Teil-Lockdown Corona-Auflagen: Das gilt bis Ende November

Bei der Zahl der täglichen Neuinfektionen gab es zuletzt regelmäßig neue Rekorde. Auch die Intensivstationen füllen sich wieder verstärkt mit Covid-19-Kranken. Wo sich die Betroffenen angesteckt hatten, war dem RKI zufolge in 75 Prozent der Fälle nicht mehr zu ermitteln. Bund und Länder haben daher wieder deutlich striktere Beschränkungen für November beschlossen. Ein Überblick über die derzeitigen Corona-Schutzmaßnahmen:

Polizistinnen gehen an einem Schaufenster vorbei, in dem Schilder zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz und Einhalten von Abstand auffordern
Polizistinnen gehen an einem Schaufenster vorbei, in dem Schilder zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz und Einhalten von Abstand auffordern. Bildrechte: dpa

Angesichts der wieder exponentiell ansteigenden Corona-Infektionen und der immer stärkeren Auslastung von Intensivstationen durch Covid-19-Kranke haben Bund und Länder wieder striktere Beschränkungen beschlossen. Seit dem 2. November gelten sie zunächst befristet für einen Monat.

Zwei Wochen nach Inkrafttreten der Maßnahmen haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen darüber beraten, was erreicht wurde und wo Anpassungen notwendig sind. Neue Beschränkungen wurden nicht beschlossen. Die Kanzlerin appellierte jedoch an alle, Kontakte weiter einzuschränken und kündigte für die letzte Novemberwoche ein längerfristiges Corona-Konzept an.

Darum ist Eigenverantwortung so wichtig

Unabhängig davon, was konkret erlaubt ist, sind es oft die kleinen Alltagsentscheidungen, die das Infektionsgeschehen beeinflussen. Sie können zur schnelleren Ausbreitung des Virus oder zur effektiveren Eindämmung beitragen. Besonders wirksam werden die einzelnen Präventionsmaßnahmen im Zusammenspiel:

Kontaktreduzierung

Die eigenen Kontakte auf das nötige Minimum zu reduzieren, gilt als wichtigstes Instrument zur Eindämmung der Pandemie. Denn je weniger andere Menschen jemand ansteckt, desto länger bleibt das Infektionsgeschehen beherrschbar - und die Gesundheitsämter kommen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten noch hinterher.

Abstand

Wo immer möglich, sollte ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen eingehalten werden. Das ist die Entfernung, die größere Tröpfchen nach Einschätzung von Fachleuten nicht mehr erreichen können. Bei längeren Kontakten spielen aber auch die sehr viel kleineren Aerosole eine wichtige Rolle. Diese können sehr viel länger in der Luft schweben und sich gerade in geschlossenen Räumen auch unvorhersehbar bewegen.

Hygiene

Hände sollten für 20 bis 30 Sekunden gründlich mit Seife gewaschen werden. Für Husten und Niesen gilt: in die Armbeuge. Auf Händeschütteln und Umarmungen bei Begrüßung oder Abschied sollte nach Möglichkeit verzichtet werden.

Mund-Nasen-Bedeckung

Einfache Medizin-Masken oder sogenannte Alltagsmasken dienen vor allem dem Schutz anderer, sollte man selbst unbemerkt infektiös sein. Wichtig ist dabei auch, dass die Maske Mund und Nase richtig bedeckt und auch an den Seiten möglichst eng anliegt. Dagegen dienen FFP-Masken auch dem Selbstschutz. Haben diese jedoch ein Ventil, geht der Fremdschutz verloren.

Lüften

Da das Ansteckungsrisiko in geschlossenen Räumen deutlich höher ist als im Freien, empfehlen Fachleute gründliches Lüften – oder nach Möglichkeit, Treffen mit Personen anderer Haushalte nach draußen zu verlegen.

Corona-Warn-App

Je mehr Menschen die Corona-Warn-App nutzen, desto wirksamer wird sie bei der Pandemiebekämpfung. Sie ermöglicht, Risikokontakte von bestätigten Sars-CoV-2-Fällen schneller zu informieren und auch Infektionsketten aufzuspüren, die die Gesundheitsämter nicht herausfinden könnten – etwa, wenn eine infizierte Person in Bus oder Bahn in unmittelbarer Nähe von Unbekannten war.

Quarantäne

In Verdachtsfällen auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 verhängen die örtlichen Gesundheitsämter in der Regel Quarantäne-Auflagen – etwa nach dem Kontakt mit einem bestätigten Corona-Fall. Bei der Kontaktnachverfolgung durch die Behörden kann aber wichtige Zeit verloren gehen. Auch die eigenständige Isolierung bei einem Verdacht ist daher sinnvoll.

Familie und Freundschaften

Dem Beschluss zufolge dürfen sich nur noch Angehörige zweier Haushalte treffen. Dabei gilt zusätzlich eine Obergrenze von maximal zehn Personen. Verstöße dagegen sowohl in der Öffentlichkeit als auch in privaten Räumen sollen durch verstärkte Kontrollen geahndet und sanktioniert werden.

Zudem appellieren Bund und Länder an alle Menschen, ihre Kontakte zu Menschen aus anderen Haushalten auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Auf nicht notwendige Reisen und Besuche sollte verzichtet werden. Zugleich soll eine vollständige soziale Isolation besonders vulnerabler Gruppen verhindert werden. Zu den Schutzvorkehrungen für Krankenhäuser, Pflegeheime, Senioren- und Behinderteneinrichtungen zählt daher auch der verstärkte Einsatz von Corona-Schnelltests.

Bildung und Jugend

In dem Beschluss erhalten Schulen und Kitas einen hohen Stellenwert. Sie sollen weiterhin verlässlich geöffnet bleiben. Die jeweiligen Länder entscheiden über zusätzliche Schutzmaßnahmen. Bereits bisher zählte dazu regelmäßiges Lüften der Klassenräume.

