.

Bianca Acker

Umsetzbar ist das sicherlich, aber dann werden überall zusätzlich Arbeitskräfte benötigt und wo sollen die herkommen, wo jetzt schon jeder über Personalmangel klagt?

Klaus Oschatz

Ich halte gar nichts davon und wenn, dann nur bei vollem Lohnausgleich. Was soll ich mit mehr Freizeit, wenn ich kein Geld zur Verfügung habe.

Sabine Zimmermann

Über das Thema wird heute Abend in der MDR-Sendung "Fakt ist!" weiter diskutiert. Zu Gast bei Moderator Lars Sänger sind auch vier unserer MDR JUMP Facebook-User, die zusammen mit anderen ihre Meinungen über "4-Tage-Woche - Zwangsteilzeit oder Lebensqualität?" austauschen. "Fakt ist!" aus Erfurt ist live ab 20:15 Uhr auf MDR.DE zu sehen und 22:05 Uhr im MDR Fernsehen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 28. September 2020 | 15:40 Uhr

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