Dieselskandal: Autokäufer bekommen Geld von VW zurück

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Autokonzern Schadenersatz an Diesel-Kunden zahlen muss. Das Urteil könnte auch für andere „Skandalauto“- Besitzer richtungsweisend sein.

VW-Logo in Autoabgasen
Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Für zehntausende Diesel-Fahrer ist der Weg für Schadenersatz von Volkswagen frei. In seinem ersten Urteil zum VW-Abgasskandal stellte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe fest, dass klagende Käufer ihr Auto zurückgeben und das Geld dafür einfordern können. Auf den Kaufpreis müssen sie sich aber die gefahrenen Kilometer anrechnen lassen.

Geklagt hatte ein VW Sharan-Besitzer. Er hatte 2014 knapp 31.500 Euro für das gebrauchte Auto gezahlt. Als 2015 der Diesel-Skandal bei VW aufflog, wollte er sein Geld zurück. Der Fall landete zunächst vor dem Oberlandesgerichts Koblenz. Die Richter dort entschieden, dass der Diesel-Besitzer die Kaufsumme abzüglich der Nutzung zurückbekommen soll: insgesamt gut 25.600 Euro plus Zinsen. VW wollte nichts zahlen, mit dem Argument: das Auto sei jederzeit voll nutzbar gewesen. Dem Kunden sei also kein Schaden entstanden.

Nun hat der BGH mit seinem Grundsatzurteil zugunsten des Autobesitzers die Linie für viele Tausend noch laufende Gerichtsverfahren vorgegeben. Nach VW-Angaben sind bundesweit noch rund 60 000 Verfahren anhängig, also nicht rechtskräftig entschieden oder per Vergleich beendet. VW kündigte direkt nach der Urteilsverkündung an, diesen Klägern Einmalzahlungen anzubieten.

Die Verbraucherzentrale rät allen Betroffenen, sich genau zu informieren und beraten zu lassen, ob sie Ansprüche haben, sagte Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen zu MDR JUMP:

Michael Hummel, Verbraucherzentrale Sachsen
Bildrechte: Verbraucherzentrale Sachsen/Johannes Waschke

Das ist ein sehr positives Urteil, sehr gut für die Verbraucher. Es ist auch richtungsweisend für andere Autobesitzer. Daher sollte man sich im Internet informieren oder bei der Verbraucherzentrale bzw. von einem Anwalt beraten lassen.

Für andere „Skandalauto“-Besitzer gelte das Urteil zwar nicht direkt, so das Verbraucherportal Stiftung Warentest. Allerdings beachten die Gerichte die Vorgaben des Bundesgerichtshofs und entscheiden nur in wenigen Einzelfällen anders. Auf Diesel-Fahrer, die aber den Vergleich akzeptiert hatten, der mit einer Musterfeststellungsklage gegen VW erwirkt worden war, hat das nun getroffene BGH-Urteil keine Auswirkungen mehr.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 25. Mai 2020 | 12:00 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP