Urlaubsrückkehrer: Schon ab 1. August könnte Testpflicht kommen

Bisher müssen nur Urlauber bei einer Rückkehr aus Hochrisikogebieten einen negativen Corona-Test vorlegen. Die Bundesregierung plant eine Ausweitung der Testpflicht. Sie soll für Erwachsene und Kinder ab sechs gelten.

Hinweis auf das Corona-Testcenter am Flughafen BER Berlin/Brandenburg
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Die Urlaubsländer Frankreich, Dänemark, Irland und Malta gelten seit kurzem wegen ansteigender Corona-Neuinfektionen als Risikogebiete. Wer aus diesen und anderen auch so eingestuften Ländern nach Deutschland kommt, ist zu einem Corona-Test verpflichtet. Auch Flugreisende müssen generell einen Test vor der Einreise machen. Von der Testpflicht ausgenommen sind Genesene und vollständig Geimpfte. Das Bundesgesundheitsministerium will die Testpflicht jetzt aber rasch ausweiten und damit einen Anstieg der Corona-Infektionen abbremsen. Alle Urlaubsrückkehrer sollen sich testen lassen.

Testpflicht für alle Rückkehrer geplant

Das Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn (CDU) will die Testpflicht offenbar auf alle Urlaubsrückkehrer ausweiten. Dazu heißt es einem Entwurf des Ministeriums, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, es sei notwendig:

...die Eintragung zusätzlicher Infektionen einzudämmen und die Infektionszahlen gering zu halten, um in dieser Zeit weiter die Impfquoten steigern zu können.

Damit soll die nach den aktuellen Prognosen zu erwartende nächste Welle an hohen Corona-Infektionszahlen möglichst weit nach hinten verzögert werden, heißt es im Entwurf weiter. Für den schnellen Start der generellen Testpflicht hatten sich mehrere Ministerpräsidenten ausgesprochen. Darunter sind die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Donnerstag:

Aus dem vergangenen Jahr wissen wir, dass Reiserückkehrer viel zum Anstieg des Infektionsgeschehens beigetragen haben. Es ist ein kleiner Mehraufwand für Jeden von uns, schafft aber viel Sicherheit.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte am Dienstag in einem Interview in den Tagesthemen gesagt, dass die Ausweitung der Testpflicht für Reiserückkehrer schon am 1. August in Kraft treten könnte.

Laut den Plänen müssten dann alle Reisende ab sechs Jahren bei ihrer Rückkehr nach Deutschland einen negativen Corona-Test haben. Der Test könne dann laut dem Entwurf aus dem Ministerium „stichprobenartig“ kontrolliert werden. Dabei soll keine Rolle spielen, aus welchem Land und mit welchem Verkehrsmittel Urlauber einreisen. Für Grenzpendler und kurze Reisen in Nachbarländer soll es Ausnahmen geben.

Neue Einreiseverordnung

Als Nachweis gelten ein Antigen-Schnelltest, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, oder ein maximal 72 Stunden zurückliegender PCR-Test. Wer Urlaub in einem Risikogebiet gemacht hat, muss die Rückreise zudem digital anmelden - auf dem Einreiseportal. Das kann beispielsweise an der Grenze kontrolliert werden.

Eine FFP2-Maske hängt an der Lehne eines Passagier-Flugzeuges.
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Bisher gelten Test- und Anmeldepflicht nur für Flugpassagiere und und nur für Einreisende aus Risikogebieten. Ausgenommen waren Urlauber, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind. Das soll auch so bleiben. Seit 28. Juli gilt eine neue Einreiseverordnung. Darin ist noch keine ausgeweitete Testpflicht für Reiserückkehrer enthalten. In der neuen Verordnung wird aber festgelegt, dass nachweislich Geimpfte und Genesene anders als bisher von der Quarantäne befreit sind, wenn sie aus einem Virusvariantengebiet einreisen.

Virologe begrüßt Pläne für Ausweitung der Testpflicht

Der Virologe Martin Stürmer sagte zur Idee aus dem Gesundheitsministerium im ZDF-Morgenmagazin Anfang der Woche:

Martin Stürmer, Virologe und Leiter des IMD Labors Frankfurt am Main, zu Gast bei Anne Will im Ersten im Mai 2021
Martin Stürmer, Virologe und Leiter des IMD Labors Frankfurt am Main, zu Gast bei Anne Will im Ersten im Mai 2021 Bildrechte: IMAGO / Jürgen Heinrich

Wir sehen tatsächlich schon, dass Reiserückkehrer gehäuft dazu beitragen, Infektionen nach Deutschland zu bringen.

Das sei sicher auch darin begründet, dass bei Geimpften und Genesenen auf die Tests verzichtet werde, auch wenn sie aus Hochrisikogebieten kämen. Ein solches Vorgehen nannte er im Interview „fahrlässig“. Es sei bereits bekannt, dass sich auch Geimpfte mit der Delta-Variante anstecken könnten. Damit würde der Virologe in seiner Einschätzung noch weiter gehen als das Bundesgesundheitsministerium. Martin Stürmer leitet in Frankfurt das private Diagnostiklabor IMD. Am Montag hatten sich schon Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für schärfere Regeln für Reiserückkehrer ausgesprochen. Das dafür geplante Treffen der Ministerpräsidenten Ende August sollte vorgezogen werden, forderte Söder.

Quarantäne-Pflicht für Rückkehrer aus Hochinzidenzgebieten bleibt

Die Pläne für die erweiterte Testpflicht lassen die bisherige Regelung für Hochinzidenzgebiete offenbar unberührt. Das sind laut Gesundheitsministerium Länder oder Regionen mit besonders hohen Fallzahlen. Dazu gehören seit heute (27. Juli) auch Spanien und die Niederlande. Das hatte die Bundesregierung letzte Woche am Freitag festgelegt. Wer von dort aus dem Urlaub zurückkehrt und nicht geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne. Diese Frist kann nach frühestens fünf Tagen durch einen negativen Test verkürzt werden.

Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 29. Juli 2021 | 10:00 Uhr

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