Urteil zu Samenspende: Leiblicher Vater darf Kontakt zu Kind einfordern

Wer anderen bei deren Kinderwunsch hilft, kann später auch ein Recht auf Umgang haben. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Allerdings muss dafür auch das Kind gefragt werden.

Vater und Kind am Strand (Symbolfoto)
Bildrechte: IMAGO / Westend61

Ein Mann hatte es einem lesbischen Paar ermöglicht, Eltern zu werden. Er hatte mit den Frauen vorher besprochen, dass er ein „aktiver Vater“ sein und auch Umgang mit dem Kind haben wird. In den ersten fünf Lebensjahren des Kindes klappte das auch. Als der Mann sein Kind aber häufiger sehen wollte, kam es zum Bruch mit dem lesbischen Paar.

Kind weiß, wer der leibliche Vater ist

Der Mann traf sein leibliches Kind in dessen ersten Lebensjahren immer nur wenige Stunden und im Beisein des Paares. Das reichte ihm nicht. Der Mann wollte vor Gericht erreichen, sein Kind alle vierzehn Tage abholen und Zeit mit ihm verbringen zu können. Doch das zuständige Gericht wies diesen Antrag zurück. Für den Fall gebe es keine Rechtsgrundlage. Das sahen die Richter vom Bundesgerichtshof (BGH) jetzt anders. Aus ihrer Sicht muss dem leiblichen Vater ein Umgangsrecht gewährt werden, wenn er ein „ernsthaftes Interesse an dem Kind gezeigt hat und der Umgang dem Kindeswohl dient. Nach ihrer Entscheidung ist der Samenspender wie jeder andere Mann zu behandeln, dessen Kind vom Ehemann der Mutter adoptiert ist. Dieser Umgang ist im Bürgerlichen Gesetzbuch klar geregelt. Die Partnerin der Mutter hatte das Kind nach dessen Geburt adoptiert.

Kind muss noch gefragt werden

Nach dem BGH-Urteil muss aber noch geprüft werden, ob mehr Umgang mit dem Vater wirklich dem Kindeswohl dient. Dafür muss das siebenjährige Kind noch gefragt werden, ob es das auch will.

Bei Samenspenden ist die Rechtslage in Deutschland relativ klar: Der Spender darf seine Stellung als Vater später nicht geltend machen. Zumindest dann nicht, wenn er über eine offizielle Samenbank spendet. Darauf weist der Verein „Spenderkinder“ hin. Kommt der Spender aus dem privaten Umfeld der Mutter, ist es komplizierter. Daher war hier eine Entscheidung des BGH nötig. Kinder dürfen grundsätzlich immer erfahren, wer ihr leiblicher Vater ist. Wurden sie nach 2018 gezeugt, haben sie gegenüber dem Samenspenderregister bei dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein Recht auf Auskunft über den Samenspender.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und KNA.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 20. Juli 2021 | 16:00 Uhr

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