Urteil: Radmuttern nachziehen lassen ist Pflicht!

So langsam wird es höchste Zeit, die Winterreifen draufziehen zu lassen. Dabei gilt: Nach 50 Kilometern sollte man die Muttern nochmal nachziehen lassen. Andernfalls kann es teuer werden, entschied ein Gericht.

Autowerkstatt Reifenwechsel
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Bei jedem Reifenwechsel gilt die Faustregel: Nach 50 Kilometern sollte man nochmal in die Werkstatt und die Muttern nachziehen lassen. Ein Mercedes-Fahrer aus München hat das aber unterlassen, obwohl er in der Werkstatt darauf hingewiesen wurde. Ein Fehler, stellt MDR JUMP-Rechtsexperte Thomas Kinschewski fest:

Man sollte immer auf Leute hören, die sich auskennen.

Es kam, wie es kommen musste. Nach etwa 100 Kilometern löste sich bei dem Mercedes ein Hinterrad, es kam zu einem Unfall und das Auto wurde dabei stark beschädigt. Immerhin wurde niemand verletzt.

Der Mercedes-Fahrer sah die Schuld bei der Werkstatt. Die hätte den Reifenwechsel nicht fachgerecht durchgeführt. Deshalb wollte er von der Werkstatt mehrere tausend Euro für Abschleppkosten, Wertminderung und Nutzugsausfall haben.

"Weise Entscheidung"

Der Fall landete vor dem Landgericht München II, wo die Richter eine "weise" Entscheidung trafen, wie Rechtsanwalt Thomas Kinschewski findet: Der Mercedes-Fahrer hat eine Teilschuld an seinem Unfall, weil er die Muttern nicht hat nachziehen lassen.

Diese Mitschuld haben die Richter mit 30 Prozent angesetzt.

Fahrlässigerweise die Radmuttern nicht nachziehen zu lassen sei ein Verschulden gegen sich selbst, so die Richter. Deshalb müsse der Mercedes-Fahrer für seinen Unfall mit haften.

Immerhin, der Fahrer hatte bei seinem Unfall Glück im Unglück: Niemand anderes kam zu Schaden. In so einem Fall käme wohl ebenfalls eine Eigenbeteiligung in Betracht, schätzt Rechtsanwalt Thomas Kinschewski. Deshalb gilt:

Das Anziehen der Radmuttern ist Stand der Technik und Pflicht und wer es unterlässt, der haftet mindestens anteilig.

Die Schadensforderungen erkannten die Richter übrigens auch nur teilweise an. Die Forderung zum Nutzungsausfall wurde abgelehnt, weil der Mann noch einen Dienstwagen hatte und die Wertminderung wurde abgelehnt, weil das Auto so repariert wurde, dass es wie neu ist.

Aktenzeichen: LG München II, Urteil vom 9.4.2020, Az.: 10 O 3894/17

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 31. Oktober 2020 | 12:10 Uhr

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