Infektion Covid-19 Coronavirus: Fortschritte bei der Suche nach Impfstoffen und Medikamenten

Forscher stehen kurz vor klinischen Tests, in Deutschland werden neue Medikamente eingesetzt und einem Wissenschaftlerteam in Kanada ist es erstmals gelungen, das Virus Sars-Cov-2 zu klonen.

Reagenzgläser mit der Beschriftung COVID-19
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Update 25. März

Passive Impfung als Behandlungsmöglichkeit

In Wien nimmt man zur Zeit die alte Idee der Immuntherapie zur Hand: Mit Antikörpern von Corona-Patienten, die die Krankheit überstanden haben, soll schweren Fällen geholfen werden können. "Die Antikörper haben bereits bewiesen, dass sie effizient sind. Denn der ursprüngliche Infizierte ist zu einem gesunden Plasmaspender geworden", sagt Thomas Kreil vom Pharmaunternehmen Takeda. In neun bis 18 Monaten könnte das Mittel verfügbar sein, im Rahmen klinischer Studien möglicherweise schon früher.

Update 23. März

Klinische Tests für Medikamente um Impfstoffe

In Europa beginnen klinische Tests zur Behandlung von Covid-19. Die staatliche französische Forschungseinrichtung Inserm teilte mit, bei den Versuchen an rund 3.200 Personen würden vier Mittel eingesetzt, darunter das bei Ebola verwendete Remdesivir. Die mit dem Corona-Virus infizierten Testpatienten kämen unter anderem aus Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Spanien. Der Generaldirektor im französischen Gesundheitsminiserium, Salomon, erklärte, die Medikamente würden unter strikter Aufsicht getestet. Neben Europa testet auch die Weltgesundheitsorganisation Mittel, die gegen die neue Lungenkrankheit helfen könnten.

Erster Impfstoff in Deutschland im Herbst?

Im Rahmen einer Studie könnten Zehntausende Deutsche bereits im Herbst einen Impfstoff erhalten. "Wenn die Daten gut sind und die Behörden ihr Okay geben, können wir noch dieses Jahr eine größere Studie starten", so der amtierende Chef des Tübinger Biotechunternehmens Curevac, Franz Werner Haas, am Wochenende gegenüber der Wirtschaftswoche. "Wann der Impfstoff für die breite Masse verfügbar ist – ob noch dieses Jahr oder erst 2021 – hängt vom Ausgang der klinischen Studie und der Entscheidung der Zulassungsbehörden ab."

Erste Tests möglicher Impfstoffkandidaten haben in der vergangenen Woche in den USA an Freiwilligen begonnen. Dort leitet das Kaiser Permanente Institute in Seattle die Tests mit dem Mittel mRNA-1273 an 45 Patienten. China erlaubte dem Unternehmen CanSinoBIO die klinischen Tests ihres Mittels Ad5-nCoV, die mit 108 Testpersonen am Tongji Hospital in Wuhan durchgeführt werden.

Update 21. März - Möglicher Übergangs-Impfstoff gegen Corona

- Forscher vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin haben am Freitag einen neuen potenziellen Impfstoff vorgestellt. VPM1002 wurde ursprünglich im Kampf gegen Tuberkulose entwickelt. Der Impfstoffkandidat enthält abgeschwächte Tuberkuloseviren. Studien an Mäusen zeigen, dass er aber auch Virusinfektionen wie Covid-19 deutlich abschwächen könnte, weil er das Immunsystem aktiviert. VPM1002 wäre wahrscheinlich kein vollumfänglicher Impfschutz gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2. Er könnte aber als sogenannter Bystander funktionieren, also als unterstützendes Mittel. Die Wissenschaftler glauben, dass VPM1002 besonders gefährdete Gruppen wie alte Menschen oder Mitarbeiter des Gesundheitssystems lange genug schützen könnte, bis ein vollumfänglicher Impfstoff gegen Corona entwickelt und zugelassen ist. VPM1002 wird aktuell in einer Phase-III-Studie in Indien gestestet. Sie soll im Sommer abgeschlossen sein.

