Corona-Daten-Update 21. und 22.03.2020 Diese Altersgruppen haben sich bislang am häufigsten mit dem Coronavirus infiziert

Je nach Bundesland sind die Corona-Infizierten unterschiedlich alt. Welche Altersgruppe wie stark betroffen ist und warum es am Sonntag einige Irritationen um neu vermeldete Fallzahlen des Robert-Koch-Instituts gab, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Manuel Mohr
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von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Madrid: Betten sind in einem Pavillon auf der Madrider Messe aufgereiht, in dem während der Ausgangssperre Obdachlose aufgenommen werden sollen.
In Madrid sind Betten in einem Messe-Pavillon aufgereiht, in dem während der Ausgangssperre Obdachlose aufgenommen werden sollen. Bildrechte: dpa

Letztes Update: 19.23 Uhr

Heute geht es nach einem Tag Pause weiter mit dem nächsten Corona-Daten-Update. Ich habe meinen Nachrichtenkonsum auf ein Minimum reduziert und die Zeit genutzt, um mich mit Dingen zu beschäftigen, die bewusst nichts mit der aktuellen Situation um uns herum zu tun haben. Das hat sehr gut getan. So konnte ich neue Kraft tanken, um Sie in den kommenden Tagen wieder in gewohnter Weise auf den neusten Stand zu bringen. Los geht's:

Sachsen-Anhalt | Sachsen | Thüringen: Die aktuelle Lage

Auch am Wochenende gab es zu verschiedenen Zeitpunkten mehrere neue Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten im MDR-Gebiet. Aus Sachsen-Anhalt wurden bis Sonntagabend 269 Corona-Infektionen gemeldet, in Sachsen sind es 731 bestätigte Fälle und in Thüringen 324 infizierte Personen. Daraus ergibt sich für die Städte und Landkreise am Abend folgende Corona-Lage:

Bitte beachten Sie, dass die Daten in der Karte die zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellsten sind. Diese wurden nicht zwangsläufig zur gleichen Uhrzeit erhoben und stammen aus verschiedenen Quellen, die Sie den folgenden Hinweisen entnehmen können.

Hinweise zur Karte

Aus Sachsen-Anhalt stammen die Zahlen vom Sozialministerium. Die Daten des Freistaats Sachsen stammen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium. In Sachsen wird bei der Veröffentlichung zwischen elektronisch übermittelten Fällen und den Fällen inklusive Vorabmeldungen unterschieden. In unserer Karte haben wir uns dafür entschieden, die Fälle inklusive der Vorabmeldungen zu veröffentlichen, da so ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt und Thüringen besser möglich ist.

In Thüringen wiederum veröffentlicht die Landesregierung einmal täglich neue Fallzahlen. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN werten laufend aktuelle Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, sodass ihre Angaben aktueller und damit auch höher als die des Landes sind. In der Karte verwende ich daher die recherchierten und geprüften Daten meiner Thüringer Kollegen.

Was mir heute an den Zahlen aufgefallen ist

Vergangenen Mittwoch hatte ich an dieser Stelle versprochen, dass ich nochmals näher auf das Alter der bislang Infizierten eingehen werde, sobald das RKI die entsprechende Datenbank wieder aktualisiert hat. Nun ist es soweit und ich kann Ihnen – zumindest mit Datenstand von Samstagabend – ein paar neue Eckdaten liefern. Um die Situation in den einzelnen Bundesländern besser einschätzen zu können, vergleichen ich sie jeweils mit den Werten für ganz Deutschland. So wird sichtbar, ob und inwieweit einzelnen Altersgruppen vom bundesweiten Durchschnitt abweichen.

In Sachsen-Anhalt ist es die Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen, die mir sofort aufgefallen ist. Während deutschlandweit 8,8 Prozent der Infizierten (bis zum Zeitpunkt der Datenerhebung) aus dieser Altersgruppe stammen, sind es in Sachsen-Anhalt 13,3 Prozent. Das ist der für das Bundesland höchste Wert aller Altersgruppen:

Abgesehen von dieser Ausnahme bewegen sich die Anteile der übrigen Altersgruppen mit kleineren Abweichungen auf dem bundesweiten Niveau. Warum ausgerechnet die Gruppe der 30- bis 34-Jährigen – zu der ich nebenbei gesagt selbst gehöre – bislang so häufig unter den Infizierten in Sachsen-Anhalt vertreten ist, geht aus den RKI-Daten nicht hervor. Und wahrscheinlich ist es zu diesem Zeitpunkt auch noch zu früh, um mögliche Gründe dafür zu finden. Ich denke, dazu wird im Nachgang der Corona-Pandemie noch die ein oder andere Forschungsarbeit publiziert werden.

