Das UMTS-Netz wird abgeschaltet – Und nun?

Dieses Jahr stehen bedeutende Veränderungen im Mobilfunknetz an. Betroffen sind Nutzer älterer Handys – aber nicht nur. Hier die wichtigsten Infos.

Funkmast mitten in der Natur.
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Technik-Nostalgiker müssen jetzt ganz stark sein. Wer von euch noch ein Uralt-Telefon wie das iPhone 3G, das iPhone 4, das Samsung Galaxy S oder gar ein altes Motorola RAZR hat, braucht dieses Jahr womöglich ein neues Handy. Das liegt daran, dass die Mobilfunkfirmen bald ihre Anlagen des Standards 3G – auch bekannt als UMTS - abschalten wollen. Die Telekom und Vodafone haben das zum 30. Juni vor, Telefónica plant den Schritt bis zum Jahresende.

Der Hintergrund: Die Firmen wollen das freiwerdende Frequenzspektrum für den Standard 4G nutzen. Der ist auch unter dem Namen LTE bekannt - oder aber gleich für das superschnelle 5G. „Das gleiche Frequenzspektrum kann so wesentlich mehr Kapazität und somit Bandbreite bereitstellen. Das führt zu einer insgesamt effizienteren Netzauslastung und mehr Performance für alle Nutzer“, schreibt etwa Vodafone.

Während UMTS nur auf Downloadgeschwindigkeiten von maximal 42 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) kam, lag LTE schon bei 300 Mbit/s und 5G soll zunächst zu 1.000 Mbit/s erlauben, langfristig sogar 1.000 Mbit/s.

„Vom Schwarzweiß-Fernseher bis zum Wählscheibentelefon, vom Diaprojektor bis zur gelben Telefonzelle, und vom iPod bis zum ISDN-Anschluss – für jede noch so erfolgreiche Technik ist es irgendwann an der Zeit, in den Ruhestand zu gehen“, heißt es daher bei der Telekom. Die Mobilfunkfirmen argumentieren, dass sowieso nur noch wenige Menschen UMTS nutzen. Laut Statistiken von Vodafone laufen nur noch etwa 2,5 Prozent des mobilen Datenverkehrs über dieses Netz.

Wer ein aktuelles LTE-Smartphone zu Hause hat, dem wird die 3G-Abschaltung vermutlich auch gar nicht auffallen. Für Nutzer soll es keine Zusatzkosten geben.

Wer aber noch ein älteres Telefon besitzt, kriegt Schwierigkeiten - weil das Gerät nach der Abschaltung keine Internetverbindung mehr bekommt. Oder besser gesagt: Nur noch per WLAN. Auch Messenger sind dann unterwegs nicht mehr ernsthaft nutzbar. Telefonieren und SMS sollten noch klappen, die werden über das weiterhin verfügbare Telefonie-Netz 2G - auch als GSM oder Edge bekannt – abgewickelt.

Blick aufs Display gibt Hinweise

Altes Smartphone mit 3G Funkstandard
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Wie weiß man nun, ob das eigene Handy modern genug ist – oder doch eher ein Fall fürs Technikmuseum? Den wichtigsten Hinweis liefert ein Blick auf den oberen Bereich des Displays. Steht dort "4G", "4G+" oder "LTE", dann habt Ihr kein Problem. Steht da immer nur "3G", "H" oder "UMTS", könnte es problematisch werden.

Laut einer Studie des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) gibt es in Deutschland immerhin noch 34,2 Millionen SIM-Karten, die nicht LTE- oder 5G-fähig sind.

Neben alten Handys können auch noch andere Geräte Probleme bekommen. Dazu zählen zum Beispiel manche Alarmanlagen oder E-Book-Reader mit Mobilfunkanbindung. So hatte etwa Amazon bis 2018 bei seinen mobilfunkfähigen Kindle-eReadern nur 3G-Module verbaut. Diese verlieren nun ebenfalls ihre Funktion.

Milliarden für die Lizenzen ausgegeben

Das jetzt vor der Abschaltung stehende UMTS-Netz gab vor rund 20 Jahren den Startschuss für den später folgenden Durchbruch des mobilen Internets. Doch los ging es mit einem Flopp. Zwar hatten sechs Firmen bei einer Auktion der Bundesregierung knapp 100 Milliarden D-Mark, also rund 50 Milliarden Euro, für das Recht ausgegeben, die entsprechenden Funkfrequenzen nutzen zu dürfen. Doch die Summe war zu hoch, um gute Geschäfte zu machen. Zwei Firmen gaben ihre Lizenzen zurück. Und auch bei den anderen vier änderte sich einiges: T-Mobile wurde zu Telekom Deutschland und Mannesmann zu Vodafone. Aus den einstigen Wettbewerbern Viag Interkom und E-Plus entstand das heutige O2-Netz von Telefónica.

Bei der Auktion für die 5G-Frequenzen machten Mitte 2019 nur noch vier Netzbetreiber mit: Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch. Dieses Mal konnte der Staat nur etwa 6,6 Milliarden Euro einnehmen. Mit dem neuen Mobilfunkstandard verbinden sich große Hoffnungen, unter anderem soll er beim autonomen Fahren zum Einsatz kommen. Interessant ist die Technik auch für Unternehmen aller Art für die Vernetzung ihrer technischen Anlagen.

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