So wichtig ist die Vater-Tochter-Beziehung

Liebe, Unterstützung, Wissen – und gemeinsames Rumblödeln. Väter können ihren Töchtern viel geben. Wie wichtig diese Beziehung ist, haben Forscher lange Zeit unterschätzt.

Ein Vater liegt mit seiner Tochter glücklich lachend auf einer Blumenwiese.
Bildrechte: colourbox

Die ersten 42 Jahre seines Lebens konnte der Rapper Jay-Z nicht schwimmen. Musste man halt auch nicht auf den Straßen von Brooklyn. Dann kam aber seine Tochter Blue Ivy auf die Welt, im Jahr 2012 war das. Und der Mega-Star stieg ins Becken, um zu lernen. Nur als Schwimmer würde er seine Tochter in Sicherheit bringen können, sollte sie eines Tages einmal versehentlich im Wasser landen. „Es ist eine Metapher für unsere Beziehung: Wenn sie jemals ins Wasser fallen würde, und ich könnte sie nicht retten – das will ich mir einmal vorstellen“, so der Musikproduzent.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie die Geburt einer Tochter auch den Vater beeinflusst – und viele von euch haben da sicher eine eigene, ganz persönliche Geschichte. Wie ihr vielleicht eure Tochter eine Zeit fast allein großgezogen habt, weil die Mutter länger im Krankenhaus war. Wie ihr euch für die Theateraufführung in der Kita in einem komischen Kostüm zum Obst gemacht habt - oder wie ihr auf einmal auch als harte Typen angefangen habt zu heulen, wenn ihr kitschige Filme anschaut.

Väter wurden in der Bindungsforschung über viele, viele Jahre kaum beachtet. „In der Psychologie wurde die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung eines Kindes – und erst recht einer Tochter – sehr lange gering bewertet“, sagt die Autorin Susann Sitzler. Doch mittlerweile ist klar, wie wichtig die Beziehung zwischen Vätern und ihren Töchtern tatsächlich ist. So sagt der US-Psychologe Michael Lamb, einer der Begründer der Väterforschung: Die Beziehung zur Mutter sei zwar die entscheidende, aber die zum Vater deshalb längst nicht bedeutungslos.

Verschiedene Phasen der Beziehung

Natürlich geht diese Beziehung durch verschiedene Phasen. Als kleines Kind will die Tochter den Vater (fast) ständig um sich haben. Interessant dabei ist, dass Väter sich laut wissenschaftlichen Studien im Spiel mit ihren Kindern anregender verhalten als Mütter. In der Pubertät geht es dann um Abstand und Selbstfindung. Aber auch hier spielt der Vater eine wichtige Rolle, zum Beispiel als positives Vorbild für die Paarbeziehungen der Tochter. Als Erwachsene sind schließlich Unterstützung und eine Beziehung auf Augenhöhe gefragt. Und, wenn alles gut geht, kann man als Vater im Alter auf Hilfe durch die Tochter hoffen.

Aber in jeder Phase ist es für eure Tochter wichtig, was ihr als Vater tut. Wenn sie euch zum Beispiel schon als kleines Kind gleichberechtigt bei der Hausarbeit sieht, wird sie später mit größerer Wahrscheinlichkeit keinen typischen Frauenberuf oder gar das Hausfrauendasein anstreben. Das haben kanadische Forscher bei einer Studie herausgefunden. Das heißt: Wer selbständige, selbstbewusste Töchter haben möchte, die nicht nur zu Hause hinter dem Herd stehen, sollte auch ihre Mutter so unterstützen, dass sie das nicht tun muss.

Wichtig sogar für den späteren Erfolg im Job

Als gesichert gilt auch, dass eine gute Beziehung zum Vater den späteren beruflichen Erfolg der Töchter fördert. Auf Basis von US-Daten ließ sich nachweisen, dass die berufliche Laufbahn von Frauen stärker von ihrer Beziehung zum Vater abhängt als die von Männern.

„Ein Vater, der sich mit seiner Tochter identifiziert und ihren Blickwinkel einzunehmen versteht, kann ihr unendlich viel Mut machen und ihr wichtige Dinge beibringen“, sagt Autorin Sitzler.

Was ist nun aber, wenn Töchter ohne Vater aufwachsen – oder gleich mit zweien? Das ist kein Problem. Eine gute Vaterfigur muss nicht zwingend der Erzeuger sein, sagen Forscher, oder das männliche Geschlecht haben. Wichtig für eine gute Bindung sind Unterstützung und Ermutigung.

Aktuelle Themen von MDR JUMP