Trend-Diät: Was bringt eine Saftkur wirklich?

Saftkuren liegen gerade voll im Trend. Eine Woche lang nur Saft, Wasser und Brühe. Aber ist das wirklich so gesund?

Kiwi- und Erdbeer-Saft in einem Glas auf einem weißen Tisch
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Eine Saftkur soll die Pfunde purzeln lassen und den Körper entgiften. Die Durchführung ist dabei ganz einfach: Eine selbstgewählte Zeit lang, meist fünf bis 10 Tage, werden alle Mahlzeiten am Tag durch Obst- oder Gemüsesäfte ersetzt. Zusätzlich dürfen über den Tag nur Wasser, ungesüßter Tee und Brühe getrunken werden.

Die erhofften Erfolge

Die Annahme ist, dass der Körper heutzutage so viele Gift- und Schadstoffe aufnimmt, dass er nicht mehr alle vollständig ausscheiden kann. Die Saftkur soll das ändern und entgiftend wirken. Zudem soll eine Saftkur dazu beitragen, unerwünschte Pfunde zu verlieren. Astrid Donalies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sagt dazu im MDR JUMP-Interview:

Zum Abnehmen oder als längerfristige Ernährung ist die Saftkur nicht zu empfehlen. Die Gewichtsabnahme, die in der Regel erfolgt, ist eigentlich nur ein Nebeneffekt, weil man dem Körper sehr wenig Energie zuführt. Der Effekt hält aber nicht lange an, da keine vollständige Nahrungsumstellung erfolgt. Im Gegenteil: Da kann sogar der Jo-Jo-Effekt einsetzen.

Und auch die Entgiftungs-Hoffnungen bei einer Saftkur seien ein Trugschluss:

Unser Körper funktioniert ja in der Regel wunderbar. Er scheidet Abbauprodukte im Stoffwechsel permanent aus, nicht erst durchs Fasten. Wir haben Nieren, Leber, Darm, Haut und die Atmung und da wird alles Schädliche täglich ausgeschieden. Aus Sicht der Reinigung ist es also nicht notwendig.

Was auch nicht in Vergessenheit geraten darf: Durch eine Saftkur wird dem Körper zwar viel gesundes Obst und Gemüse hinzugefügt, doch enthält Obst eine Menge Fruchtzucker. Dieser kann bei übermäßigem Konsum sogar zur Gefahr werden, wie Ernährungsberaterin Sophia Schaubelt im MDR JUMP-Interview erklärt:

Wenn wir zu viel Fructose aufnehmen, also mehr als unser Körper in dem Moment benötigt, wird es in der Leber abgebaut und zu Fett umgewandelt. Das Fett bleibt dann meistens bei der Leber. Das bedeutet, dass zu viel Fruchtzuckeraufnahme eine Fettleber begünstigen kann. Das wird nicht passieren, wenn man sich mal drei Tage einer Saftkur unterzieht, aber man sollte wissen, dass man damit den Körper schon eher belasten könnte.

Lieber online kaufen oder selber machen?

Mittlerweile gibt es auf dem Markt viele Anbieter von Saftkuren. Teilweise sogar mit recht hohem Preis. So viel Geld auszugeben ist allerdings nicht notwendig, denn man kann die Säfte oder Smoothies auch einfach zu Hause zubereiten. Vorteil ist dabei natürlich nicht nur der Geldaspekt, sondern auch die Nachhaltigkeit und die Gewissheit über die Produkte im Getränk. Sophia Schaubel rät allerdings:

Die Produkte, die es fertig zu kaufen gibt, werden haltbar gemacht, das bedeutet sie werden erhitzt. Manche hitzeempfindlichen Vitamine gehen dadurch verloren. Deshalb lieber frisches Obst und Gemüse selber kaufen.

Wann man trotzdem eine Saftkur machen kann

Auch wenn Saftkuren weder zur Entgiftung geeignet sind, noch zum langfristigen Abnehmen-Erfolg führen, müssen sie nicht ganz abgeschrieben werden. Wenn man eine Saftkur ausprobieren und durchführen möchte, rät Astrid Donalies dazu, diese als Startschuss zur ausgewogenen Lebensweise zu sehen. Beispielsweise nach Tagen mit reichlich Essen oder Alkohol. Für ein paar Tage könne so wieder mehr auf sich und den Körper geachtet werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 15. Januar 2022 | 14:47 Uhr

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