Update 19. März - Malaria-Prophylaxe-Mittel gegen Corona-Erkrankungen

Das Tübinger Institut für Tropenmedizin will ab kommender Woche das Malaria-Medikament Chloroquin im Kampf gegen Corona-Erkrankungen testen. Auch in China und Italien sind den Tübinger Tropenmedizinern zufolge viele Covid-19 Patienten mit Chloroquin behandelt worden. Es sei aber noch unklar, ob mit Erfolg, sagte Institutsdirektor Peter Kremsner. Auch aus Frankreich sei bekannt geworden waren, dass Chloroquin bei Corona-Erkrankungen helfen könnte, daher werde es nun auch in Deutschland getestet, sagte Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut im Gespräch mit der ARD: "Wir müssen weitere Studien abwarten, die auch in Deutschland durchgeführt werden."

Wie sieht das konkret aus? Sobald der Antrag durch die Tübinger Ethikkomission genehmigt ist, wollen die Mediziner eine moderat an Covid-19 erkrankte Testgruppe mit Chloroquin behandeln, eine Kontrollgruppe erhält Placebos. Gesundheitsminister Spahn zufolge sind beim Hersteller des Medikaments, dem Chemiekonzern Bayer, größere Mengen des Malaria-Prophylaxe-Mittels reserviert worden.

Update 16. März - Deutscher Impfstoffhersteller lehnt US-Angebot ab

Nach Berichten, dass sich die USA die Corona-Impfstoffentwicklung eines Deutschen Herstellers exklusiv sichern wollten, hat jetzt auch der Haupteigner der Firma, der deutsche Milliardär Dietmar Hopp, reagiert. Nach Angaben des Manager Magazins erklärte er: "Wenn es uns hoffentlich bald gelingt, einen wirksamen Impfstoff gegen das Corona-Virus zu entwickeln, soll dieser Menschen nicht nur regional, sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen, schützen und helfen können." Hopp hält über eine Biotech Holding 80 Prozent der Anteile an der Firma CureVac, die im Jahr 2000 an der Univerität Tübingen gegründet wurde.

Update 15. März - Coronavirus geklont

Kanadische Forscher haben nach eigenen Angaben zum ersten Mal das Coronavirus Sars-CoV-2 geklont. Klingt gefährlich, ist aber in Wirklichkeit ein Riesenfortschritt, da mit diesen immer wieder reproduzierbaren Viruskopien Impfstoffe oder Heilmittel getestet werden können. Die Ergebnisse, so die Mitteilung, sollen der gesamten Welt zur Verfügung gestellt werden. "Unter dem Gesichtspunkt des Gesamtbildes ist es entscheidend, ein Virusisolat zu haben, das mit anderen Labors geteilt werden kann, um andere Experimente durchzuführen", sagte Robert Kozak von der University of Toronto. Damit, so Kozak weiter, sei es möglich, "die Entstehung der Krankheit zu untersuchen und antivirale Medikamente zu testen, damit wir uns der Entwicklung von Therapien zuwenden können".

Für die Arbeit hatte sich ein Team von Forschenden aus drei Einrichtungen zusammengetan - dem Sunnybrook Health Science Center, der McMaster University und der University of Toronto. Als Ausgangspunkt nutzten sie die Viren von zwei kanadischen Infizierten.

