Idee aus Jena Mit der Ukulele durch die Corona-Zwangspause

Das Kino ist zu, die Lieblingskneipe und der Sportverein ebenfalls. Es kann gerade ganz schön schwierig sein, die eigene Freizeit zu gestalten. Vielleicht ist deswegen ein Angebot aus Jena recht erfolgreich: Ein Musiklehrer aus der Stadt gibt seit rund zwei Wochen Unterricht im Ukulele-Spielen. Für alle, die mitmachen möchten – mithilfe von Youtube-Tutorials im Netz und einem Leih-Instrument, das Interessierten bis an die Haustür geliefert wird.

Philipp Schäfflers Youtube-Kurs
Philipp Schäffler hat die Aktion "Jena lernt Ukulele" ins Leben gerufen. Bildrechte: Youtube/Philipp Schäfflers

Leerlauf macht kreativ. Und so kam bei Philipp Schäffler schon am ersten Tag, als er nicht mehr vor einer Klasse stehen konnte, die Idee auf, dass er ja im Netz weitermachen könnte. Die Ukulele sei für dieses Vorhaben genau das richtige Instrument, so der Musikpädagoge, da man sie relativ schnell erlernen könne und dann gleich Erfolge habe: "Die grundlegenden Dinge sind hier schnell erklärt, und dann kann man gleich losrocken. Das ist natürlich toll."

Unterstützung von Stadt und Wirtschaft

Jonas Zipf, Werkleiter von JenaKultur
Jonas Zipf Bildrechte: Tina Peißker

Der Weg, den Unterricht per Youtube-Video in die Welt zu senden, war schnell klar. Wie aber an Instrumente kommen? Weil Schäffler neben seiner Lehrtätigkeit an einem Gymnasium auch als Musikvermittler für die Jenaer Philharmonie tätig ist, nutzte er seine Kontakte – und klopfte beim städtischen Kulturamtsschef Jonas Zipf an. Dieser fand die Idee gut und besprach sie mit einem lokalen Unternehmer: "Wir haben beide gesagt – das machen wir. Wir kaufen erst mal hundert Instrumente, stellen diese zur Verfügung und liefern sie sogar aus."

So kommt es nun, dass Interessierte gegen eine geringe Gebühr ein Instrument ausleihen können. Die städtische Musikschule liefert sie den potenziellen Schülerinnen und Schülern im Raum Jena nach Hause. Aber auch Menschen außerhalb der Stadt sind eingeladen, mitzumachen. Laut Schäffler gibt es gute Ukulelen bereits für rund 60 Euro im Internet. Ein Stimmgerät noch dazu – und schon kann es losgehen.

Alle sollen mitziehen

Philipp Schäffler hat sich vor dem Online-Kurs kein konkretes didaktisches Konzept überlegt, dafür musste alles zu schnell gehen. Seine langjährigen Erfahrungen im Einzel- und Gruppenunterricht erleichtern nun aber vieles: "Es ist natürlich der Spagat zu lösen zwischen Leuten, die noch nie ein Instrument in der Hand gehabt haben und Leuten, die schon Erfahrung mitbringen. Wer bereits Gitarre spielt, ist natürlich viel schneller", erklärt Schäffler und berichtet von einem 80-jährigen Mann aus dem Allgäu, der nun ebenfalls am Online-Kurs teilnehme, "der hat natürlich ein ganz anderes Tempo. Ich versuche also, diese beiden Gruppen zu bedienen."

Verschiedene Ukulelen
Wer sich für den Kurs eine eigene Ukulele kaufen will, bekommt von Schäffler Tipps dazu. Bildrechte: IMAGO

Schaut man die Videos an, merkt man schnell, dass hier ein geübter Musikpädagoge am Werk ist. Schäffler nimmt sich viel Zeit, erklärt verständlich, und lockert den Unterricht hier und da mal mit einem Witz auf. So mache es einfach Spaß, dabei zu sein, erklärt der Student Darius Mannich. Er sitzt aufgrund der Reisebeschränkungen gerade bei seinen Eltern in Jena fest, und nutzt die Zeit eben nun, um Ukulele zu lernen: "Mir fällt das gar nicht schwer, Philipp Schäffler da zu folgen, auch online. Es ist eine gute Form, vor allem auch, weil man zurückspulen kann, wenn man etwas nicht mitbekommen hat."

Das Projekt wird zum Selbstläufer

Philipp Schäffler lädt nun jeden Tag ein Video hoch, manchmal zwei. Die ersten Folgen seines Kurses wurde mehr als 3.000 Mal angeklickt, von Menschen aus Deutschland, China, Schweden, der Schweiz und anderen Ländern. Weil nach wie vor auch direkt in Jena großes Interesse daran besteht, Ukulelen für den Kurs auszuleihen, ist er mit der Stadt dabei, weitere Leih-Instrumente zu organisieren. Er bekomme mit, dass die Menschen sich teilweise von Balkon zu Balkon von dem Projekt erzählten, berichtet Schäffler. Das sei natürlich das Beste, was passieren könne.

Wie lange sein Kurs noch gehen wird, weiß der Musikpädagoge nicht. Erst mal plant er bis Mitte April: Fünf Songs will er bis dahin geschafft haben, von Beethovens Europahymne bis zu "Somewhere over the rainbow". Und sollten die Ausgangsbeschränkungen wieder gelockert werden, dann hat er auch schon ein großes Vorhaben im Kopf: Er möchte ein großes Konzert organisieren, einen Ukulelen-Flashmob, bei dem alle zusammen kommen, die derzeit alleine zuhause sitzen und das neue Instrument lernen.

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Dieses Thema im Programm MDR KULTUR - Das Radio | 04. April 2020 | 07:10 Uhr

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