Kulturbranche in der Not: „Es geht um Existenzen!”

Die Corona-Pandemie bedeutet für uns alle deutliche Lebenseinschnitte. Eine der Branchen, die es wirklich hart trifft ist die Kulturbranche, die bisher keine nachhaltige Unterstützung der Regierung bekommen hat. In zahlreichen Interviews haben mir die Künstler unseres Landes erklärt, wie schlecht es gerade um die deutsche Kulturlandschaft steht.

Popstars zur Kulturkrise 8 min
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MDR JUMP Mo 23.11.2020 10:34Uhr 08:03 min

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Seit März finden keine Konzerte mehr statt, wie wir sie kennen. Und das, was stattfand, waren Notlösungen wie Autokinokonzerte oder Shows mit Plexiglasboxen. All diese Konzerte mussten mit viel weniger Besuchern auskommen. „Das ist nichts zum Geld verdienen, tatsächlich!“, sagte Sänger Johannes Oerding über seine eigene Corona-Konzertreihe im Stadtpark in Hamburg. Fünfzehn Mal hatte er jeweils vor nur 880 Zuschauern gespielt. Alles für sein Team.

Johannes Oerding im Backstage-Talk mit MDR JUMP Redakteur Felix Heklau
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Die Crew, die wird hier normal bezahlt. Die müssen in Lohn und Brot stehen, weil da geht es um Existenzen.

Die Popstars selbst betonten immer wieder, dass sie sich um ihre eigenen Finanzen keine Sorgen machen würden. So auch Mark Forster: „Ich geh jetzt nicht vor die Hunde, sozusagen. Aber es gibt ne Menge Leute, denen gerade die Puste ausgeht, finanziell.” Gemeint sind die 1,2 Millionen Menschen, die laut dem Wirtschaftsministerium in der Konzertbranche arbeiten. Das sind unter anderem Ton-, Licht- und Bühnenarbeiter, Veranstalter und Caterer und natürlich auch Bühnenmusiker.

Wichtige Mitarbeiter gehen für immer verloren

Viele dieser Leute mussten schon den Beruf wechseln oder sich arbeitslos melden. Rea Garvey berichtete: „Die haben sich umschulen lassen oder andere Wege gesucht und gefunden. Das liebe ich an meiner Crew. Die sind schon robust. So schnell kriegst du die nicht klein. Ob es ein Lichtingenieur ist, der jetzt Elektriker ist, oder ein Toningenieur, der auf der Baustelle arbeitet.”

Clueso
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Aber hierin liegt auch eine weitreichende Gefahr. Viele Crewarbeiter, die sich neu orientiert haben, kommen eventuell nicht wieder. Somit würden der Branche die Mitarbeiter fehlen, wenn Konzerte wieder möglich sind. Clueso erklärte die Situation dieser „Aussteiger” so: „Du musst Behördenwege machen. Du musst eine neue Existenz aufbauen, dich irgendwie da reinfriemeln. Du kannst da nicht einfach wieder zurückwechseln.”

Diese Prozesse passieren schleichend im Hintergrund, zumindest für alle, die nicht in die Kulturbranche involviert sind. Deshalb fordern die Künstler unseres Landes nun ganz konkret Geld! Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß erklärte:

Silbermond sind aus der Babypause zurück auf der Bühne! Am 4. Februar 2020 standen sie in Erfurt auf der Bühne.
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Wir schaffen es große Firmen zu unterstützen, damit es die weiterhin gibt. Dann werden wir es doch auch schaffen, so viele kleine Schicksale und Existenzen zu unterstützen. Da muss es doch irgendeinen Weg geben. Ich bin keine Politikerin und ich kann dir keinen Plan auf den Tisch legen, aber wir müssen doch irgendwas machen können.

Mehr Stars im Talk:

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Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 23. November 2020 | 21:10 Uhr

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