Zudem bleiben Einrichtungen der Sozial- und Jugendhilfe sowie ähnliche Beratungseinrichtungen geöffnet.

Freizeit

Ein großer Teil des öffentlichen Lebens wurde wieder heruntergefahren. Unterhaltungs- und Freizeit-Veranstaltungen sind bundesweit weitgehend untersagt. Zu den Einrichtungen, die wieder schließen mussten, gehören:

  • Theater, Opern, Konzerthäuser
  • Gastronomiebetriebe sowie Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen
  • Messen, Kinos, Freizeitparks, Spielhallen, Spielbanken, Wettannahmestellen
  • Prostitutionsstätten
  • Einrichtungen des Freizeit- und Amateursportbetriebs sowie Fitnessstudios; erlaubt bleibt lediglich der Individualsport allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand
  • Schwimm- und Spaßbäder, Saunen und Thermen

Gesundheit und Körperpflege

Weiterhin geöffnet bleiben dürfen Betriebe, die medizinisch notwendige Behandlungen anbieten. Dazu zählen Physio-, Ergo- und Logotherapien sowie Podologie. Auch Friseursalons dürfen unter den bestehenden Hygieneauflagen geöffnet bleiben. Dagegen müssen Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios und ähnliche Betriebe mit körperlicher Nähe zu Kundinnen und Kunden vorerst schließen.

Arbeitsschutz

Offen bleiben auch Industriebetriebe und Handwerk, ebenso der Groß- und Einzelhandel. Dabei müssen die Geschäfte sicherstellen, dass höchstens ein Kunde pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche im Laden ist. Generell werden Unternehmen angesichts der gestiegenen Infektionszahlen dazu angehalten, ihre Hygienekonzepte anzupassen. Kontakte sowohl in der Belegschaft als auch mit Kundinnen und Kunden sollen so weit wie möglich reduziert werden. Wo Heimarbeit oder mobiles Arbeiten von zu Hause umsetzbar ist, soll das bevorzugt werden.

Wirtschaftshilfen

Die von den Schließungen betroffenen Unternehmen, Selbstständige, Vereine und Einrichtungen erhalten eine außerordentliche Wirtschaftshilfe. Als Erstattung vorgesehen sind 75 Prozent des jeweiligen Umsatzes des Vorjahresmonats für Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten. Insgesamt steht dafür ein Finanzvolumen von bis zu zehn Milliarden Euro bereit.

Für Bereiche mit erheblichen Einschränkungen über die aktuellen und befristeten Beschränkungen hinaus werden Hilfsmaßnahmen verlängert. Dazu zählt etwa die Kultur- und Veranstaltungsbranche. Zugleich wird eine Verbesserung der Konditionen für die Überbrückungshilfe III angekündigt. Der KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten wird geöffnet und angepasst.

Das gilt in Sachsen

In Sachsen fallen die privaten Kontaktbeschränkungen etwas milder aus als im bundesweiten Beschluss. Im eigenen Wohnumfeld sind Treffen von bis zu zehn Personen aus zwei Haushalten oder insgesamt maximal fünf Personen erlaubt. In der Öffentlichkeit sind ebenso wie auf Bundesebene Zusammenkünfte nur mit Angehörigen eines weiteren Haushalts erlaubt, insgesamt also auch hier nicht mehr als zehn Personen.

Das Kultusministerium verfügte zudem eine Maskenpflicht während des Unterrichts für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 11 in Oberschulen sowie in Berufsschulen. Das Personal erhält auf Wunsch FFP2-Masken, die einen hohen Selbstschutz ermöglichen.

Individualsportarten sind auch Indoor weiter möglich. Nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums dürfen entsprechende Anlagen des Amateur- und Freizeitsports weiter geöffnet werden. Maßgeblich ist, dass es sich um keinen Mannschaftssport handelt. Individualsportarten sind zum Beispiel Leichtathletik, Tennis, Golf oder Turnen. Auch organisiertes Training in Individualsportarten bleibt erlaubt.

Das gilt in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt ändert die neuen, deutschlandweiten Corona-Beschränkungen in einzelnen Punkten ab. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne sagte, dass Einrichtungen, die für Kinder, Jugendliche und Senioren als wichtig erachtet würden, offen bleiben dürften. Dazu zählten Tierparks, Zoologische und Botanische Gärten sowie der Rehasport. Auch Angebote der Kinder- und Jugendarbeit blieben weiter geöffnet, ebenso Volkshochschulen, Bibliotheken und Archive.

Im Gegensatz zur bundesweiten Regelung dürfen in Sachsen-Anhalt zudem Kosmetik- und Nagelstudios im November weiterhin arbeiten.

Das gilt in Thüringen

Auch Thüringen weicht in seiner neuen Corona-Verordnung von den Bund-Länder-Beschlüssen leicht ab. Wie das Gesundheitsministerium in Erfurt mitteilte, sollen Kosmetik-, Tattoo- und Nagelstudios geöffnet bleiben. Museen dürfen öffnen, allerdings nur für kostenlose bildungsbezogene Angebote. Auch Zoos und Tierparks dürfen noch Besucher empfangen, jedoch nur in den Außenbereichen.

In den weiteren Punkten stimmt die Thüringer Verordnung mit den von Bund und Ländern beschlossenen Corona-Maßnahmen überein. Neu in der Thüringer Verordnung ist erstmals ein Parlamentsvorbehalt. Die Regierung ging damit auf Kritik der Opposition ein, die mehr Mitsprache des Landtags gefordert hatte.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL FERNSEHEN | 28. Oktober 2020 | 19:30 Uhr

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