Frau duscht sich in einer Badewanne die Beine ab.
Bildrechte: imago/Petra Schneider

Urteil der Woche: Ist ein Duschunfall auf Dienstreise ein Arbeitsunfall?

02.02.2019 | 00:00 Uhr

Passiert ein Unfall auf dem Weg zur Arbeit oder während der Arbeit, sind Betroffene über ihren Arbeitgeber versichert. Thüringer Richter mussten jetzt klären, ob diese Versicherung auch greift, wenn es während einer Dienstreise zu einem Unfall in der Hoteldusche kommt.

Frau duscht sich in einer Badewanne die Beine ab.
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Da war der Tag im Eimer: Ein Mann bricht sich beim morgendlichen Duschen das Knie. MDR JUMP-Rechtsexperte Thomas Kinschewski schildert den kompletten Fall:

Ein Arbeitnehmer ist auf eine Dienstreise abgeordnet. Er soll dort ein Projekt betreuen und eröffnen. Anreise war am Vortag, beim Duschen am Morgen passiert das Unglück. Auf einer nassen Fliese rutscht er aus und bricht sich das Knie. Die Berufsgenossenschaft sagt, ein Arbeitsunfall liegt nicht vor und auch das Sozialgericht in Thüringen sagt dazu: nein. Das will der Mann nicht hinnehmen und zieht vor das Thüringer Landessozialgericht.

Sicher, es gibt Jobs da gehört Duschen unbedingt dazu, stellt Anwalt Kinschewski klar:

Die Frage, ob es ein Arbeitsunfall ist, stellt sich nicht, wenn das Duschen am Arbeitsplatz Pflicht ist. Insbesondere zum Beispiel in der Medizin oder auch teilweise in der Halbleiter- und Elektronikindustrie. Dort ist wegen der Raumhygiene unter Umständen Duschen angeordnet. Da ist natürlich ein Sturz beim Duschen versichert. Wenn ich aber zum Beispiel Eisverkäufer bin und im Sommer ist mir so warm das ich in der Pause in der Eisdiele unter die Dusche springe, dann ist das nicht versichert.

Also, wie haben die Richter entschieden?

Zugunsten der Berufsgenossenschaft. Die muss nicht zahlen, sagt das Landesarbeitsgericht. Das morgendliche Duschen auf einer Dienstreise ist nicht mitversichert. Konkret versichert sind im Rahmen des Arbeitsverhältnisses nur Tätigkeiten, das dem Beschäftigungsverhältnis zu Grunde liegt. Höchstpersönliche Verrichtungen, auch das Essen oder andere eigenwirtschaftliche Angelegenheiten sind grundsätzlich nicht mitversichert.

Dem Kläger steht noch offen, die Entscheidung beim Bundessozialgericht anzufechten.

Az.: L 1 U 491/18

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
Bildrechte: Thomas Kinschewski

Unser Experte: Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 02. Februar 2019 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 12:41 Uhr

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