Zahnpasta auf einer Zahnbürste
Bildrechte: Colourbox.de

Verschwörungstheorien im Check Giftige Fluoride in der Zahnpasta?

Macht Zähneputzen dumm? Schlimmer noch: Schädigt die Zahnpasta unsere Gehirne? Es gibt Verschwörungstheorien, die das behaupten. Unser Experte Sebastian Bartoschek sagt, was dran ist.

Zahnpasta auf einer Zahnbürste
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Wer nicht regelmäßig die Zähne putzt, bekommt Besuch von Karius und Baktus, die mit ihren spitzen Hacken Löcher in die Zähne hauen, die früher oder später verdammt weh tun. Jedenfalls wird im gleichnamigen Kinderbuch-Klassiker so erklärt, warum es gut ist, regelmäßig die Zähne zu putzen. Und offenbar gibt es da durchaus Nachholbedarf: Derzeit hat immerhin ein Drittel der Kleinkinder in Thüringen Karies. Betroffen seien vor allem Kinder aus einkommensschwachen Familien oder Zuwandererfamilien. Helfen würde flächendeckendes Zahnputztraining im Kindergarten.

Verdummung durch Fluorid?

Allerdings sind offenbar nicht alle von der positiven Wirkung der regelmäßigen Zahnpflege überzeugt, aus ganz anderen Gründen. Sie glauben Zähneputzen ist eine ziemlich gefährliche Sache. Schuld ist demnach Fluorid, wie unser Experte für Verschwörungstheorien Sebastian Bartoschek herausgefunden hat:

Diese Theorie ist wirklich schon mehrere Jahrzehnte alt. Es wird dabei davon ausgegangen, das Fluorid gezielt dafür eingesetzt wird um die Bevölkerung entweder durch Hirnschäden zu verdummen oder sie gefügig zu machen oder schleichend zu vergiften, umso Krieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen.

Immer wieder werden solche Nachrichten in sozialen Netzwerken rumgereicht. Fakt ist: Fluorid ist ein Salz, das auch in der Natur vorkommt. Und wie immer ist die Dosis entscheidend.

Psychologisch gesehen passt diese Theorie zu einer Gruppe von Verschwörungstheorien, die immer davon ausgeht, dass unser Willen gebrochen werden soll und wir es nicht merken. Das soll dann über unterschwellige Fernsehwerbung gehen oder über Chemtrails gehen. Oder eben jetzt hier durch Fluorid in der Zahnpasta oder im Trinkwasser.

Was ist dran?

Fest steht: Wer dauerhaft sehr viel Fluorid zu sich nimmt - durch Fluoridhaltiges Speisesalz oder eben Zahnpasta - bekommt ernsthafte körperliche Probleme. Im schlimmsten Fall muss man mit Nierenschäden rechnen.

Fluorid in der Zahnpasta in einer Konzentration von etwas mehr als nur 0,1 Prozent reicht dagegen, um wirksam unsere Zähne zu schützen. Für Kinderzahnpasta  empfehlen übrigens unsere Experten einen Fluoridgehalt von 0,05 Prozent.

Wir müssen festhalten: Was immer eine medizinische Wirkung hat, kann und muss auch Nebenwirkungen haben. Insofern überrascht es dann auch nicht, das Fluorid in höheren Dosen toxisch ist. Wenn man als Erwachsener mehr als drei Kilo Zahnpasta am Tag isst, ist man tot. Das ist aber nicht zu verhindern. Jede Chemikalie hat Nebenwirkungen. Was keine Nebenwirkung hat, hat keine Wirkung!

Schon der Schweizer Arzt Paracelsus hat vor mehr als fünfhundert Jahren gesagt: Die Dosis macht das Gift. Das stimmt auch heute noch. Zahnärzte empfehlen, zur Ernährung generell fluoridiertes Speisesalz zu nehmen. Das Fluorid wirke schon während des Essens als Schutzschild für den Zahn und wehre Säureattacken ab.

Sebastian Bartoschek ist Journalist, Autor und Psychologe. Seine Doktorarbeit hat er über die Bekanntheit und Zustimmung von Verschwörungstheorien geschrieben.

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2016, 14:32 Uhr