Paar checkt im Ordner und am Bildschirm Versicherungen
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Kurz-Check: Welche Versicherungen sind Pflicht und welche unnötig?

21.11.2018 | 10:00 Uhr

Über 2.000 Euro pro Jahr bezahlen Deutsche für Versicherungen und liegen deutlich über dem EU-Durchschnitt. Richtig gut abgesichert sind die meisten trotzdem nicht. Sie haben teure und unnütze Versicherungen oder sind doppelt abgesichert. Mit unserem kurzen Check siehst du, an welchen Stellen du sparen kannst.

Paar checkt im Ordner und am Bildschirm Versicherungen
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Ein paar Minuten Aufwand reichen schon, um bei den eigenen Versicherungen einiges zu sparen: Viele sind beim Urlaub oder beim Autofahren doppelt abgesichert. Sie bezahlen Jahresgebühren für eine Kreditkarte mit Extras wie Reiseschutz und besitzen zusätzlich noch eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Die ist aus Sicht von Verbraucherschützern fast immer besser. Die teuren Kreditkarten-Extras kann man sich also sparen und sich eine günstigere Karte besorgen. Viele Autofahrer haben von ihrem Kasko-Versicherer einen Pannenschutzbrief und sind zusätzlich noch Mitglied in ADAC, AvD oder Co. Hier ist der Schutzbrief vom Versicherer aus Sicht unserer Experten meist die preiswertere Wahl.

Lieber einmal jährlich als monatlich bezahlen

Auch eine schnelle Sparmöglichkeit: Viele haben für Kaskoschutz, Unfall- oder Lebensversicherung Monatsbeiträge vereinbart. Auf zwölf Monate gerechnet bezahlen sie aber deutlich mehr als wenn der Versicherungsbeitrag einmal pro Jahr vom Konto abgezogen wird. Hermann-Josef Tenhagen vom unabhängigen Verbrauchermagazin Finanztip sagt:

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Das können Aufschläge von bis zu zehn Prozent sein. Bei einer Autoversicherung beispielsweise zahlt man dann statt 960 Euro statt 800 Euro. Das ist echt viel Geld.

Auch da lohnt der kurze Blick in die Papiere: Ziehen Paare zusammen, haben sie oft unnötige Mehrfachversicherungen.

Da hat man dann zweimal eine Hausratversicherung oder doppelten Rechtsschutz. Die jeweils jüngere Versicherung kann man dann normalerweise sofort kündigen.

Pflicht-Schutz

Beim Durchgehen des Papierkrams kann man gleich schauen, ob man gut genug abgesichert ist. Da gilt die alte Regel: Kann mich etwas finanziell ruinieren, sollte ich mich dagegen versichern. So ein Muss ist laut Finanztip die Haftpflichtversicherung. Die zahlt für Schäden, die man anderen zufügt. Das kann bei Personenschäden schnell in die Millionen gehen. Den Schutz gibt es ab 60 Euro pro Jahr. Ein Drittel der Deutschen hat allerdings keine Haftpflicht. Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist aus Sicht unserer Experten ein unbedingt nötiger Schutz. Die Versicherer zahlen im Ernstfall ein monatliches Abkommen. Jeder vierte Deutsche braucht die Police im Laufe seines Lebens. Wer die als junger Mensch abschließt, zahlt für eine gute Police ab 50 Euro pro Monat. Hermann-Josef Tenhagen sagt:

Wenn man ins Ausland reist, sollte man zudem eine Auslandsreise-Krankenversicherung haben. Und wer eine Wohnung oder ein Haus besitzt, braucht eine Wohngebäudeversicherung. Wenn da was abbrennt, kann ich das im beruflichen Leben nicht so schnell ersetzen.

Einen seriösen und kostenlosen Versicherungscheck bieten die Verbraucherzentralen, die es in vielen Städten gibt. Krankenversicherung und Kfz-Haftpflicht sind vom Gesetzgeber sowieso vorgeschrieben. Die Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung werden automatisch vom Lohn abgezogen.

Kann-Schutz

Hausratversicherung, Kinderinvaliditäts- und Rechtsschutz gehören aus Sicht unseres Experten in den Bereich "Kann man in Ruhe drüber nachdenken":

Wenn man als junger Mensch in eine Wohnung zieht und die preiswert einrichtet, braucht man noch keine Hausratversicherung. Aber wenn Sie irgendwann mal einen Teil ihres Lebenseinkommens in Möbel oder Technik investiert haben, dann sollten sie die Police haben.

