Ohne Probleme Urlaub beantragen

20.01.2020 | 12:35 Uhr

Eines der Highlights des Jahres ist für viele der langersehnte Urlaub. Damit mit dem Urlaubsantrag nichts schief geht, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski klärt über die rechtlichen Aspekte auf.

Passagierflugzeug fliegt in die Sonne
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Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Rechtsanwalt Thomas Kinschewski hat Rechtswissenschaften an der Uni Halle studiert. Seine Spezialgebiete sind unter anderem das Zivil-, Vertrags- und Schadens-, Verkehrs- und Familienrecht.

Bis wann müssen Urlaubsanträge eingereicht werden? Ist das gesetzlich festgelegt?

Im deutschen Urlaubsrecht sind die wichtigsten Sachen leider nicht festgelegt. Es gibt keine gesetzliche Frist, wann ich ihn einreichen muss. Es gibt das sogenannte Rechtzeitigkeit-Erfordernis. Denn mein Chef muss meinen Urlaub ja prüfen und er muss schauen, was ist mit anderen Urlaubsanträgen - und das braucht eben eine gewisse Zeit. Das heißt, heute Urlaub für morgen einreichen, klappt nur, wenn ich mit dem Chef ziemlich gut stehe.

Wie viele Tage vorher muss der Urlaub beantragt werden?

Ein orange-farbener Sonnenschirm steht an einem einsamen Strand, dahinter das blaue Meer.
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Auch das ist gesetzlich nicht geregelt. Es ist wirklich zu empfehlen den Jahresurlaub, das heißt den Sommerurlaub mit Fernreise, schon möglichst am Jahresanfang einzureichen. Kleiner Tipp für die Arbeitnehmer: Die Absprache mit den Kollegen hilft in der Regel sehr. Vor allem, wenn es sich um unterschiedliche Urlaubsanträge handelt. Ein Single oder ein fünffacher Familienvater werden nach dem Bundesurlaubsgesetz anders behandelt.

Haben Arbeitnehmer mit Kindern einen gesetzlichen Vorteil gegenüber Singles oder kinderlosen Paaren?

Es gibt keinen gesetzlichen Vorteil. Aber die Rechtsprechung sagt: Es gibt so eine Art Sozialauswahl. Die Bundesländer in Deutschland haben ja unterschiedliche Ferienzeiten - und der fünffache Familienvater mit Frau und Kindern darf natürlich eher Urlaub in den Sommerferien seines Bundeslandes machen, als der dreiundzwanzigjährige Single, der auch mal gerne im Winter Ski fährt.

Wenn mehrere Mitarbeiter in dem gleichen Zeitraum Urlaub haben wollen: Wer muss die Entscheidung treffen? Gibt da es da gesetzliche Regelungen?

Ein Mann trägt ein Paar Ski auf der Schulter
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Wenn sozial gleichberechtigte Arbeitnehmer gleichzeitig Urlaub nehmen wollen, hat der Chef ein gesetzliches Bestimmungsrecht. Er darf also sagen, wer fahren darf und wer nicht. Er muss dabei allerdings auch Gerechtigkeit walten lassen und muss darauf achten, wie es in den Vorjahren war. Und welche Interessen bringt der Arbeitnehmer vor: Zum Beispiel ist die geschenkte Reise zur Silberhochzeit mehr Wert, als der normale Jahresurlaub eines Mallorca-Urlaubers.

Was wäre, wenn man Urlaub nicht am Stück nimmt, sondern zum Beispiel 30 Montage um verlängerte Wochenenden zu kriegen?

Der gesetzliche Mindesturlaub ist 24 Tage. Viele bekommen 30 Tage oder mehr, nach Tarifvertrag. Und dann dem Chef zu sagen: "30 Montage mache ich frei und habe dann eine kurze Woche" - das geht nur, wenn der Chef damit einverstanden ist. Ansonsten sagt das Bundesurlaubsgesetz, dass der Urlaub einheitlich zu nehmen ist. Der Zweck des Urlaubs ist nämlich die Erholung, die Erhaltung und die Wiederherstellung der Arbeitskraft des Arbeitsnehmers. Und das geht nur, wenn er in der Regel mindestens die Hälfte seines Jahresurlaubs am Stück nimmt. In der Zeit darf er dann auch keine urlaubsfremden Tätigkeiten verrichten und als Bauarbeiter zum Beispiel auf einer anderen Baustelle arbeiten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Feierabendshow | 20. Januar 2020 | 14:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 12:35 Uhr

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