"Tor des göttlichen Kriegers" in der Verbotenen Stadt, Peking, China.
"Tor des göttlichen Kriegers" in der Verbotenen Stadt in Peking, China. Bildrechte: IMAGO

Urteil der Woche Keine Sehenswürdigkeiten? Reisekosten zurück!

Ein Paar bucht bei einem Reiseveranstalter eine China-Rundreise. Kurz vor Beginn der Reise strich der Veranstalter entscheidende Sehenswürdigkeiten aus seinem Programm. Das Paar stornierte daraufhin die Reise und wollte sein Geld zurück.

"Tor des göttlichen Kriegers" in der Verbotenen Stadt, Peking, China.
"Tor des göttlichen Kriegers" in der Verbotenen Stadt in Peking, China. Bildrechte: IMAGO

Ausgerechnet die beiden Pekinger Hauptsehenswürdigkeiten Verbotene Stadt und Platz des Himmlischen Friedens sollten auf der China-Reise nicht mehr besucht werden können, teilte ein Reiseveranstalter kurz vor Reisebeginn seinen Kunden mit. Ein Paar sagte daraufhin die Reise ab und wollte sein Geld zurück. Doch dürfen Kunden kostenlos stornieren, wenn Sehenswürdigkeiten aus dem Besichtigungsprogramm gestrichen werden? Der Reiseveranstalter sagte nein und behielt 90 Prozent als Storno-Gebühr ein. Daraufhin klagte das Paar, denn immerhin ging es um über 3.000 Euro, erklärt Rechtsanwalt Thomas Kinschewski:

Der Bundesgerichtshof sagt: Natürlich bekommen die ihr Geld zurück, denn die Verbotene Stadt und der Platz des Himmlischen Friedens sind für China-Reisen so prägend, dass man das nicht einfach wegfallen lassen kann. Damit entfällt eine wesentliche Reiseleistung und der Charakter der Reise wird empfindlich gestört.

Nur kleine Änderungen hinnehmbar

Der Anwalt des Reiseveranstalters argumentierte, dass sich der Veranstalter bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorbehalten habe, die Reiseroute ändern zu dürfen. Dieses Argument ließ das Gericht jedoch nicht zu, so Kinschewski:

Der Bundesgerichtshof jedoch sagt: Nicht in diesem Fall. Wenn die Änderung die Reise so verändert, dass sie danach eigentlich keinen Sinn mehr macht, dann würde der Kunde völlig rechtlos gestellt. Diese Änderungsklausel im konkreten Fall war also unwirksam.

Wenn also plötzlich entscheidende Sehenswürdigkeiten aus dem Besichtigungsprogramm einer Reise gestrichen werden, dürfen Kunden kostenlos stornieren.

Das Aktenzeichen X ZR 44/17

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
Bildrechte: Thomas Kinschewski

Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 20. Januar 2018 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2018, 10:05 Uhr

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