Wie gesund vegetarische Aufstriche sind und worauf du beim Einkaufen achten solltest

Laut Vegetarierbund Deutschland verzichtet die Hälfte der Deutschen gut dreimal pro Woche auf Fleisch. Eine Alternative- die vegetarischen Brotaufstriche liegen voll im Trend. Wie gut und gesund sie sind, hat die Stiftung Warentest jetzt überprüft.

Toast mit Avocado-Hummus und Sprad-Käse mit essbaren Blüten 1 min
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MDR JUMP Mi 17.06.2020 10:45Uhr 01:04 min

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Was sind eigentlich vegetarische/vegane Brotaufstriche?

Es ist ganz einfach: ohne Fleisch ist vegetarisch, ohne jegliche tierische Zusätze, also rein pflanzlich ist vegan. So gesehen ist Marmelade ein veganer Brotaufstriche, ein Frischkäse und Honig gehen als vegetarisch durch. In Bio- und Discounterläden werden viele Aufstriche aber extra als eine Art Wurst- oder Fleischersatz gehandelt. Zielgruppe sind immer öfter auch die sogenannten Flexitarier, die ab und zu auf Fleisch und Wurst verzichten wollen, aber nicht auf den Geschmack. Für sie gibt es reichlich Fleischersatzaufstriche, die mit Gemüse, Ölen, Fetten und Gewürzen so tun als ob. Die Hersteller wollen, dass die Produkte ganz klar erkannt werden. Deshalb findest du auf den Verpackungen, neben Slogans wie "Kraft der Natur" oder "Take it Veggie" als eindeutiges Merkmal die sogenannte Veganblume.

Wie gesund sind die Produkte?

Von Natur aus schmecken uns Dinge, die Energie und Mineralstoffe liefern, also Fett und Zucker und Salz. Kleiner Test: Die wenigsten Kinder haben ein Problem mit Wurst oder Süßkram, wohl aber mit Broccoli, Pilzen und Fisch. Um eine Gemüsepaste ohne Fleischaromen halbwegs schmecken zu lassen, setzen viele Hersteller reichlich Zucker und Fett zu. So kann ein Bio-Kräuter-Tomaten-Aufstrich locker 22 Gramm Fett auf 100 Gramm enthalten, während es der vermeintlich fettigere Frischkäse es auf 10 Gramm und die eingekochte Schweinskopfsülze auf "nur"15 Gramm Fett bringen. Wer also fettreduziert und kalorienbewusst essen möchte, muss bei vegetarischen Brotaufstrichen genau hingucken. Vorsicht: In etlichen Produkten sind billige Öle und Fette verarbeitet, hinzu kommen Geschmacksverstärker und andere Zusatzstoffe. Die vegetarischen Brotaufstriche sind damit nicht schlechter als die Wurst vom Fleischer oder aus dem Glas- aber auch nicht immer gesünder. Ernährungsberater Johannes Hunger aus Leipzig dazu:

Um einen fleischnahen Geschmack zu erzeugen, muss eine Kette von technischen und chemischen Vorgängen in Gang gesetzt werden, die mit nachhaltiger Lebensmittelproduktion nichts zu tun haben.

Zudem bemängeln Verbraucherorganisationen wie etwa ÖKO-Test, dass Fleischersatzprodukte oft mit Mineralölverbindungen, sogenannten MOSH´s belastet sind.

Worauf solltest du beim Einkaufen achten?

Verpackung und tolle Sprüche verraten dir nichts - du musst die Zutatenliste checken. Was dort zuerst genannt wird, davon ist am meisten drin. Im Idealfall findest du also 40 bis 50 Prozent Gemüse. Auch Eiweiße, Tofu, andere Bohnen und Kerne sind okay. Statt Sonnenblumenöl sind Oliven- oder Rapsöl die gesünderen Fette. Vorsicht bei Geschmacksverstärkern, Hefeextrakten und besonders bei Verarbeitungshilfsstoffen. Letztere müssen nämlich gar nicht auf die Zutatenliste, es sei denn, sie enthalten Allergene. Als Faustregel gilt: Je mehr Gemüse und je weniger Gesamtzutaten, desto gesünder sollte das Produkt sein. Ob es dann immer auch gut schmeckt, das musst du entscheiden.

Was sagt die Stiftung Warentest?

Von den bei uns gut 340 erhältlichen pikanten Aufstrichen, hat die Stiftung Warentest 25 Produkte untersucht. Sehr positiv fiel dabei auf, dass der Preis nichts mit Qualität zu tun haben muss. Einer der Testsieger, der Hof-Gemüse Susis-Scharfe-Tomate-Aufstrich von Allos für 1,87 Euro pro 100 Gramm bekam genauso ein Testurteil gut, wie die Streichcreme Toskana von Allnatura für nur 0,83 Euro pro 100 Gramm. Eher negativ: Kein einziges Produkt bekam ein "Sehr gut". Das lag unter anderem am erwähnten Fett und anderen Zusatzstoffen.

Gar nicht gut: Drei Produkte bekamen gerade mal ein ausreichend, weil sie Nickel und Blei in besonders für Kinder vermeintlich zu hohen Dosen enthielten. Fazit vom Test: Es gibt richtige gute und halbwegs gesunde Aufstriche für wenig Geld. Aber auch teure Bioprodukte von namhaften Herstellern können bedenklich sein. Im Zweifel hilft ein Blick in den aktuellen Test.

Wie du vegetarische/vegane Aufstriche selber machst

Frisch ist immer besser, als ein Produkt mit vielen Zusatzstoffen lange haltbar zu machen. Einen Brotaufstrich ohne Fleisch oder Wurst kannst du selbst oft mit nur wenig Arbeit herstellen. Vorteil: Du hast es in der Hand, wieviel du machst, wie du würzt und wie hochwertig deine Zutaten sind. Überraschenderweise sind selbstgemachte Brotaufstriche noch nicht mal teurer, als gekauft, es kostet nur ein wenig Zeit. Und Rezepte für einen frischgemachten Eiersalat oder eine vegane Dattelcreme sein kannst du auch ohne große Küchenerfahrung leicht umsetzen. Wichtig ist, dass du beim Zubereiten auf Sauberkeit achtest und die Aufstriche in wenigen Tagen aufbrauchst. Frische schmecken eh immer wieder besser.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. Juni 2020 | 10:45 Uhr

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