Zwei Männer und dazwischen eine Frau - kanadische Wissenschaftler haben das Coronavirus geklont
Die kandischen Forscher, die Sars-CoV-2 geklont haben: Dr. Robert Kozak, Dr. Samira Mubareka, Dr. Arinjay Banerjee Bildrechte: Sunnybrook

Update 13. März - Ebola-Medikament wird in Deutschland eingesetzt

Die Düsseldorfer Uni-Klinik (UKD) setzt zurzeit "in ausgewählten Einzelfällen" antivirale Medikamente ein, die für die Behandlung von Coronavirus-Patienten noch nicht zugelassen sind. Dazu gehöre das gegen Ebola entwickelte Medikament Remdesivir, das derzeit nur direkt über den Hersteller nach Einzelfallprüfung zur Verfügung gestellt werde, teilte die Uni-Klinik am Donnerstagabend mit. RKI-Chef Lothar Wieler sagte, er sei optimistisch, dass mit dem Mittel eine Verbesserung erzielt werden könne. Remdesivir sei eines von mehreren Medikamenten, dessen Wirksamkeit demnächst in drei deutschen Kliniken erprobt werde.

Grünes Licht für Test in den USA

Die US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat nach Angaben von Gesundheitsminister Alex Azar grünes Licht für erste klinische Tests eines potenziellen Impfstoffs gegen das Corona-Virus gegeben. Das sagte Azar nach einem Besuch des Nationalen Gesundheitsinstituts in Bethesda (Maryland) mit US-Präsident Donald Trump und dem Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten (NIAID), Anthony Fauci.

Fauci betonte, damit ändere sich nichts am bisherigen Zeitplan für einen möglichen Impfstoff. "Der ganze Prozess wird mindestens ein oder eineinhalb Jahre dauern." Der NIAID-Direktor war von vornherein von diesem Zeitrahmen ausgegangen. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen gegen Covid-19.

Donald J. Trump, Anthony Faucil und Alex Azarr treffen auf der Wiese vor dem Weisen Haus zuammen.
US-Präsident Donald Trump (Mi.), NIAID-Direktor Anthony Fauci (li.) und US-Gesundheitsminister Alex Azar (re.). Bildrechte: imago images/MediaPunch

Erste Tests in Deutschland im Laufe des Jahres

Auch in Deutschland arbeiten Forscher an einem wirksamen Corona-Impfstoff, koordiniert vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). "Durch die Forschungen an einem MERS-Impfstoff, ebenfalls ein Coronavirus, haben wir eine gute Grundlage für diese Arbeiten", erklärt Prof. Stephan Becker, Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs "Neu auftretende Infektionskrankheiten".

Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, erwartet erste klinische Tests mit Impfstoffen gegen das neue Corona-Virus im Laufe des Jahres. Allerdings dauere eine Impfstoffentwicklung sehr viel länger als ein Diagnosetest, sodass diese Maßnahme für die aktuelle Ausbruchsphase zu spät komme, wie DZIF-Forscher Becker ausführt.

Hoffnung ruht auf passiver Immunisierung

Zusätzlich suchen die Wissenschaftler weiterhin nach einem wirksamen Medikament gegen die Krankheit. Hier könnte das sogenannte Rekonvaleszentenserum - auch passive Immunisierung genannt - ein Schlüssel sein: Dabei werden Antikörper von Corona-Infizierten gewonnen und im Labor angereichert. Der Vorteil dieser Methode liegt laut einer Studie, die im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, in der hohen Wirksamkeit. Allerdings ist die Produktion teuer und kann normalerweise nur bei Infizierten mit schwerem Krankheitsverlauf genutzt werden.

Weitere Hoffnung ruht auf dem Medikament "Remdesivir" des US-Pharmakonzerns Gilead. Ursprünglich wurde es gegen Ebola entwickelt, hat aber in Tierversuchen auch gegen SARS und Mers-CoV gewirkt. Es nutzt die Wirkweise, die RNA-Viren zur Vervielfältigung ihres Erbgutes benötigen. Ein Covid-19-Patient, der mit Remdesivir behandelt wurde, zeigte bereits einen Rückgang der Symptome, wie eine Studie aus dem "New England Journal of Medicine" nachwies. NIAID-Direktor Anthony Fauci schränkte jedoch ein, dass noch genügend verlässliche Daten fehlten.

cdi/gp

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2020, 10:20 Uhr

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