Gespräch unter Kollegen (Symbolbild)
Bildrechte: imago images / Westend61

Chef darf keine Rache-Kündigung aussprechen, wenn Mitarbeiter gehen will

16.08.2019 | 11:05 Uhr

Ein Chef darf sauer sein, wenn ein wichtiger Mitarbeiter gehen will und kündigt. Er darf ihm dann aber nicht kündigen, um seinen Angestellten noch eher loszuwerden. Das hat jetzt ein Gericht entschieden.

Gespräch unter Kollegen (Symbolbild)
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Eigentlich ist es eine einfache Geschichte: Ein Mitarbeiter findet in einer anderen Firma einen besseren Job. Der verspricht mehr Geld, mehr Zeit mit der Familie oder auch einen kürzeren Arbeitsweg. Also kündigt der Arbeitnehmer und verlässt Chef und Kollegen zum vereinbarten Termin. Ende, aus, alles gut. Im Arbeitsalltag ist es dann aber offenbar nicht immer so einfach.

Der Fall

In Siegburg in Nordrhein-Westfalen hatte ein Teamleiter seinen Arbeitgeber informiert, dass er erst auf Kur geht und danach den Job wechseln möchte. Der Angestellte reichte daher Ende Januar dieses Jahres ganz offiziell seine Kündigung ein und wollte die Firma fristgerecht am 15. April verlassen.

Der Chef war darüber gar nicht glücklich und versucht eine Retourkutsche: Er spricht eine so genannte Revanchekündigung aus. Er kündigt also dem Arbeitnehmer innerhalb der Kündigungsfristen, die für ihn gelten.

Damit hätte der Arbeitnehmer die Firma einige Wochen früher verlassen müssen als geplant. Das wollte der Mann nicht hinnehmen und klagte.

Das Urteil

Das Arbeitsgericht Siegburg entschied jetzt, dass die Kündigung durch den Chef nicht rechtmäßig war.

Nur den Job wechseln zu wollen ist kein Rechtfertigungsgrund für eine Kündigung des Arbeitgebers. Die Kündigung des Arbeitsnehmers ist völlig legitim. Wenn ich wechseln will und dann immer befürchten muss, sowieso rauszufliegen, das ist nicht Sinn des Systems.

Laut dem Gericht kann so eine Revanchekündigung durchaus zulässig sein. Das gelte aber immer nur dann, wenn der Chef Schwierigkeiten beim Nachbesetzen der Stelle hat. Zum Beispiel wenn Fachkräfte Mangelware sind. Dann darf der Chef seinen Angestellten eher vor die Tür setzen, wenn der schwer zu findende Ersatz nur zu einem bestimmten Zeitpunkt anfangen kann. Im Siegburger Fall gab es diese Schwierigkeiten aber nicht. Für den wechselwilligen Angestellten stand schon lange eine Kollegin parat, die seine Aufgaben mit übernehmen konnte.

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
Bildrechte: Thomas Kinschewski

Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 17. August 2019 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 11:05 Uhr

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