Kommt eine Helmpflicht für Radfahrer?

Er steht den allerwenigsten, aber im Falle eines Unfalls schützt er vor Verletzungen: Der Fahrradhelm. Auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar wird abermals über eine Helmpflicht debattiert.

Eine Frau setzt sich einen Fahrradhelm auf
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Schon im Vorfeld des Verkehrsgerichtstags, der am Freitag in Goslar stattfindet, kochte die Debatte wieder hoch: Helmpflicht für Radfahrer, oder nicht? Ansgar Staudinger, der Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstags halte wenig von einer Pflicht zum Helmtragen, war da zu lesen. Bei der Eröffnung am Freitagvormittag sah er sich genötigt, einiges klarzustellen:

Ich bin für Helm tragen, nur damit das nicht falsch rüberkommt. Meine Familie und ich tragen auch Helm.

Staudinger sieht allerdings eine Helmpflicht in der Straßenverkehrsordnung nur als allerletztes Mittel. Er plädiert eher dafür, durch geschicktes Marketing und Kampagnen die Akzeptanz für das Tragen von Fahrradhelmen zu steigern. Bei den Skifahrern hätte das ähnlich auch geklappt, dort trügen mittlerweile gut 80 Prozent einen Helm. Derzeit sei Staudinger nicht für eine Helmpflicht, sagte er.

Einführung könnte schwierig werden

Auch Siegfried Brockmann, der Leiter der Unfallforschung der Versicherer ist absolut für das Tragen von Fahrradhelmen. Aber auch er sieht eine Helmpflicht kritisch, vor allem aus juristischen Gründen:

Es geht um den eigenen Kopf, da hängen die juristischen Hürden sehr hoch.

Die Frage einer Helmpflicht würde Artikel 3 des Grundgesetzes betreffen, in dem es um die freie Entfaltung der Persönlichkeit geht. Dazu gehört auch, dass man sich selbst schädigen darf. Sobald es um den Schutz von anderen Menschen geht, sei die Lage eine andere. Zu einem ähnlichen Ergebnis war vor zehn Jahren bereits eine Kommission von Juristen in Thüringen gekommen.

Eine gesetzliche Pflicht dürfe außerdem nur das allerletzte Mittel sein, sagt Brockmann, deshalb müsse man abwarten, ob entsprechende Kampagnen zu einer vernünftigen Helmtragequote führten.

Ein Helm ist trotzdem sinnvoll

Dass ein Fahrradhelm schützt, steht sowohl für Ansgar Staudinger als auch für Siegfried Brockmann außer Frage.

Bis 25km/h bietet der Fahrradhelm einen guten Schutz.

Daran schließt auch die Frage nach Tempolimits an. Fahrräder würden dank der Ausstattung mit Elektroantrieben immer schneller, sagt Kai Christ, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Thüringen. Für Radfahrer seien die schlecht umzusetzen, meint Brockmann. Und Tempolimits für Autofahrer würden Radfahrern wenig bringen.

Die meisten Unfälle passieren beim Abbiegen, wenn Autofahrer sowieso schon langsam unterwegs sind, oder - Stichwort: Dooring - wenn das Auto steht.

Eine Helmpflicht wäre im Vergleich zu einem Tempolimit also durchaus sinnvoller. Das denkt auch die Gewerkschaft der Polizei.

Polizeigewerkschaft pro Helmpflicht

GdP-Thüringen Vorsitzender Kai Christ sagt, man unterstütze eine Helmpflicht für Radfahrer vollumfänglich. Sein Kollege Uwe Bachmann, der Landesvorsitzende der GdP Sachsen-Anhalt erklärt, dass seine Gewerkschaft pro Helmpflicht ist:

Immer wieder kommt es zu teils gravierenden Unfällen mit Fahrradfahrern im Land. Dies gilt es unbedingt zu verhindern, jeder Verletzte ist einer zu viel.

Selbst bei unverschuldeten Unfällen trügen Radfahrer oft schwere gesundheitliche Folgen davon, sagt Bachmann. Man habe sich deshalb mit der Forderung nach einer Helmpflicht an den Verkehrsgerichtstag gewandt.

Als Vorbild könnten dieses Mal übrigens Kinder dienen, sagt Bachmann:

Unsere "Kleinen" machen es uns vor und tragen Helm, warum soll das nicht auch für Jugendliche und Erwachsene gelten?

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 29. Januar 2021 | 06:00 Uhr

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