So helfen Eltern Schulkindern mit Schlafmangel

04.03.2019 | 11:39 Uhr

Deutsche Schüler schlafen laut aktuellen Studien im Schnitt nachts zwei Stunden zu wenig. Sie können sich in der Schule weniger konzentrieren und leisten weniger. Schlafforscher empfehlen, die Zeit am Smartphone deutlich einzuschränken und fordern einen deutlich späteren Schulstart.

Müde Schulkinder
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Nach einer aktuellen Untersuchung ist Schlafmangel unter Schulkindern und Jugendlichen weit verbreitet: Laut dem Präventionsradar 2018 der Krankenkasse DAK-Gesundheit fühlt sich jeder zweite Schüler tagsüber erschöpft und müde. Das hat eine Umfrage unter 9.300 Schülern in sechs Bundesländern ergeben. Besonders ältere Schüler schlafen zu wenig: Neunt- und Zehntklässler schlafen laut der Studie oft erst nach 23 Uhr ein.

Wie viel Schlaf sollten Schüler bekommen?

Dafür gibt es einfache Regel, die die meisten Eltern aus dem Familienalltag sowieso schon kennen: Je jünger ein Schüler ist, umso größer ist der Schlafbedarf. Zehnjährige sollten rund zehn Stunden Schlaf bekommen, empfiehlt der Kinderarzt und Schlafforscher Dr. Alfred Wiater im MDR JUMP-Interview:

Dr. Alfred Wiater, Kinderarzt und Schlaffforscher
Bildrechte: Privat/Alfred Wiater

Für einen 13-jährigen wären neun Stunden Gesamtschlafdauer pro Tag laut Studien sinnvoll, bei einem 16-jährigen acht Stunden. Da gibt es aber Unterschiede, der eine braucht mehr Schlaf, der andere weniger. Das können je nach Kind mal anderthalb Stunden mehr oder weniger sein.

Welche Folgen hat der Schlafmangel für Schüler?

Laut der DAK-Studie sind Schüler umso mehr gestresst, je weniger sie schlafen, Das kann zu Kopfschmerzen, Rücken- oder Bauchschmerzen führen, so die Autoren der Studie. Laut einer Untersuchung vom Forschungszentrum Demografischer Wandel der Frankfurt University of Applied Sciences hätten Schulkinder Konzentrationsprobleme, wenn sie weniger als acht Stunden schlafen. Nach dieser Studie mit rund 10.000 Teilnehmern steigt bei Schlafmangel offenbar auch die Unfallgefahr stark an. Jeder vierte Schüler mit zu wenig Schlaf gab laut den Forschern an, sich im letzten Jahr in der Schule verletzt zu haben.

Warum bekommen viele Schüler zu wenig Schlaf?

Dafür gebe es mehrere Gründe, sagte Schlafforscher Alfred Wiater:

Während der Pubertät verschiebt sich die innere Uhr. Kinder und Jugendliche in der Pubertät werden abends später müde. Sie können also erst später einschlafen und brauchen dann morgens länger Schlaf.

Den bekommen sie aber nicht, wenn der Unterricht schon zeitig beginnt. Auch die vermehrte Nutzung von Smartphones und Tablets sorgt für Schlafmangel. Das haben Schlafmediziner und Kinderärzte in den vergangenen Jahren schon mehrfach beobachtet. Die DAK-Studie zeigt den Zusammenhang aber noch einmal sehr deutlich: Kinder mit mehr als vier Stunden "Bildschirmzeit" schliefen laut der Umfrage im Schnitt nur 7,3 Stunden pro Nacht. Schüler mit maximal einer Stunde an Smartphones kamen dagegen auf rund neun Stunden. Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit sagte:

Kind mit Smartphone
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Die Schüler kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie laden ihre eigenen Batterien nicht mehr ausreichend auf.

Das blaue Bildschirmlicht verhindere die Ausschüttung des so genannten Schlafhormons Melatonin. Die Blockade halte noch bis zu 50 Minuten lang an, wenn das Gerät selbst schon ausgeschaltet ist. Schlafmediziner Alfred Wiater sagte:

Außerdem ist das Stresslevel durch das Gefühl erhöht, immer erreichbar sein zu müssen und etwas zu verpassen. Das gilt vor allem für Mädchen, die mehr in sozialen Netzwerken aktiv sind. Jungs sind mehr mit Spielen beschäftigt. Wenn die einen aggressiven Inhalt haben, steigt das Stresslevel.

Wie können Eltern helfen?

Schlafforscher Alfred Wiater als auch die Macher der Studie von der DAK-Gesundheit empfehlen Eltern einstimmig, mit Kindern einen bewussteren Umgang mit Smartphones und Computern zu üben.

Dazu gehört, mit den Kindern und Jugendlichen auch wirklich feste Medienauszeiten zu vereinbaren. Und die Eltern im Freundeskreis sollten sich zusammentun und abstimmen, zu welchen Zeiten eine Auszeit genommen werden soll.

Auch ein späterer Schulbeginn sei sinnvoll, wie er schon seit Jahren diskutiert werden. Alfred Wiater sagte:

Es gibt auch da Studien, die belegen, dass die Leistungsfähigkeit etwa bei Klassenarbeiten höher ist, wenn die nicht früh am Morgen stattfinden. Wann genau die Schule starten soll, ist schwierig zu sagen. Aber ein Kompromiss könnte sein: Schule nicht vor neun Uhr.

Eltern können zudem dafür sorgen, dass ihre Kinder durch viel Sport vereinfacht gesagt eher müde werden. Ausreichend Bewegung am Nachmittag erhöht die Schlafqualität laut unseren Experten deutlich. Ein "Ausruhtag" am Wochenende helfe zudem, dass Schlafdefizit zumindest etwas auszugleichen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Feierabendshow | 04. März 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 00:00 Uhr

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