Bei den Daten aus Thüringen sind meiner Meinung nach zwei Aspekte interessant. Zum einen sind die 25- bis 29-Jährigen deutlich seltener unter den Infizierten vertreten als bundesweit. Dafür sind es die 40- bis 49-Jährigen etwas mehr:

In Sachsen ist am auffälligsten, dass es so gut wie keine Abweichungen zum bundesweiten Durchschnitt gibt. Allein die 35- bis 39-Jährigen sind im Freistaat etwas häufiger unter den Infizierten vertreten als in ganz Deutschland, bei den 40- bis 49-Jährigen verhält es sich dafür genau umgekehrt:

Zu beachten ist allerdings, dass je kleiner die Fallzahlen – vor allem in Sachsen-Anhalt und Thüringen – momentan noch sind, desto schwerer fällt auch jeder einzelne Fall in der Statistik auf. Insgesamt ist diese Betrachtung also eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Datenerhebung – wenn auch aus meiner Sicht eine sehr Interessante. Ich werde das in den kommenden Tagen aber für Sie im Auge behalten und über etwaige Veränderungen berichten.

Was ich Ihnen heute leider nicht bieten kann, sind die Grafiken zur zeitlichen Entwicklung der Fallzahlen sowie der Fallzahlen bezogen auf 100.000 Einwohner. Grund dafür ist, dass am Wochenende nicht alle regionalen Stellen ihre neuen Fallzahlen an das RKI gemeldet haben. Das hat das Institut heute auf seiner Internetseite bekannt gegeben. Die dort am Sonntag veröffentlichten Zahlen entsprechen demzufolge nicht dem tatsächlichen Anstieg. Im Laufe des Tages hatten bereits mehrere Medien gemeldet, dass sich die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland verlangsamt habe.

Wie es wirklich ist, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Denn das RKI rechnet mit den fehlenden Angaben erst im Laufe des Montags, sodass ich hier voraussichtlich ab Dienstag wieder mit verlässlichen Daten arbeiten kann.

Die Corona-Lage in Deutschland

Gleiches gilt für auch für die hier sonst üblichen Vergleiche auf Bundesebene. Denn während von Freitag auf Samstag noch rund 2.700 neue Fälle an das RKI übermittelt wurden, waren es von Samstag auf Sonntag nur noch 1.948. Was zunächst nach einer erfreulichen Verlangsamung der Neuinfektionen aussah, entpuppte sich nun leider als unvollständige Statistik. Um dennoch eine gute Orientierung über die aktuelle Entwicklung zu haben, hilft hier der Blick auf eine zweite Quelle.

So weisen die unvollständigen RKI-Daten gegenwärtig 18.610 bestätigte Infektionsfälle und 55 Todesfälle in Deutschland aus. Forscher der Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus den USA berichten bis zum frühen Abend (Stand: 18.00 Uhr) aber bereits von 23.974 Infektionen und 92 Todesfällen. Hauptgrund für die abweichenden Angaben ist, dass die JHU nicht auf Meldungen einer oder mehreren Behörden angewiesen ist, sondern über zahlreiche im Internet frei zugängliche Quellen fortlaufend neue Zahlen erhebt und veröffentlicht.

Corona-Situation weltweit

Traurige Nachrichten las ich am Wochenende unter anderem aus Italien und Spanien. In beiden Ländern ist die Zahl der Todesfälle rasant gestiegen. So starben in Italien innerhalb von 24 Stunden fast 800 Menschen infolge der Infektion mit dem neuartigen Coronavirus, in Spanien waren es knapp 400. Auch im Iran stieg die Zahlen zuletzt stark an. Hier die aktuellsten Zahlen:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Üübersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Ab Montag wird es hier zwei Neuerungen für Sie geben: Zum einen bieten wir Ihnen das täglich Corona-Daten-Update künftig auch als Newsletter an. Alles was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird, täglich 20 Uhr in Ihrem Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Zum anderen möchte ich Ihnen noch mehr detaillierte Einblicke in die Corona-Entwicklungen anderer Bundesländer bieten. Viele von Ihnen – ich selbst zähle mich auch dazu – haben sicherlich Verwandte, Freunde oder anderweitige Berührungspunkte nach Bayern, Hessen oder Baden-Württemberg. Und überall dort gibt es ebenfalls engagierte ARD-Datenjournalisten, die rund um die Uhr sämtliche Corona-Daten sammeln und analysieren. In loser Folge möchte ich fortan meine Kollegen und Ihre Arbeit hier und im Newsletter vorstellen.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. März 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2020, 19:25 Uhr