Urteil der Woche Müssen Autofahrer bei einem Wildunfall zahlen?

Für Autofahrer ist es schlimm genug: Rehe, Hirsche oder Wildschweine sind auf die Straße gelaufen und der Crash ließ sich nicht mehr vermeiden. Drei Autofahrer sollten jetzt noch zusätzlich zahlen. Die Straßenbehörde wollte Geld, weil sie die toten Tiere wegschaffen und die Fahrbahn reinigen musste.

Drei Autofahrer waren in Niedersachsen mit Tieren zusammengestoßen. Ein Wildschwein und Rehe starben bei den drei Unfällen. Das meldeten die Autofahrer auch vorschriftsmäßig bei den zuständigen Förstern. Die zuständige Straßenbehörde ließ die toten Tiere von einem Fachunternehmen beseitigen. Die Kosten dafür sollten die drei Autofahrer bezahlen: 130, 150 und 400 Euro. Dagegen klagten die drei bis zum Oberverwaltungsgericht Lüneburg.

Das Urteil

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg entschied: Die Kosten fürs Aufräumen und Säubern nach einem Wildunfall müssen die drei Autofahrer nicht noch übernehmen. Der Dresdner Rechtsanwalt Thomas Kinschewski sagt:

Das ist keine Verunreinigung im Sinne des Bundesfernstraßengesetzes, die der Autofahrer unverzüglich zu beseitigen hat. Sondern das ist so was wie höhere Gewalt und die unterfällt dem so genannten Gemeingebrauch. Das heißt: Dafür kommt der Steuerzahler auf.

Nach einem Wildunfall müssten Autofahrer nur dann zahlen, wenn sie an dem Unfall Schuld haben. Unser Experte warnt zudem ausdrücklich davor, nach einem Zusammenstoß mit Reh oder Wildschwein den Kadaver in den Kofferraum zu packen. Das sei Jagdwilderei und dafür gibt es hohe Strafen.

Wer zahlt nach einem Wildunfall den Schaden am Fahrzeug?

In den meisten Fällen sind Zusammenstöße mit Wild ein Fall für die Kaskoversicherung. Doch die zahlt nicht in allen Fällen. Übernommen werden in der Regel nur die Kosten nach einem Unfall mit Haarwild. Dazu zählen Hirsche, Rehe, Wildschwein, Hasen oder Füchse. Gezahlt wird auch für die so genannten „Rettungskosten“, wenn etwa ein Autofahrer einem Tier ausgewichen und mit einem entgegen kommenden Wagen zusammengestoßen ist. Läuft dagegen ein Pferd, Schaf oder ein großer Hund vors Auto oder gibt es einen Crash mit einem großen Vogel, springt die Kaskoversicherung nicht ein. Allerdings haben einige Anbieter inzwischen eine entsprechende Klausel im Vertrag.

Es gab auch schon einige Fälle, wo der Jagdpächter selbst haften musste. Etwa wenn der das Wild nicht ausreichend genug „bejagt“ hat.

Auch wenn die Versicherung einspringt, können noch Kosten auf Autofahrer zukommen. In manchen Vollkaskoversicherungen ist eine Selbstbeteiligung eingebaut. Manche Versicherer stufen Autofahrer nach einem Crash mit Wild auch hoch.

Das Aktenzeichen 7 LC 34/17, 7 LC 35/17, 7 LC 37/17 (Urteil vom 22.11.2017)

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
Bildrechte: Thomas Kinschewski

Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 01. Dezember 2017 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Dezember 2017, 15:30 Uhr