Umweltforschung Mikroplastik in Sachsens Talsperren

Winzige Kunststoff-Teilchen - so genanntes Mikroplastik - steckt überall, auch in Seen oder Flüssen. Besonders dann, wenn Wasser zur Ruhe kommt. Deswegen untersucht ein neues Forschungsprojekt nun unter anderem drei Talsperren in Sachsen.

von Johannes Schiller

Auch im Stausee Malter südlich von Dresden finden Forscher Mikroplastik. Für den Menschen ist das keine direkte, sondern eher eine indirekte Gefahr, beruhigt die Biologin Dr. Katrin Wendt-Potthoff:

Ich hätte keinerlei Bedenken in so einem Gewässer zu baden. Mich direkt als Menschen gefährdet das nicht! Trotzdem heißt das nicht, dass ich mir keine Gedanken machen muss. Denn die kleinen Tiere, die Plastik aufnehmen, werden wiederum von Fischen gefressen und irgendwann isst der Mensch auch den Fisch.

Biologin Dr. Katrin Wendt-Potthoff
Katrin Wendt-Potthoff
Bildrechte: Susan Walter/UFZ

Wendt-Potthoff arbeitet in der Magdeburger Außenstelle des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Fachleute wie sie unterscheiden zwei Typen von Mikroplastik. Typ 1 steckt in Dusch-Peeling oder Scheuermittel und wurde genau für diesen Zweck hergestellt. Typ 2 dagegen beschreibt eher den Rest eines sommerlichen Badetags. "Achtlos weggeworfener Müll, der in die Landschaft gerät. Das wird durch Wind, Wetter, UV-Licht aufgelöst und überall verteilt. Und diese kleinen Partikel, die kann man später nur ganz schwer wieder einsammeln, schon weil sie so klein sind," so beschreibt die Wissenschaftlerin die verschiedenen Typen von Mikroplastik.

Fünf Millimeter oder noch viel, viel kleiner sind diese Kunststoff-Partikel. Obwohl sie praktisch überall zu finden sind, weiß die Wissenschaft bislang vergleichsweise wenig. In Wendt-Potthoffs Forschungsprojekt wird deswegen auch untersucht, wie sich die winzigen Teilchen in einem See überhaupt verhalten.

Viele Kunststoff-Partikel sind leichter als Wasser, zum Beispiel Poly-Ethylen oder Poly-Propylen, und die müssten eigentlich auf der Wasseroberfläche schwimmen und so durch das Gewässer transportiert werden.

Dr. Katrin Wendt-Potthoff:

Doch tatsächlich beobachten die Wissenschaftler etwas anderes: Die Kunststoff-Partikel sinken auf den Grund. Sie "sedimentieren", wie die Forscher sagen. Deswegen wollen Wendt-Potthoff und ihre Kollegen Sedimentproben nehmen, unter anderem in den sächsischen Talsperren Bautzen, Quitzdorf und Malter.

Dazu gibt es so genannte Sedimentstecher, mit denen man Kerne sticht. Wo die natürliche Schichtung der Kerne erhalten bleibt. Man kann das dann in verschiedene Horizonte aufteilen.

Dr. Katrin Wendt-Potthoff

Im Labor wird anschließend untersucht, wie viel Plastik in welcher Bodenschicht steckt, denn in der Pflanzen- und Tierwelt hat Mikroplastik sehr wohl ernste Folgen. Andere Studien haben bereits ergeben, dass Wasserflöhe die winzigen Plastikteilchen für Nahrung halten und fressen. Anschließend verhungern sie, erklärt Marcus Gast vom Umweltbundesamt Dessau.

Gemeiner Wasserfloh in einer vergrößerten Aufnahme.
Bildrechte: IMAGO

Es ist so, dass wenn Wasserflöhe großen Mengen dieser Partikel ausgesetzt werden, sie immer kleiner werden. Und ein Teil dann auch immobilisiert werden. Das heißt: Sie sinken zu Boden, können nicht mehr schwimmen, sind aus dem System raus.

Marcus Gast

Raus aus dem System bedeutet, dass die Wasserflöhe als Nahrung fehlen, zum Beispiel für Fische. Solche Wirkungen auf das Ökosystem stehen auch im Zentrum des neuen Forschungsprojekts. Außerdem wollen die Wissenschaftler in drei Jahren sagen können, wie stark die Talsperren mit Mikroplastik belastet sind.

Forschungsschwerpunkt "Plastik in der Umwelt" - Was ist das?

Das Projekt mit Namen "Mikroplastik in Talsperren und Staubereichen: Sedimentation, Verbreitung, Wirkung" gehört zum Forschungsschwerpunkt "Plastik in der Umwelt" des Bundesforschungsministeriums. An dem dreijährigen Vorhaben (bis 2021) sind mehrere Behörden und Forschungseinrichtungen beteiligt. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung koordiniert das Projekt.

Dieses Thema im Programm MDR Jump Radio | 14. März 2018 | 18:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2018, 15:22 Uhr

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