Die Kinderinvaliditätsversicherung zahlt, wenn ein Kind durch einen Unfall oder auch durch Krankheit einen bleibenden Schaden davon trägt. Das Risiko wollen zunehmend weniger Anbieter absichern, daher sind die Policen mit Preisen ab 300 Euro pro Jahr recht teuer. Deutlich günstiger sind reine Unfallversicherungen für Kinder, die aber laut Statistiken nur einen sehr kleinen Teil der Ernstfälle abdecken. Beim Rechtsschutz sollte man vorher nachsehen, ob man für einen möglichen Streit vor Gericht schon anders gewappnet ist. Wer im Mieterverein ist, hat den Rechtsschutz meist schon für diesen Bereich. Gewerkschaftsmitglieder bekommen bei Streit im Arbeitsrecht Hilfe.

Überflüssige Versicherungen

Smartphone kaputt
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Viele lassen sich beim Kauf von Handy, Fernseher oder Spielkonsole überzeugen, gleich eine Geräteversicherung mit abzuschließen. Die soll einspringen, wenn das neue teure Gerät kaputt geht oder gestohlen wird oder das Handy ins Wasser fällt. Aus Sicht von Verbraucherschützern sind die Policen aber vergleichsweise teuer und bieten nur wenig Schutz. So wollen die meisten Anbieter keine Reparaturen übernehmen, wenn etwas kaputt geht und zahlen bei einem Totalschaden oft nur den Zeitwert. Viele Versicherer verlangen zudem, dass man das Gerät immer im Auge behält. Anderenfalls wollen sie bei Diebstahl nicht einspringen. Auch das Geld für Brillenversicherungen und Reisegepäckversicherungen kann man sich laut Finanztip sparen. Meist decke die Hausrat den Verlust von Gepäck im Urlaub ab. Der Schutz für Brillen werde meist nur im Paket mit anderen Policen verkauft.

Richtig kündigen

In der Regel müssen Versicherungen mit einer Frist von drei Monaten zum Ablauf des Versicherungsjahres gekündigt werden. Damit ist der 30. September oft der Stichtag, weil viele Verträge zum Jahresende auslaufen. Wer den Stichtag verpasst hat, kann aus Sicht unseres Experten aber trotzdem jetzt noch kündigen:

Wenn man die Versicherung sowieso kündigen will, macht man das Ganze am besten jetzt sofort. Dann verpasst man es nicht und den Schutz hat man bis zum Ende der Versicherung auch noch.

Wer per Einschreiben kündigt, geht ganz auf Nummer sicher. Das Ganze kann man auch per Fax oder E-Mail machen. Wichtig ist aber immer die Bestätigung der Versicherung, dass die Kündigung angekommen ist.

Neue Versicherung abschließen: Im Internet oder beim Makler?

Wer eine Versicherung online abschließt, bekommt die im Vergleich meist günstiger als beim Makler des Vertrauens. Der ist allerdings bei Problemen schneller und besser zu erreichen als die Onlineversicherer über E-Mail oder Hotlines. Wann man besser einen Onlinebieter und wann einen Makler nutzt, kann unser Experte nicht pauschal sagen:

Beratungsgespräch mit Versicherungsmakler
Beratungsgespräch mit Versicherungsmakler Bildrechte: IMAGO

Ich würde immer erst mal online einen Preisvergleich machen. So dass ich eine Idee habe, was die Versicherung in etwa kosten darf. Und wenn ich einen Lieblingsversicherungs-Außendienstler habe, dann rede ich mit dem darüber. Ob der mir den Preis bei seiner Versicherung auch machen kann.

Die gängigen Vergleichsportale für Versicherungen im Internet liefern aus Sicht von Hermann-Josef Tenhagen einen guten Überblick. Er rät aber dazu, bei den Suchergebnissen etwas genauer hinzusehen.

Diese Portale leben von Provisionen. Und wenn man die Suchergebnisse sieht, dann findet man auf den ersten Plätzen ganz oben meist so etwas wie "Preis-Leistungs-Empfehlungen". Das ist nicht die günstigste Versicherung, sondern eine, die das Portal gern verkaufen würde. Für eine Provision vielleicht.

Eher aufwendige Versicherung aus dem Gesundheitsbereich wie der Schutz gegen Berufsunfähigkeit oder eine Kinderinvaliditätsschutzversicherung sollte man besser mit einem Makler gemeinsam abschließen. Bei diesen Policen kommt es unter anderem darauf an, dass alle Gesundheitsfragen richtig ausgefüllt werden. Anderenfalls gibt es im Ernstfall kein Geld.  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 21. November 2018 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2018, 10:00 Uhr

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