Trinkgeld: Was Postbote und Co. annehmen dürfen

17.12.2018 | 13:52 Uhr

Die fleißigen Engel der Adventszeit: Der Postbote, der alle Geschenke für die Familie nach Hause liefert oder die Verkäuferin mit der rettenden Idee für das Weihnachtsessen. Wer darf was annehmen - ein Überblick!

Hände mit Geschenk vor einem Weihnachtsbaum
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Weihnachten ist nicht nur die Zeit des Schenkens im Familien- und Bekanntenkreis, sondern auch die Zeit in der man sich bedankt. Sei es beim Paketboten, dem Briefträger oder der freundlichen Verkäuferin.

Aber wie viel darf man den anderen zustecken ohne sie in Verlegenheit zu bringen oder noch schlimmer, ihnen arbeitsrechtliche Probleme zu bereiten? Schließlich gelten für die meisten Arbeitnehmer strenge Vorschriften, die regeln, ob und was sie an Geschenken oder Trinkgeld annehmen dürfen.

Trinkgeld hat lange Tradition

Die Gebrüder Grimm haben "Trinkgeld" in ihrem Wörterbuch der deutschen Sprache von 1854 so definiert:

Kleinere Geldsumme für außer der Regel geleistete Dienstverrichtung, ursprünglich zum Vertrinken (bibale), auch Biergeld genannt.

Das Trinkgeld war damals vor allem für Leute gedacht, die mit ihrem Geschäft von Ort zu Ort gefahren sind und dort ihre Dienstleistungen angeboten haben. Heute gehört das Trinkgeld in Deutschland in vielen Service-Branchen zum guten Ton. Viele Servicekräfte in der Gastronomie sind sogar darauf angewiesen und bessern damit ihr Gehalt auf. Auch die Höhe des Trinkgeldes hat sich inzwischen eingepegelt. Linda Kaiser von der Deutschen Knigge Gesellschaft:

Dafür gibt es eine Faustregel in Deutschland und die lautet: fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrags.

Die fünf Prozent, sagt Lisa Kaiser, sollten dann aber die Untergrenze sein, die man gibt, wenn der Service nicht so toll war.

Firmen haben oft Regeln für Angestellte in Sachen Geschenke

Fakt ist: Wann aus einem Geschenk eine versuchte Bestechung wird, ist nicht geregelt. Der Richtwert laute, Geschenke bis zu einem Wert von 30 Euro sind problemlos - Pralinen oder auch der etwas hochwertigere Kugelschreiber können angenommen werden. Allerdings haben die meisten Firmen eigene Regelungen.

Beispielsweise dürfen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Leipzig Geschenke bis zu einem Wert von zehn Euro bedenkenlos annehmen. Das gilt auch für die Mitarbeiter der Stadtreinigung: "Wir haben die gleichen Vorgaben wie die Stadt", erklärt Susanne Zohl Pressesprecherin der Stadtreinigung Leipzig im Gespräch mit MDR JUMP.

Auch für Paketboten von Hermes gilt diese Grenze, berichtet der Bayerischer Rundfunk. Etwas höher ist die Grenze DHL. Dort dürfen die Paketboten grundsätzlich keine Geschenke annehmen. Eine Ausnahme sind "geringwertige Sachgeschenke bis zu einem Wert von 25 Euro". Hermann Gloistein, Anwalt für Arbeitsrecht in Halle im MDR JUMP-Interview:

Wenn ich einfach nur mal Dank sagen will, dann kann ich dem Paketboten ein kleines Geschenk machen. Ob das dann Bargeld ist, ob das ein Gutschein ist, ob das ein Sachgeschenk wie eine gute Flasche Wein ist, das kann dahin gestellt sein.

Der teure Präsentkorb mit Champagner oder das Ticket für ein Musical könnten dagegen zu einem Ermittlungsverfahren oder arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen. Das Strafgesetzbuch regelt nur ganz allgemein: Es ist verboten, jemandem im Beruf einen Vorteil zu verschaffen, weil dieser eine unlautere Gegenleistung erbringt. Übrigens: Auch wer explizit Geschenke fordert, macht sich strafbar. Anwalt Hermann Gloistein:

Als derjenige der schenken möchte, steht es einem gut zu Gesicht, wenn man mit der zu beschenkenden Person kurz spricht und fragt, ob die Annahme des Geschenkes in Ordnung ist.

Nimmt ein Mitarbeiter Vorteile in großem Umfang an, droht ihm sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Als Richtschnur, ob ein Geschenk akzeptabel ist oder nicht, sollte sich der Betreffende die Frage beantworten, ob die Zuwendung so groß ist, dass berufliche Entscheidungen dadurch beeinflusst werden könnten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 17. Dezember 2018 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2018, 13:52 Uhr

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